Meine geistreiche Familie Lesprit de famille
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Meine geistreiche Familie

Inhalt / Kritik

Meine geistreiche Familie
„Meine geistreiche Familie“ // Deutschland-Start: 24. September 2021 (DVD/Blu-ray)

Ein bisschen Ruhe wird man ja wohl noch haben dürfen. Schließlich ist Alexandre (Guillaume de Tonquédec) Schriftsteller und muss sich auf seinen neuen Roman konzentrieren! Doch kaum hat er seinen Vater Jacques (François Berléand) des Zimmers verwiesen, als dieser vor seinen Augen zusammenbricht und stirbt. Seither läuft nichts mehr wirklich in seinem Leben. Mit seinem Buch kommt er nicht weiter, die Ehe mit Roxane (Isabelle Carré) kriselt schon länger. Doch was ihn wirklich den Verstand kostet: Er sieht und hört seinen Vater überall. Und nur er. Mit seiner Mutter Marguerite (Josiane Balasko) und seinem Bruder Vincent (Jérémy Lopez) kann er darüber nicht reden, aus Angst, dass man ihn für verrückt erklärt. Dabei wäre es höchste Zeit, dass er mit ihnen spricht, bricht seine Familie doch schon seit einer ganzen Weile auseinander …

Mit Geistern zurück ins Leben

Im Filmbereich sind Geister meist ein Mittel, um dem Publikum Angst einzujagen. Schließlich gehören sie zum festen Personal des Horrorgenres und treiben dort schon seit Jahrzehnten ihr Unwesen. Doch es finden sich auch immer wieder Alternativen dazu. Im Historiendrama Die Tanzenden halfen sie kürzlich den Lebenden, sei es bei praktischen Angelegenheiten oder der Überwindung ihrer Schmerzen. Die Komödie Da scheiden sich die Geister erzählte wiederum, wie ein Schriftsteller von seiner toten Frau heimgesucht wird, die alles ins Chaos stürzt. Meine geistreiche Familie stellt nun eine Art Mittelweg aus beidem dar, sowohl inhaltlich wie auch im Bezug auf die Stimmung.

Genauer nutzt Regisseur und Drehbuchautor Éric Besnard (Birnenkuchen mit Lavendel) den doch sehr hartnäckigen toten Papa, damit sich Alexandre mit seinem eigenen Leben auseinandersetzt. Dass bei diesem einiges im Argen liegt, das wird hier recht früh klar. Der Protagonist lebt so sehr in der Welt seiner Bücher, dass er alle anderen aus den Augen verloren hat. Doch das muss ja nicht so sein. Meine geistreiche Familie ist einer dieser Filme, die seinen Figuren und damit indirekt auch dem Publikum jede Menge guter Einsichten mit auf den weiteren Weg geben wollen. Ändere dein Leben, so lange du noch kannst. Es ist nie zu spät, einmal innezuhalten, sich alles ganz genau anzuschauen und sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, das man im Laufe der Jahre schon mal aus den Augen verliert.

Humor eher sparsam

Das erinnert wegen der Geisterthematik schon ein wenig an Die Geister, die ich rief. Auch dort musste ein Mann, der sich unbewusst in einer Sackgasse befand, mithilfe guten Zuspruchs ein bisschen besinnen, um in Zukunft alles besser zu machen. Im direkten Vergleich ist der Humor bei Meine geistreiche Familie jedoch deutlich zurückgenommener. Hier gibt es keine Slapstickszenen oder richtig peinliche Momente, von den physischen Möglichkeiten der Komödie einmal ganz abgesehen. Tatsächlich ist der Humor so sparsam, dass man sich zuweilen fragen darf, ob die Einordnung als Komödie überhaupt noch gerechtfertigt ist. An vielen Stellen beschränkt sich Besnard darauf, dass Alexandre als einziger Jacques hören kann oder umgekehrt Jacques mitbekommt, wie der Rest der Familie über ihn redet, ohne eingreifen zu können.

Während das Drehbuch in der Hinsicht sicher noch mehr hätte tun dürfen und können, ist der besinnliche Aspekt von Meine geistreiche Familie ganz schön geworden. Mitanzusehen, wie ein in sich verschlossener Egozentriker auf einmal seine Familie und deren Geschichten und Sorgen erkennt, das ist dann schon etwas fürs Herz. Tatsächlich gehen einem die Mutter, die nicht mehr weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, oder auch der strauchelnde Bruder deutlich näher als Alexandre. Denn der bleibt bis zum Schluss recht distanziert, ist an vielen Stellen mehr Beobachter als Handelnder, lässt sich durch eine Welt treiben, zu der er weniger gehört als sein toter Vater.

Von Phlegmatikern und Piraten-Omas

Hauptdarsteller Guillaume de Tonquédec (Frühstück bei Monsieur Henri) verkörpert diese Rolle dann auch als einen Phlegmatiker, der nur in den seltensten Fällen mal emotional oder laut wird. Damit bildet er den Gegenpol zum Rest seiner Familie, die schon mal ein bisschen mehr aus der Haut fahren können. Spaß machen in der Hinsicht vor allem die Auftritte von Josiane Balasko (Willkommen im Hotel Mama) als resolute Piraten-Oma, die auch im hohen Alter kein Blatt vor den Mund nimmt. Insgesamt gibt es daher schon einige Gründe, weshalb man der dysfunktionalen Chaosfamilie einen Besuch abstatten und ein wenig Zeit mit ihnen verbringen kann, selbst wenn Meine geistreiche Familie aus dem Szenario nicht wirklich mehr oder etwas anderes herausholt, als man es von anderen ähnlich ausgerichteten Filmen kennt.

Credits

OT: „L’Esprit de Famille“
Land: Frankreich
Jahr: 2020
Regie: Éric Besnard
Drehbuch: Éric Besnard
Musik: Christophe Julien
Kamera: Jean-Marie Dreujou
Besetzung: Guillaume de Tonquédec, François Berléand, Josiane Balasko, Jérémy Lopez, Isabelle Carré, Marie-Julie Baup, Jules Gauzelin

Bilder

Trailer

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In „Meine geistreiche Familie“ wird ein Mann vom Geist seines toten Vaters verfolgt, der ihn dazu überreden will, sein Leben zu überdenken. Der Humor ist dabei eher sparsam und wenig abwechslungsreich. Dafür geht der Film immer mal wieder zu Herzen, wenn eine dysfunktionale Familie nach langer Funkpause wieder zusammenfindet.
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