Inhalt / Kritik

Der wilde Wald Natur Natur sein lassen

„Der wilde Wald – Natur Natur sein lassen“ // Deutschland-Start: 7. Oktober 2021 (Kino)

Tief im Dickicht verstecken sich Augen mit animalischem Blick. Ein Luchs hier, ein Wolf da, hält die deutsche Dokumentarfilmerin Lisa Eder in ihrer neuesten Produktion Der wilde Wald – Natur Natur sein lassen die Schönheit des Nationalparks im Bayerischen Wald fest. Das naturalistische Portrait enthält dabei aber nicht nur Bilder der unberührten Natur, Eder spricht darüber hinaus auch wichtige Fragen an, unter anderem, wie viel wilde Natur der Mensch zum Überleben braucht.

Der wilde Wald und der Mensch

Die Spuren menschlicher Existenz reichen heutzutage in fast jede Ecke der Erde. Naturschutzgebiete, wie der Bayerische Wald, sind da aber doch noch die Ausnahme. Hier, wo die Zeit scheinbar still steht, gibt es noch unberührte Natur. Fragt sich aber nur wie lange, hält Eder an einer Stelle doch fest, dass nur noch knapp ein Prozent der Fläche in ganz Europa frei von menschlichem Einfluss ist. Auf 24.000 Hektar – bei Galileo würde man ca. 34.000 Fußballfelder dazu sagen – ist das Leben hier umso befreiender, verfolgt man beispielsweise das Leben von dem Hobbyfotograph Bastian Kalous. Beim Trip über Stock und Stein wird so seine Reise festgehalten. Und was für eine Reise es ist. Losgelöst von den Ketten menschlicher Existenz, stellt sich im Laufe der 90 Minuten eine gleichermaßen phantasie- und bewusstseinsanregende Ausgeglichenheit und Ehrfurcht gegenüber der Natur ein. Untermauert mit dezenten Melodien und fantastischen Kameraaufnahmen, zeigt Der wilde Wald einmal mehr, dass Naturdokumentationen Jahr für Jahr schöner werden, nicht zuletzt aufgrund des immer besser werdenden Equipments der Naturfilmer.

Erst die Natur, dann der Mensch

Durch zahlreiche Produktionen in dem Bereich wiederholt Eder einmal mehr, dass die Menschheit unbedingt aufwachen und der Natur mehr Respekt entgegenbringen muss. Doch die Menschen scheinen es besser zu wissen, selbst in Der wilde Wald muss man dann so etwas hören wie „erst kommt der Mensch und dann die Natur!“. Und obgleich dieser Interviewgast wohl nichts Böses im Sinn hat, so fragt man sich dann doch, warum die Menschen stets alles unter Kontrolle haben wollen. Ganz im Geiste der Aufklärung hält Eder in der Hinsicht fest, dass die Natur sich über Jahrtausende selbst regulieren kann, selbst bei Borkenkäferplagen, Waldbränden und weiteren Katastrophen. Den Menschen braucht es da also gar nicht, um den Wald vor beispielsweise den Borkenkäfern zu retten – das macht die Natur schon selber. Doch dies ist kein Freifahrtschein zum Nichtstun, das macht Eder am Beispiel des Klimawandels ganz deutlich. Der wilde Wald appelliert daher zu Recht, dass die Menschen einmal näher hinschauen sollten, um die Grundursachen zu bekämpfen. Der zunehmende Bestand des Borkenkäfers ist schließlich auch nur die Folge einer sehr viel wichtigeren Ursache.

Aufgrund solcher Zusammenhänge gelingt es Eder die tatsächlichen Probleme der Gegenwart festzuhalten. Und dabei ist die Kernaussage der Dokumentation gar keine Raketenwissenschaft, im Gegenteil. Alles beginnt mit dem Ansatz oder der Idealvorstellung, dass die Menschen der Natur mehr Aufmerksamkeit und Respekt entgegenbringen sollen. Und das ist auch das Schöne bei solchen Dokumentationen – die Vorstellung, die Welt könnte schon mit wenig Aufwand zu einer besseren werden.

Credits

OT: „Der wilde Wald – Natur Natur sein lassen“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Buch: Lisa Eder
Musik: Sebastian Fillenberg
Kamera: Tobi Corts, Heiko Knauer, Dietmar Nill, Robin Jähne

Bilder

Trailer

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Der wilde Wald – Natur Natur sein lassen
Mit dem Blick in das Naturschutzgebiet des Bayerischen Waldes hält die Dokumentarfilmerin Lisa Eder allerlei Tiere und die Schönheit der unberührten Natur fest.
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Über den Autor

Freier Autor

Ich bin freiberuflicher Autor und seit vielen Jahren leidenschaftlicher Filmfan, wobei mein Fokus den kleineren Filmperlen gilt.

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