AMSTERDAM
© 20th Century Studios

Amsterdam

„Amsterdam“ // Deutschland-Start: 3. November 2022 (Kino) // 12. Januar 2023 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Als Burt Berendsen (Christian Bale) 1918 an die Front geht, lernt er den Soldaten Harold Woodman (John David Washington) kennen sowie die Krankenschwester Valerie Voze (Margot Robbie), die sie wieder gesund pflegt. Schnell schließen die drei Freundschaft und gehen später gemeinsam nach Amsterdam, wo sie die schönste Zeit ihres Lebens verbringen. 1933 werden sich die Wege der drei ein weiteres Mal kreuzen. So werden der Arzt Berendsen und der Anwalt Woodman mit der Aufgabe betreut, einen verdächtigen Todesfall zu untersuchen. Tatsächlich stellen sie dabei fest, dass jemand seine Hände im Spiel hatte. Anstatt ungestört den Mörder jagen zu können, werden sie jedoch selbst zu Gejagten, als ihnen ein weiterer Mordfall angehängt werden soll und sie dabei eine unheimliche Entdeckung machen …

Stars im Dutzendpack

Es gibt Regisseure, die sind derart gefragt, dass ihnen die Stars in Scharen hinterherlaufen, ohne viel dafür tun zu müssen. David O. Russell gehört ohne Zweifel dazu. Natürlich hat der US-amerikanische Filmemacher eine Reihe von Werken gedreht, die Kassenschlager waren und auch bei der Kritik gut wegkamen. The Fighter oder Silver Linings zum Beispiel. Insofern ist ein gewisses Schaulaufen durchaus nachvollziehbar. Und doch ist Amsterdam in der Hinsicht so ziemlich das Absurdeste, was man 2022 auf der großen Leinwand sehen darf. Als wäre das Trio aus Hollywoodgrößen nicht schon Aushängeschild genug, hat die Besetzungsliste noch unzählige weitere Prominente auf Lager. Ob Chris Rock oder Anya Taylor-Joy, Michael Shannon oder Taylor Swift, Matthias Schoenaerts oder Zoe Saldaña – man kommt hier aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Das ist auch deshalb erstaunlich, weil nie so wirklich klar ist, was genau sie in dem Ganzen gesehen haben. Offensichtlich war das irgendwann ein solcher Selbstläufer, eine artistische Kettenreaktion, bei der niemand fehlen wollte, aus Angst etwas zu verpassen. So wie bei der grausam unkomischen Episodenkomödie Movie 43 damals. Während dort aber zumindest klar war, was der Film wollte – selbst wenn er an dieser Aufgabe scheiterte –, da herrscht hier kontinuierlich Konfusion. Denn irgendwie ist Amsterdam alles. Mal ist der Film Zeitporträt der 1930er, dann wieder eine seltsam entrückte Fantasiewelt. Komisch soll es sein, wenn wir hier einer seltsamen Gestalt nach der anderen begegnen und zugleich ernste Themen präsentiert bekommen. Dass zum Beispiel eine Weiße und ein Schwarzer zusammen sind, das ist in dem zeitlichen Rahmen nicht unbedingt selbstverständlich. Außerdem ist da noch ein Mord aufzuklären, der das Trio zu einer fiesen Verschwörung führt.

Ein Sammelsurium der Nichtigkeiten

Letztere hat sogar ein reales Vorbild, weshalb der Vergleich zu American Hustle naheliegt. In beiden Fällen hat Russell eine starbesetzte Krimikomödie gedreht, die auf einem realen Vorfall basiert. Christian Bale spielte sogar in beiden Filmen die Hauptrolle. Doch wo dieser Film ein absoluter Kassenschlager war, der mehr als das Fünffache des Budgets wieder einspielte und für insgesamt zehn Oscars nominiert war, da will Amsterdam niemand sehen. In den USA war das Sammelsurium ein riesiger Flop, die Kritiken waren bescheiden. Dabei hat auch der neue Film an und für sich einiges zu bieten. Die grandiose Optik zum Beispiel, bei dem auch die Handschrift des Star-Kameramanns Emmanuel Lubezki zu sehen ist. Zwischendurch wird es auch schön schräg, an sonderbaren Einfällen mangelt es nicht.

Sie fügen sich nur nicht zu einem Film zusammen. Eigentlich spielt hier nichts eine Rolle, kein Thema wird konsequent verfolgt, Figuren tauchen auf und verschwinden gleich wieder. Als richtige Krimikomödie ist Amsterdam kaum zu gebrauchen, ist weder komisch noch spannend. Im Gegenteil, viel zu oft mischt sich Verwirrung mit Langeweile. Da hat See How They Run derzeit deutlich mehr zu bieten. Andererseits ist es absolut faszinierend, wie viel Aufwand hier betrieben wird, um letztendlich nicht wirklich etwas zu erzählen. Einzelne Fragmente sind es, die hier zurückbleiben, sowie das Gefühl, dass es eine große Hollywoodverschwörung gab, sich über das zahlende Publikum lustig zu machen.

Credits

OT: „Amsterdam“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: David O. Russell
Drehbuch: David O. Russell
Musik: Daniel Pemberton
Kamera: Emmanuel Lubezki
Besetzung: Christian Bale, Margot Robbie, John David Washington, Chris Rock, Anya Taylor-Joy, Zoe Saldaña, Mike Myers, Michael Shannon, Timothy Olyphant, Andrea Riseborough, Taylor Swift, Matthias Schoenaerts, Alessandro Nivola, Rami Malek, Robert De Niro

Bilder

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Amsterdam
fazit
„Amsterdam“ ist ein gleichermaßen faszinierender wie ärgerlicher Film. An Ideen mangelt es nicht, es gibt unzählige Topstars, zudem eine erlesene Optik. Aber all das fügt sich nicht zu einem wirklichen Film zusammen. Stattdessen gibt es ein seltsam nichtssagendes Sammelsurium, bei dem nie klar wird, was das hätte sein sollen.
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