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Der Irland-Krimi: Familienbande

„Der Irland-Krimi: Familienbande“ // Deutschland-Start: 29. September 2022 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Seit vielen Jahren schon sitzt Abbie Campbell (Luisa-Céline Gaffron) im Gefängnis, seitdem sie ihren Mann brutal im Schlaf ermordet hatte. Die Hintergründe dieser Tat wurden nie geklärt, die Angeklagte schwieg beharrlich. Dennoch ist sich Kriminalpsychologin Cathrin Blake (Désirée Nosbusch) sicher, dass von ihr keine Gefahr ausgeht, weshalb sie sich dafür einsetzt, dass Campbell Hafturlaub bekommt. Dabei soll sie ihre kleine Tochter Maisie besuchen dürfen, die bei Abbies jüngerer Schwester Erin (Shauna Higgins), deren Ehemann Devlin (Muiris Crowley) und ihrer Mutter Kate (Denise McCormack) lebt. Doch schon nach kurzer Zeit kommt es zu einem Zwischenfall, als Abbie ihr Kind nimmt und mit diesem flieht. Aber weshalb? Was hat die junge Frau vor? Blake steht vor einem Rätsel …

Tödliches Sightseeing

Im Ersten ausgestrahlte Krimis, die am Donnerstagabend das Publikum mitnehmen auf eine Reise ins Ausland, gibt es natürlich nicht wenige. Ob Der Bozen-Krimi, Kommissar Dupin oder Der Kroatien-Krimi, sie alle haben sich etabliert und erfreuen ihr Publikum mit einer Mischung aus klassischem Krimi und Reisepanorama. Grundsätzlich geht auch Der Irland-Krimi in diese Richtung, wenn es die Zuschauer und Zuschauerinnen auf die europäische Insel verschlagen. Dennoch gehen die Filme in eine etwas andere Richtung. Zum einen ist die Landschaft weniger postkartenidyllisch, sondern von einer rauen Natur, ein bisschen trübe auch. Außerdem ist die Hauptfigur hier keine klassische Ermittlerin, sondern eine vormals alkoholkranke Psychologin.

Das hat sich bei Der Irland-Krimi: Familienbande, dem mittlerweile fünften Teil der ARD-Krimireihe, nicht wirklich geändert. Zwar wurde das Kreativteam ausgetauscht: Regie führte erstmals Matthias Tiefenbacher (Mutter, Kutter, Kind), das Drehbuch stammte dieses Mal von Sebastian Andrae. Viel geändert hat sich durch den Austausch aber nicht, zumindest was das grundsätzliche Konzept angeht. Nach wie vor handelt es sich hier um einen ruhigeren Genrevertreter, der stärker in Richtung Atmosphäre geht und mehr an den Szenarien interessiert als an einer Handlung. Aufregende Verfolgungsjagden braucht hier niemand zu erwarten, darum geht es bei der Psychologin nicht. Melancholie ist angesagt, nicht Nervenkitzel.

Tödliche Langeweile

Prinzipiell geht so etwas natürlich in Ordnung. Man verstand es bei den vorangegangenen Filmen aber nicht, wie man trotz einer derart ruhigen Erzählweise so etwas wie Spannung erzeugt. Tatsächlich sind die Teile tendenziell immer irgendwie langweilig, die Vorgänger Das Verschwinden und Vergebung zogen sich schon ziemlich. Bei Der Irland-Krimi: Familienbande ist das noch einmal deutlich schlimmer, als man es bei den anderen Filmen gesehen hat. Eigentlich bietet sich die Entführung eines Kindes und eine Flucht dafür an, dass man als Zuschauer bzw. Zuschauerin richtig mitfiebert. Zumal auch ständig betont wird, dass es da ein großes dunkles Geheimnis gibt, welchem Blake auf der Spur ist. Umso irritierender ist, wie öde der Krimi geworden ist. Wie sehr man sich durch die neunzig Minuten schleppt, nur um eine Auflösung zu bekommen, die sich frühzeitig angekündigt hatte.

Zwar bringt Luisa-Céline Gaffron (3 1/2 Stunden) als Schauspielerin einiges von der Energie und dem Leben mit, was man sich von der komatösen Hauptfigur wünschen würde. Und natürlich ist ihre Geschichte sehr tragisch, da ist bei der Reihe Standard. Nur bietet Der Irland-Krimi: Familienbande weder als Drama noch als Krimi genug. Beim ersten fehlen Tiefgang und interessante Figuren, welche die Anteilnahme am Geschehen rechtfertigen würden. Der zweite Punkt scheitert an der besagten Ereignislosigkeit und aus Ermangelung an nennenswerten Rätseln. Höhepunkt der Krimikunst waren die Vorgänger auch schon nicht. Diesen Teil darf man dann endgültig ignorieren.

Credits

OT: „Der Irland-Krimi: Familienbande“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Matthias Tiefenbacher
Drehbuch: Sebastian Andrae
Musik: Sebastian Fillenberg, Alex Komlew
Kamera: Hanno Lentz
Besetzung: Désirée Nosbusch, Declan Conlon, Luisa-Céline Gaffron, Rafael Gareisen, Mercedes Müller, Thomas Sarbacher, Denise McCormack, Shauna Higgins

Bilder

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Der Irland-Krimi: Familienbande
fazit
„Der Irland-Krimi: Familienbande“ setzt trotz Austausch des Kreativteams auf bewährte Elemente. Der Film ist aber noch einmal deutlich schwächer als die ohnehin schon nicht begeisternden Vorgänger. Vor allem ist der Krimi schrecklich langweilig, obwohl eine Mörderin, die ihr Kind entführt, Spannung verspricht. Die tragische Geschichte, die dabei erzählt wird, scheitert aber auch an den nichtssagenden Figuren.
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