Schon tausendmal berührt TV Fernsehen ARD Das Erste
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Schon tausendmal berührt

Inhalt / Kritik

Schon tausendmal berührt TV Fernsehen ARD Das Erste
„Schon tausendmal berührt“ // Deutschland-Start: 28. Januar 2022 (Das Erste)

Eigentlich hatte die Münchner Anwältin Ella Wolf (Inez Bjørg David) keinen großen Drang, in ihre alte Heimat Bad Friedlingen auf dem Land zurückzukehren. Aber da ihre beste Freundin Sabrina (Elena Uhlig) heiratet, macht sie dann doch mal eine Ausnahme. Dem folgt gleich ein Ausrutscher, als sie mit ihrem Jugendfreund Florian (Leo Reisinger) schläft. Zwar nimmt sie gleich die Pille danach. Zu ihrem Entsetzen muss sie jedoch feststellen, dass diese nicht wirkte und sie nun schwanger ist. Und als wäre das nicht schon kompliziert genug, wird sie von ihrer Chefin Evelyn Wissinger (Nicole Marischka) mit der Aufgabe betreut, ausgerechnet in Bad Friedlingen einen umstrittenen Deal abzuschließen, der einen massiven Eingriff in die Natur bedeuten würde …

Tag der Gefühle

Am Freitagabend sind in der ARD gerne mal die großen Gefühle geplant. Kürzlich ging es in Karla, Rosalie und das Loch in der Wand beispielsweise um die Aussöhnung zweier Schwestern und eine Jugendliche im Rollstuhl, die das Leben entdeckt. Eine Woche drauf musste in Eine Liebe später eine junge Witwe sich mit der Frage auseinandersetzen, ob sie nach dem Tod ihres Mannes noch einmal lieben kann und darf. Bei Schon tausendmal berührt geht es erneut um komplizierte romantische Gefühle und den Versuch, diesen irgendwie einen Platz im eigenen Leben zu gewähren. Wobei es hier niemanden gibt, der einer solchen Verbindung im Wege stehen würde. Im Gegenteil: Eigentlich warten alle nur darauf, dass Ella und Florian doch endlich mal konkret werden, anstatt weiterhin Zeit zu verschwenden.

Das Motiv zweier Menschen, die füreinander bestimmt sind, aber aus eigenem Unvermögen heraus das Unvermeidliche unnötig verschieben, ist natürlich nicht neu. Im Bereich der Liebeskomödie greift gefühlt jeder zweite Film darauf zurück. Schon tausendmal berührt versucht dann auch nicht einmal, das Motiv irgendwie zu variieren oder anderweitig für Überraschungen zu sorgen. Die einzige Überraschung ist, dass Ella trotz der Pille danach schwanger ist, während ihr gleichzeitig gesagt wird, dass dies eventuell ihre einzige Chance auf eine Schwangerschaft sein könnte. Klar ist das konstruiert ohne Ende. Zumindest ist das aber wieder so unglaubwürdig, dass es irgendwie hervorsticht. Vom Rest des Films lässt sich das kaum behaupten, der so brav alle Klischees einer solchen Geschichte erfüllt, dass man eigentlich nur die Inhaltsangabe lesen muss und den Rest dem Kopfkino überlassen könnte. Würde schneller gehen.

Der Anwalt als einfaches Feindbild

Das gilt auch für das Szenario rund um die Stadtanwältin, die in der Provinz unterwegs ist. Da diese selbst aus der besagten Provinz stammt, beschränkt sich der Culture auf ein Minimum. Wo andere Stadt-Land-Filme von der Arroganz der Städter erzählen, die auf die deutlich nettere Dorfbevölkerung herabblicken, hält sich das hier in Grenzen. Es hat mehr von einer Entfremdung als einem wirklichen Gegensatz. Dennoch mag auch Schon tausendmal berührt nicht auf den üblichen Wandel der Protagonistin verzichten. Klar wird Ella sich weiterentwickeln und dort ankommen, wo diese Figuren immer ankommen. Und damit ihr diese Entwicklung auch möglichst leicht gemacht wird, vertraut Regisseurin und Co-Autorin Judith Westermann auf extreme Stereotype. Vor allem in der Anwaltskanzlei hätte man auch einfach eine Schaufensterpuppe aufstellen können, das hätte ungefähr denselben charakterlichen Inhalt gehabt.

Schöne Oberfläche

Immerhin: Hauptdarstellerin Inez Bjørg David (Weihnachten im Schnee) macht ihre Sache durchaus ordentlich als Anwältin, die zwischen zwei Welten vermitteln muss. Außerdem ist der Ausflug aufs Land mit schönen Bildern verbunden, die selbst Lust darauf machen, zumindest für eine Weile zur Natur zurückzukehren. Wem das reicht und den Freitagabend in erster Linie dazu nutzen will, dieselben Lebensweisheiten zu lernen, die dauernd ausgepackt werden, der findet hier anspruchslose Bestätigung. Schon tausendmal berührt ist jedoch nur einer dieser Retortenfilme, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen viel zu oft produziert werden. Geschichte und Figuren sind mäßig bis schlecht geschrieben, alles ist entweder umständlich oder nichtssagend. Auch wenn man sich hier als tiefgründig verkaufen will, hat das Ganze weniger Tiefgang als das Bächlein, das zum Streitfaktor wird.

Credits

OT: „Schon tausendmal berührt“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Judith Westermann
Drehbuch: Judith Westermann, Helena Hofmann
Musik: Martina Eisenreich
Kamera: Thorsten Harms
Besetzung: Inez Bjørg David, Leo Reisinger, Ursula Karven, Elena Uhlig, Benedikt Zimmermann, Heinz-Josef Braun, Stephan Zinner, Nicole Marischka

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„Schon tausendmal berührt“ erzählt von einer Stadtanwältin, die in ihre provinzielle Heimat zurückkehrt, um dort einen umstrittenen Deal auszuhandeln. Die Geschichte ist voller Klischees, die Figurenzeichnung ist eine Katastrophe, dafür gibt es oberflächliche Lebensweisheiten. Immerhin sind ein paar schöne Bilder drin.
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