Inhalt / Kritik

Fear the Viper

„Fear the Viper“ // Deutschland-Start: 22. Juli 2021 (DVD/Blu-ray)

Bei Familie Conley dreht sich schon seit Langem alles nur um den Drogenverkauf, sieht sie doch keine andere Möglichkeit, um sich über Wasser zu halten. Doch während Josie (Margarita Levieva) eisern daran festhält, aus Mangel an Alternativen, kommen Kip (Josh Hartnett) zunehmend Zweifel, ob er dieses Geschäft fortführen möchte, nicht zuletzt weil in ihrer kleinen Gemeinde immer mehr dem Rauschgift zum Opfer fallen. Seinem jüngeren Bruder Boots Conley (Owen Teague) ist das hingegen egal. Mehr noch, er drängt darauf, endlich einmal selbst mitmischen zu können. Aber der Markt ist hart umkämpft, brutale Gangster bestimmen das Geschehen. Als es dabei eines Tages zu einem blutigen Zwischenfall kommt, steht die Familie vor der schweren Entscheidung, wie es in Zukunft weitergehen soll …

Die Trostlosigkeit US-amerikanischer Kleinstädte

Dass es um die US-amerikanischen Kleinstädte nicht gut bestellt ist, das ist wohl kaum ein Geheimnis. Ganze Landstriche wurden abgehängt, es fehlt überall an Perspektiven, auch weil sich die Politik nicht sonderlich für sie interessiert. Das kennen wir aus den Nachrichten. Wir kennen das aber auch aus zahlreichen Filmen der letzten Jahre. In Lorelei versucht ein Ex-Sträfling wieder auf die Beine zu kommen und muss dabei nicht nur gegen Vorurteile kämpfen. In Donnybrook – Below the Belt folgen wir einem jungen Mann, der seinen einzigen Ausweg in illegalen Kämpfen sieht. Überhaupt ist die Kriminalität nie weit. Wo reguläre Jobs fehlen, da werden eben alternative Möglichkeiten genutzt. Erlaubt ist, was das eigene Überleben sichert.

Fear the Viper geht nun in eine ganz ähnliche Richtung. Hier ist es eine ganze Familie, die sich dem Drogenverkauf verschrieben hat. Wie fatal die Auswirkungen ihrer Tat sind, daran lässt der Film keinen Zweifel. Es dauert nicht lange, bis eine Frau den Pillen zum Opfer fällt, die Josie verkauft. Sie wird auch in Folge mehrfach daran erinnert, welches Unheil sie anrichtet. Das wird zu einem Spannungsfeld innerhalb der Geschichte, besonders innerhalb der Familie. Die drei Geschwister sind zwar grundsätzlich alle im selben Geschäft, haben aber konträre Ansichten hierzu. Während Kip alles hinter sich lassen möchte und Josie ihre Tätigkeit recht pragmatisch sieht, verklärt der Jüngste Boots das Leben in den Schatten. Er sieht darin vor allem die Möglichkeit sich zu beweisen.

Gut gespielt, aber wenig originell

Letztendlich ist das dann auch der Punkt, welcher Fear the Viper auszeichnet. Das Krimidrama zeigt anhand der drei Geschwister, wie verfahren die Situation ist. Der Ausstieg aus dem Geschäft ist hart, das Geschäft selbst ist es aber auch. Es geht hier schon gar nicht mehr darum, sich etwas aufzubauen oder langfristig zu planen, sondern nur irgendwie Zeit zu gewinnen. Augen zu und durch. Gleichzeitig droht genau das richtig schief zu gehen, denn im Laufe des Films eskaliert die Situation immer weiter. Denn neben den Conleys gibt es konkurrierende Gangs, die im Zweifel noch weniger Skrupel haben. Und dann wäre da auch noch die Polizei, die sich ins Geschehen einmischt und dabei auch die drei im Visier hat. Man darf also gespannt sein, wie das Ganze ausgeht und ob das Trio heil aus der Sache kommt.

Wobei sich die Spannung anderweitig in Grenzen hält. Dass Geschichte und Szenario nicht sonderlich originell sind, braucht man kaum weiter zu betonen. Größere Überraschungen bleiben aus. Und auch bei den Dialogen zeigt das Drehbuch so seine Schwächen, wenn vieles etwas umständlich formuliert ist oder zu sehr mit der Brechstange der Inhalt in die Köpfe des Publikums geprügelt werden soll. Dafür punktet Fear the Viper mit einem guten Ensemble. Gerade Josh Hartnett als Ruhepol, der seine Familie zu beschützen versucht, trägt doch maßgeblich dazu bei, dass das Krimidrama trotz seiner recht generischen Geschichte sehenswert ist. Man erfährt zwar nicht viel, was man über die Opioidkrise nicht schon wusste. Aber selbst als Wiederholung zeigt das Wirkung.

Credits

OT: „Inherit the Viper“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Anthony Jerjen
Drehbuch: Andrew Crabtree
Musik: Patrick Kirst
Kamera: Nicholas Wiesnet
Besetzung: Josh Hartnett, Margarita Levieva, Chandler Riggs, Bruce Dern, Valorie Curry, Owen Teague, Dash Mihok

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Fear the Viper
„Fear the Viper“ erzählt von drei Geschwistern, die alle im Drogenhandel tätig sind, dabei aber unterschiedliche Ansichten haben. Das ist vor allem für das Ensemble sehenswert, das sich tapfer durch die recht generische Geschichte und die teilweise eher unbeholfenen Dialoge kämpft.
6von 10
Leserwertung: (0 Votes)
0.0

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort