Kritik

Der Kommissar und die Wut

„Der Kommissar und die Wut“ // Deutschland-Start: 7. Dezember 2020 (ZDF)

Der Schock ist groß bei Heiner (Benno Fürmann) und Britta Jatzkowski (Ulrike C. Tscharre): Ihr Sohn Tim (Aaron Hilmer) wurde entführt, der unbekannte Täter fordert eine Million Euro, wenn sie ihn wiedersehen wollen. Der ermittelnde Kommissar Martin Brühl (Roeland Wiesnekker) und sein Team machen sich gleich an die Arbeit, verfolgen dabei verschiedenste Spuren. Eine davon führt auch zu dem Weinhändler Oliver Froeling (Lucas Gregorowicz), der sich verdächtig verhalten hat. Und doch wird bald klar, dass da etwas an der Geschichte nicht stimmt, dass da mehr sein muss als ein einfacher Entführungsfall …

Soll das ein Witz sein?
Wenn das erste Mal die Sprachnachricht vorgespielt wird, in der die Jatzkowskis zum Zahlen des Lösegeldes aufgefordert werden, müssen sich nicht nur die Anwesenden ein Lachen verkneifen, als Zuschauer geht es einem genauso. Noch bevor wir in Der Kommissar und die Wut erfahren, worum es eigentlich geht, wer da wer ist, wissen wir schon: Das war jetzt aber nicht sehr professionell. Gerade zu Beginn ist es fast schon ein Running Gag, wie sich der Vater über die Forderung aufregt. Nicht über das Geld oder die Entführung also solche, sondern wie stümperhaft der Unbekannte am anderen Ende der Leitung auftritt.

Zumindest zu Beginn des Films könnte man daher schon den Eindruck gewinnen, die Inhaltsangabe von Der Kommissar und die Wut missverstanden zu haben, dass es sich vielleicht doch eher um eine Komödie handelt – umso mehr, da der Titel schon ein bisschen eigen ist. Aber dann kommt sie doch noch, die Entwarnung, bei manchen vielleicht auch die Enttäuschung, wir haben es hier doch mit einem recht gewöhnlichen Thriller zu tun. Auf der einen Seite gibt es die ermittelnden Polizisten, angeführt von einem zwar sympathischen, aber doch eher unauffälligen Roeland Wiesnekker (Töte mich), auf der anderen Seite den oder die Entführer, die pflichtbewusst die üblichen Forderung stellen. Kleine Scheine! Nicht Markiert! Keine Polizei! Sonst ….

Gewöhnlicher Thriller mit gesteigerter Dramatik
Das funktioniert dann zwar alles schon, ist aber über weitere Strecken so gewöhnlich, dass nicht so wirklich Spannung auftreten will. Die Figuren sind wenig interessante Stereotype, es gibt kaum Spuren, über die man nachgrübeln könnte, auch bei der Erpressung passiert das, was irgendwie immer passiert. Die typische TV-Kost eben, die man sich nebenher gut anschauen kann, an die man sich im Anschluss aber kaum erinnern wird. Wer jedoch etwas länger dran bleibt, der wird belohnt. Der Kommissar und die Wut wartet dann mit ein paar Wendungen auf, mit einer spannenden zwischenmenschlichen Dynamik auch, wenn irgendwie niemand wirklich mit anderen in einem Team zu spielen scheint. Oder mit dem falschen.

Vor allem hat Drehbuchautor Christoph Darnstädt, dessen Filmografie fast ausschließlich aus TV-Krimis besteht, recht viel Drama in seine Geschichte gepackt. Auch dieses hat anfangs mehr von einem Formular, das brav und säuberlich ausgefüllt wurde, als von einem echten kreativen Prozess. Mit der Zeit nimmt die Intensität aber zu, wenn nach und nach die fehlenden Puzzleteile hinzukommen. Das Ergebnis ist dann vielleicht nicht sonderlich glaubwürdig. Der Kommissar und die Wut setzt da schon sehr auf Zufälligkeiten, die man als solche akzeptieren muss, um bei dem Film noch dranbleiben zu können. Zum Ende hin wird da auch einiges dicker aufgetragen.

Dafür stimmt der Emotionalitätsfaktor. Nach einem eher mauen Mittelteil darf man hier doch ein bisschen mehr mitleiden, gerade die Geschichten um Tim und Oliver gehen zu Herzen, sind mit einer guten Mischung aus leisen und polternden Momenten gespielt. Zusammen mit den Wendungen ist das genug, um zumindest ein wenig in dem übervollen Angebot ähnlich angelegter TV-Produktionen noch hervorzustechen. Irgendwie sieht man Wiesnekker und Meike Droste, die seine Kollegin und Freundin spielt, gerne dabei zu, wie sie den Fall zu lösen versuchen. Unbedingt gesehen haben muss man den zum Schluss etwas überfrachteten Thriller jedoch kaum.

Credits

OT: „Der Kommissar und die Wut“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Andreas Senn
Drehbuch: Christoph Darnstädt
Musik: Florian Tessloff
Kamera: Leah Striker
Besetzung: Roeland Wiesnekker, Meike Droste, Benno Fürmann, Ulrike C. Tscharre, Aaron Hilmer, Lucas Gregorowicz, Marc Ben Puch

Bilder

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Der Kommissar und die Wut
In „Der Kommissar und die Wut“ wurde ein Jugendlicher entführt, die Polizei geht den Spuren nach. Das ist anfangs etwas kurios, im Mittelteil eher mau, wird dafür im weiteren Verlauf aber überraschend emotional. Wer sich nicht an der konstruierten Geschichte stört, findet hier daher einen zumindest soliden TV-Thriller, der vereinzelt seine Stärken zeigt.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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