Inhalt / Kritik

Der Flensburg-Krimi Der Tote am Strand

„Der Flensburg-Krimi: Der Tote am Strand“ // Deutschland-Start: 5. November 2021 (Das Erste)

Schon der erste gemeinsame Fall für das neue Team Svenja Rasmussen (Katharina Schlothauer) und Antoine Haller (Eugene Boateng) hat es in sich: Die Leiche eines Mannes wird in Flensburg angespült. Doch wer könnte es auf den Dänen abgesehen haben? Auf der Suche nach Antworten und einem möglichen Motiv treffen sie Lasse Jørgensen (Andreas Grötzinger), einen Kollegen des Verstorbenen. Aber auch der Flensburger Spirituosenhändler Philipp Schaaf (Max von Pufendorf) rückt in den Fokus der Ermittlungen. Während das Polizeiduo noch ein wenig mit der Rollenverteilung innerhalb des Teams zu kämpfen hat, stehen bei Rasmussen zusätzlich private Probleme an. So leidet ihr Vater unter Psychosen, ihr Bruder hat sich vor einiger Zeit das Leben genommen …

Auf zu neuen Ufern

Am Donnerstagabend stehen im Ersten bevorzugt Krimis auf dem Programm, die in erster Linie geografisch definiert sind. Das Publikum darf dann mithilfe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens durch Europa reisen und so tun, als wäre es in Urlaub. Bei der neuen Reihe Der Flensburg-Krimi geht diese Reise aber nicht ganz so weit: Wie bereits der Titel ankündigt, spielen die Filme in der gleichnamigen Stadt in Schleswig-Holstein, welche leider die meisten wohl mit den berüchtigten Punkten in Verbindung bringen, die es für Verstöße im Verkehr gibt. Auf Letztere wird dabei nicht eingegangen, auch wenn der Fahrstil von Svenja Rasmussen mehrfach thematisiert ist. Anders als beim traditionellen Geschlechterbild hat bei Der Tote am Strand nämlich die Frau das Sagen und fährt wie selbstverständlich das Dienstauto – mit einem gehörigen Bleifuß.

Allgemein merkt man dem Neustart an, wie sehr hier der Anspruch auf Modernität gelegt wurde. Und auf Diversität: Die Chefin ist homosexuell, ihr Teampartner dunkelhäutig. Das wirkt schon ein bisschen gewollt, wobei man dem Drehbuch von Stephan Wuschansky zugutehalten muss, dass es diese Punkte nicht groß ausschlachtet. Keines der beiden Alleinstellungsmerkmale wird problematisiert oder anderweitig fokussiert. Ein Kommentar von Haller, sie hätten einen ähnlichen Frauengeschmack, ist da schon der Gipfel. Bei Der Flensburg-Krimi: Der Tote am Strand bedeutet Normalisierung, manche Entwicklungen nicht erst kommentieren zu müssen oder zu wollen. Es spielt schlicht und ergreifend keine Rolle, dass die zwei „anders“ sind. Es gibt Wichtigeres zu tun. Mörder jagen zum Beispiel.

Schwacher Auftakt

Während dieser Aspekt sympathisch ist, gibt es ansonsten bei Der Flensburg-Krimi: Der Tote am Strand nur sehr wenig Positives zu berichten. Schon der Einstieg macht nicht unbedingt Lust auf mehr, wenn Rasmussen mal wieder eine traumatische Erfahrung angehängt wird. Wie so oft scheint man hier Charakterisierung nur durch tragische Geschichten lösen zu wollen. Wenn diese wenigstens einigermaßen umgesetzt würden, aber die Szene macht weder inhaltlich, noch inszenatorisch oder darstellerisch Lust auf mehr. Und leider bleibt es nicht bei diesem Einzelfall. Da hapert es einfach an zu vielen Stellen und wird so unglaubwürdig oder auch schlecht umgesetzt, dass der Einstieg zu einer Qual wird.

Wenn denn wenigstens der Fall an sich irgendwie interessant wäre. Aber auch der ist bestenfalls dürftig. Viel rätseln ist hier nicht angesagt, dafür ist das thematisch zu eingeschränkt. Die Geschichte an sich ist zudem irgendwie dämlich, will ganz dramatisch ist, und ist doch nur lächerlich. Nicht einmal das Spiel mit der deutsch-dänischen Grenze – vergleichbar zu Der Usedom-Krimi – wird wirklich genutzt. Es gibt ein paar schöne Bilder der Umgebung, sicher. Das allein reicht aber nicht aus, vor allem in einem so umkämpften Markt wie dem des TV-Krimis. Der Flensburg-Krimi: Der Tote am Strand ist ein schwacher Einstieg in die neue Reihe, bei der man nach dem ersten Teil eigentlich schon genug hat und sich lieber anderswo nach Leichen umsieht.

Credits

OT: „Der Flensburg-Krimi: Der Tote am Strand“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Janis Rebecca Rattenni
Drehbuch: Stephan Wuschansky
Musik: Michael Klubertanz
Kamera: Victor Voß
Besetzung: Katharina Schlothauer, Eugene Boateng, Teresa Harder, Wolfram Grandezka, Iris Becher, Uwe Rohde, Lisa Flachmeyer, Max von Pufendorf, Andreas Grötzinger

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Der Flensburg-Krimi: Der Tote am Strand
„Der Flensburg-Krimi: Der Tote am Strand“ fällt durch ein Bekenntnis zu mehr Diversität auf. Doch das bringt nichts, wenn der Rest des Films so schwach ausfällt. Inhaltlich, inszenatorisch und darstellerisch ist das hier mäßig bis nicht-akzeptabel. Auch der Kriminalfall enttäuscht, der Einstieg in die neue Reihe ist gründlich missraten.
3von 10
Leserwertung: (32 Votes)
2.4

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

6 Responses

  1. Kubel

    Keine Frage: Ein langweiliger Krimi mit unsagbar schlechten Dialogen. Schade.
    Schade auch, dass Oliver Armknecht in seiner Kritik den Bekanntheitsgrad der Stadt Flensburg auf das KBA reduziert. Das könnte eins zu eins aus den 70 er Jahren stammen, allerdings fehlte dann noch der Name Beate Uhse. Zum Glück sind die Deutschen aus dem Jahre 2021 nicht so einfältig diese schöne Stadt auf eine Behörde zu minimieren. Die Kritik passt sich dem Film gnadenlos an.

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  2. Christiane Hoffmann

    Bis auf die Landschaftsaufnahmen fand ich den Film ermüdend.
    Seit wann können deutsche Ermittler einfach so in Dänemark rumhantieren. Sehr unglaubwürdig.

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  3. Anni Christina

    Nee danke. Mir wird das mittlerweile zuviel mit den POC in fast allen Filmen und in der Werbung. Es reicht. Diese „Erziehungsmaßnahme“ der ÖR ist eine Zumutung. Das braucht kein Mensch!

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