Inhalt / Kritik

„Friesland: Bis aufs Blut“ // Deutschland-Start: 23. Oktober 2021 (ZDF) // 3. Dezember 2021 (DVD/Blu-ray)

Für Süher Özlügül (Sophie Dal) und Henk Cassens (Maxim Mehmet) ist der Fall klar: falscher Alarm. Zumindest deutet nichts darauf hin, dass tatsächlich jemand bei Hanno Schlüter (Alexander Beyer) eingebrochen ist. Als kurze Zeit später seine Frau ermordet aufgefunden wird, müssen sich die zwei daher unangenehme Fragen gefallen lassen. War an der Geschichte vielleicht doch mehr dran? Hätten sie den Mord verhindern können? Kommissar Jan Brockhorst (Felix Vörtler) treibt derweil noch ein anderes Thema um. Denn er will eine Überwachungskamera direkt vor dem Bestattungsinstitut von Wolfgang Habedank (Holger Stockhaus) anbringen, was der nicht so einfach auf sich sitzen lassen will …

Nordischer Leichtmut

Von Norddeutschland heißt es zuweilen ja, dass man dort ein bisschen spröder und distanzierter sei als anderswo. Umso bemerkenswerter ist, dass sich diverse Krimireihen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die eben im Norden spielen, bewusst von der sehr ernsten Interpretation des Genres distanzieren. Das Motto: Nur weil gerade jemand ermordet wurde, muss man sich davon nicht die gute Laune verderben lassen! Eine dieser humoristisch und locker angelegten Reihe ist das im ZDF ausgestrahlte Friesland. Dort laufen bevorzugt leicht verschrobene Leute rum, die sich gegenseitig das Leben schwer machen und oft mit allem möglichen beschäftigt sind, nur nicht mit der eigenen Arbeit.

Während kürzlich bei Nord Nord Mord: Sievers und der schwarze Engel der Humor irgendwie nicht mehr so richtig zog, bleibt bei Friesland: Bis aufs Blut glücklicherweise alles beim Alten. Tatsächlich versammelt der 13. Teil die üblichen Figuren und hält sich an einige der bewährten Running Gags. Wie immer will Brockhorst beispielsweise alles an sich reißen und sich als Chef der Polizei behaupten, nur um von den anderen ignoriert zu werden. Die Apothekerin Insa Scherzinger (Theresa Underberg) wiederum betätigt sich als Hobby-Forensikerin. Zumindest so lange, bis sie erwischt wird. Und auch Habedank wurde wieder irgendwie in die Geschichte integriert, selbst wenn er dieses Mal nicht Teil des Falles ist, sondern anderweitig beschäftigt ist.

Ein eingespieltes Team

Das ist sicherlich nicht übermäßig ambitioniert oder inspiriert. Bei vielem hat man hier das Gefühl, das alles schon einmal gesehen zu haben. Man hat es sich dann doch ziemlich auf dem Bewährten gemütlich gemacht. Aber das bedeutet eben auch, dass das alles gut funktioniert. Das Ensemble ist eingespielt, die konstanten Reibungen zwischen den Figuren sind amüsant. Zudem hat Friesland: Bis aufs Blut Charme: Man verbringt einfach gern Zeit mit den mal gut gelaunten, mal etwas muffligen Nordlichtern, die selbst in mörderischen Situationen entspannt bleiben. Meistens zumindest. Schlüter passt da irgendwie nicht so ganz ins Konzept, wirkt immer ein bisschen so, als sei er mit seinem betonten Ernst und der Grimmigkeit in einem falschen Film gelandet.

Dafür hat der Kriminalfall den Vorteil, dass man dessen Auflösung kaum kommen sieht. Das mag zum Teil sicher auch daran liegen, dass Friesland: Bis aufs Blut selbst nicht so wahnsinnig viel Wert auf die Ermittlungen legt. Zwischendurch werden zwar immer mal wieder Verdächtige befragt oder nach Spuren gesucht. Hinweise stellen sich als falsch heraus. Dafür kommen neue Hintergrundgeschichten zum Vorschein. Aber all das geschieht eher beiläufig und ganz unspektakulär. Wie man es eben bei dieser Reihe gewöhnt ist, die immer nett ist, aber eher weniger für Begeisterungsstürme geeignet. Wer die vorangegangenen Teile mochte, der macht mit dem neuen dann auch nichts falsch. Innerhalb der Massen an Krimis, die jede Woche im hiesigen Fernsehen laufen, braucht es diesen hier aber nicht zwangsläufig.

Credits

OT: „Friesland: Bis aufs Blut“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Thomas Durchschlag
Drehbuch: Mariann Kaiser
Musik: Thomas Mehlhorn
Kamera: David Schultz
Besetzung: Maxim Mehmet, Sophie Dal, Theresa Underberg, Holger Stockhaus, Felix Vörtler, Yunus Cumartpay, Tina Pfurr, Alexander Beyer, Sandra Borgmann

Bilder

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Friesland: Bis aufs Blut
„Friesland: Bis aufs Blut“ hält sich an die bewährten Elemente der Reihe, inklusive der verschrobenen Figuren und einiger Running Gags. Das ist wie immer nett, hin und wieder amüsant, Fans der vorangegangenen Filme schauen rein. Man macht es sich aber schon sehr auf dem Bewährten gemütlich.
5von 10
Leserwertung: (4 Votes)
6.2

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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