Der Kommissar und die Eifersucht TV Fernsehen ZDF Mediathek
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Der Kommissar und die Eifersucht

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„Der Kommissar und die Eifersucht“ // Deutschland-Start: 16. Mai 2022 (ZDF)

Inhalt / Kritik

Dina Ritter (Stephanie Amarell) ist verzweifelt: Ihr Sohn Benji ist entführt worden! Sie weiß auch, wer dahinter steckt. Holger (Wanja Mues) und Imke Sachtleben (Stefanie Stappenbeck) haben ihn genommen und geben ihn nun als ihren Sohn aus. Die streiten das natürlich vehement ab. Und auch Dinas älterer Bruder Tobias (Jacob Matschenz) erklärt, dass es sich um ein pures Hirngespinst handelt. Schließlich habe sie ihr Kind damals während der Schwangerschaft verloren und sei nie über den Verlust hinweggekommen. Der Fall ist klar, zumindest wenn es nach der Polizeipsychologin Susanne Koch (Meike Droste) geht. Deren Freund Martin Brühl (Roeland Wiesnekker), der ebenfalls bei der Polizei arbeitet und in dem Fall ermittelt, kommen aber bald erste Zweifel …

Dritter Auftritt eines zurückhaltenden Helden

So richtig etabliert ist die ZDF-Krimireihe Der Kommissar und … ja noch nicht, was auch damit zusammenhängen dürfte, dass bislang nicht so wahnsinnig viel Arbeit in sie investiert wurde. So mussten die Zuschauer und Zuschauerinnen nach dem Debüt Der Kommissar und das Kind ganze drei Jahre warten, bis mit Der Kommissar und die Wut überhaupt ein zweiter Teil herauskam. Das ist in einem Genre, deren Reihen sonst meist mehrfach pro Jahr fortgesetzt werden, schon fast fahrlässig viel Zeit. Immerhin, beim dritten Film Der Kommissar und die Eifersucht musste man nicht mehr ganz so lang warten. Diesmal waren es nur anderthalb Jahre, die sich der Polizist bitten ließ, bis er einen weiteren Fall übernimmt. So langsam kommt man also in Bereich, wo die Bezeichnung Reihe überhaupt erst gerechtfertigt ist.

Dass es weiter geht, ist dabei eine gute Nachricht. Schon der letzte Teil war eine recht solide Angelegenheit, was in dem Bereich keine Selbstverständlichkeit ist. Das lag seinerzeit aber weniger an dem Kriminalfall, der schon recht konstruiert war, sondern an der Emotionalität, die sich bei Der Kommissar und die Wut irgendwann einstellte. Bei Der Kommissar und die Eifersucht ist das ähnlich. Der Einstieg macht dabei auf jeden Fall schon mal neugierig, wenn wir zunächst sehen, wie eine Frau einen Jungen ruft und zu sich locken will. Wer ist diese Frau und in welcher Beziehung steht sie zu dem Kind? Irritierend dabei ist die Mischung aus Nähe und Distanz, welche in der Szene demonstriert wird. Während sie ihn zu kennen scheint, reagiert er überhaupt nicht. Die später hinzu eilende Mutter scheint die Frau ebenfalls nicht zu kennen.

Verrückt oder nicht?

Einige Minuten später ist die Angelegenheit geklärt. Und gleichzeitig auch wieder nicht. Im Mittelpunkt von Der Kommissar und die Eifersucht steht die Frage, ob die junge Frau nun irgendwelche Wahnvorstellungen hat oder ob nicht doch etwas dran sein könnte an der Geschichte. Dass es die einfachste Variante – Dina Ritter ist einfach nur verrückt – nicht sein kann, das ist dann zwar schon klar. Sonst gäbe es ja keine Geschichte zu erzählen. Bis man die ganzen Ausmaße des Falles aber begriffen hat, vergeht schon eine ganze Weile. Das hängt erneut mit einem Drehbuch zusammen, das schon ziemlich konstruiert ist. Man sollte hier keine Erwartungen haben, dass das ein glaubwürdiger Fall ist. Von alltäglich ganz zu schweigen: Da wird so viel zusammengeworfen, bis man das Gefühl hat, in einer Parallelwelt gelandet zu sein.

Dafür gibt es erneut eine starke emotionale Komponente, wenn die junge Frau immer wieder kurz vorm Kollaps steht. Dabei ist die Frage nach dem Kind zwar die entscheidende. An diese schließen sich aber eine Reihe weiterer an: Je mehr Brühl nachforscht, umso trauriger wird die Geschichte. Offensichtlich war Drehbuchautor Christoph Darnstädt (Tatort: Ein paar Worte nach Mitternacht) fest entschlossen, all die Abgründe dieser Welt in 90 Minuten zu pressen. Klar ist das übertrieben. Aber es ist effektiv. Hinzu kommen einige stimmungsvolle Aufnahmen zum Ende hin sowie ein talentiertes Ensemble, das sich ganz auf diesen Morast einlässt. Wer es diesem gleich tun mag, kann sich in Der Kommissar und die Eifersucht schon verlieren und eine zwar nicht gute, aber doch irgendwie fesselnde Zeit haben.

Credits

OT: „Der Kommissar und die Eifersucht“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Andreas Senn
Drehbuch: Christoph Darnstädt
Musik: Florian Tessloff
Kamera: Michal Grabowski
Besetzung: Roeland Wiesnekker, Meike Droste, Stephanie Amarell, Jacob Matschenz, Wanja Mues, Stefanie Stappenbeck, Marc Ben Puch

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Der Kommissar und die Eifersucht
Fazit
In „Der Kommissar und die Eifersucht“ ist eine junge Frau davon überzeugt, dass ihr Baby entführt wurde und nun bei einer anderen Familie lebt. Glaubwürdig ist der Fall nicht gerade, aber doch atmosphärisch und gut gespielt. Je weiter die Geschichte voranschreitet, umso bitterer wird sie.
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