Meine überirdische Mutter Si tu vois ma mère Arte
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Meine überirdische Mutter

Inhalt / Kritik

Meine überirdische Mutter Si tu vois ma mère Arte
„Meine überirdische Mutter“ // Deutschland-Start: 10. April 2020 (Arte)

Schon immer hatte Max (Félix Moati) zu seiner Mutter Monique (Noémie Lvovsky) ein sehr enges Verhältnis. Selbst jetzt, da sie auf tragische Weise gestorben ist, hat er das Gefühl, dass sie ihm sehr nah ist. Zu nah. Nicht nur, dass er immer wieder in Erklärungsnot gerät, wenn er als einziger ihren Geist sehen kann und sich regelmäßig mit ihr unterhält – weshalb ihn alle anderen auch für bekloppt halten. Zusätzlich hat die Tote das dringende Verlangen, sich nach wie vor in das Leben ihres Sohnes einzumischen. Das wird vor allem dann problematisch, als er mit der Psychotherapeutin Ohiana (Sara Giraudeau) anbandelt, mit der er sich eine Praxis teilt. Denn Mama sieht das gar nicht gern, dass er ständig mit der Neuen rumhängt und dadurch keine Zeit mehr für sie hat …

Verfolgt von den Toten

Je näher einem ein Mensch ist, umso schwieriger ist es meistens, wenn dieser nicht mehr da sein soll. Umso unwirklicher ist der Gedanke, dass diese Person für immer fort ist. Denn die Erinnerungen sind so stark, dass sie nicht allein eine Vergangenheit sein können. Kein Wunder also, dass wir das Gefühl haben, dass solche Menschen auch dann noch bei uns sind, obwohl sie gestorben sind. Doch was, wenn das nicht nur ein Gefühl ist, sondern Realität? Wenn wir wirklich von diesem jemand verfolgt werden, er uns nicht so lässt, so wie wir ihn nicht loslassen? Die Arte-Komödie Meine überirdische Mutter macht aus dieser Idee einen ganzen Film, wenn ein Muttersöhnchen irgendwie einfach nicht von der lieben Mama lassen kann, obwohl diese längst unter der Erde liegt.

Komödien um Protagonisten oder Protagonistinnen, die mit nur für sie sichtbaren Wesen zu tun haben, gibt es natürlich einige. In Da scheiden sich die Geister wird ein Schriftsteller in der Krise seine verstorbene Frau nicht mehr los. In Meine geistreiche Familie ist es der tote Papa, der unentwegt zu seinem Sohn spricht – und zwar nur ihm. Das Prinzip ist immer dasselbe. In all den Filmen geht es darum, wie die Hauptfigur zuerst aus allen Wolken fällt, sich mit der Zeit aber irgendwie arrangiert, es dabei jedoch irgendwie schaffen muss, nicht von den anderen für verrückt erklärt zu werden. Was gar nicht so leicht ist, wenn man aus heiterem Himmel immer irgendwelchen seltsamen Selbstgespräche führt. Meine überirdische Mutter ist da keine Ausnahme.

Komödie im Autopilot

Das Prinzip funktioniert natürlich, so wie es immer funktioniert. Die Diskrepanz zwischen dem, was die Hauptfigur in ihrer Wahrnehmung erlebt, und dem, was sich dem umliegenden Publikum bietet, erzeugt praktisch im Autopilotmodus ein Schmunzeln, wenn nicht gar ein ausgeprägtes Lachen. Leider ist Regisseur und Co-Autor Nathanaël Guedj sowie den drei anderen Drehbuch-Mitwirkenden aber auch nicht wirklich mehr eingefallen, als den Autopiloten anzuwerfen. Dass ein Geist derart übergriffig und dominant wird, das sieht man zwar eher selten. Eine tote Mutter, welche die neue Freundin als Rivalin ansieht und deshalb aus dem Grab heraus die Beziehung torpediert? Kann man machen. Hat Meine überirdische Mutter dieses Szenario aber erst einmal etabliert, gibt es so gut wie keine überraschende Szene mehr.

Das darf man natürlich trotz allem lustig finden, zumal das Ensemble gut mitspielt. Félix Moati (Kampf um den Halbmond) macht Spaß als sympathisch-überfordertes Muttersöhnchen, das endlich mal auf eigenen Beinen stehen müsste. Vor allem aber Noémie Lvovsky (Die perfekte Ehefrau) genießt ihre Rolle des unsichtbaren Störenfrieds sichtlich, der nicht im Traum daran denkt, seinem Sohn ein eigenes Leben zuzugestehen. Wozu auch, wenn er sie hat! Damit kann man sich dann schon eine ganze Weile vertreiben. Mehr als eine nette TV-Komödie ist Meine überirdische Mutter aber nicht unbedingt. Da hätte es dann doch mehr Biss vertragen, vielleicht auch die eine oder andere unvorhergesehene Situation.

Credits

OT: „Si tu vois ma mère“
Land: Frankreich
Jahr: 2019
Regie: Nathanaël Guedj
Drehbuch: Nathanaël Guedj, Sophie Glaas, Marc Syrigas, Alexandre Smia
Musik: Philippe Jakko
Kamera: Eric Blanckaert
Besetzung: Félix Moati, Noémie Lvovsky, Sara Giraudeau, Gilles Cohen, Eugénie Derouand, Géraldine Martineau, Estéban

Bilder

Trailer

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In „Meine überirdische Mutter“ wird ein Muttersöhnchen nach dem Tod der Mama auf einmal von deren Geist heimgesucht, der sich ständig in sein Leben einmischt. Das ist zwar schon alles ganz nett und hat ein paar lustige Szenen. Insgesamt ist das Drehbuch aber ziemlich einfallslos und verlässt sich fast ausschließlich auf das bekannte Prinzip des unsichtbaren Quälgeists.
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