Eiichiro Oda

Der eigentliche Piratenkönig: Eiichirō Oda

Wie alles losging? Mit einer Frucht. Oder war es der Tod? Stimmt nicht, am Anfang war eine Kinderserie. Nein, es ist nie einfach, bei einer großen Geschichte zu den Ursprüngen zurückzufinden. Und kaum eine Geschichte ist größer als die von „One Piece“. Das betrifft zum einen den bloßen Umfang der Piratenabenteuer: 85 Bände umfasst der Manga seit dem Debüt vor zwanzig Jahren am 19. Juli 1997, die Animeserie ist bei 800 Episoden angekommen. Und es sieht derzeit nicht so aus, als wäre sobald ein Ende in Sicht: Eiichirō Oda, der eigentliche Chef der Schatzsucher, verkündete letztes Jahr, sein Opus wäre mittlerweile zu 65 Prozent fertiggestellt. Da steht uns also noch einiges bevor. Groß sind die Abenteuer aber auch im kommerziellen Sinne: Mit über 416 Millionen verkauften Exemplaren steht die Reihe unangefochten auf Platz eins der ewigen Mangacharts. Zum Vergleich: Die beiden nächstplatzierten Titel „Dragon Ball“ und „Naruto“ kommen zusammen auf 460 Millionen Exemplare.

Womit wir wieder zu der Anfangsfrage zurückkehren, wie kam es eigentlich zu „One Piece“? Oda selbst sagt, der Klassiker Wickie und die starken Männer habe ihn wohl beeinflusst. Klingt einleuchtend, ist aber doch irgendwo überraschend. Auch wenn die in den 70ern produzierte Serie durchaus ein beliebter Anime ist, so war sie doch eher eine europäische Angelegenheit. Das zugrundeliegende Buch stammte vom Schweden Runer Jonsson, die Adaption war eine deutsche Auftragsarbeit. Weltweit halten sich die nostalgischen Erinnerungen dann auch in Grenzen. Deutlicher sind in Odas Geschichte die Einflüsse seines Idols Akira Toriyama zu spüren, selbst ein Großmeister der japanischen Unterhaltungskultur. Wie bei dessen „Dragon Ball“ auch richtet sich die Piratensaga eher an ein typisches Shônen-Publikum, welches starke Männer, unglaubliche Kräfte, viel Action und seltsame Widersacher schätzt.

Früchteliebhaber sind klar im Vorteil
Von all dem gibt es in „One Piece“ genug. Im Zentrum des Geschehens steht der junge Mann Monkey D. Ruffy – im Englischen Luffy -, der über einen enorm dehnbaren Körper und einen nicht zu bändigenden Appetit verfügt. Das eine bedingt dabei durchaus das andere: Als der Pirat eine der legendären Teufelsfrüchte verputzt, nimmt sein Körper gummiartige Eigenschaften an. Das ist sehr praktisch, vor allem beim Kampf. Allerdings hat die Geschichte einen kleinen Nachteil: Ruffy kann nun nicht mehr schwimmen. Eine etwas doofe Situation für einen Piraten. Auch andere Figuren haben dank dieser Delikatessen ungewöhnliche Fähigkeiten: Nico Robin kann Teile ihres Körpers duplizieren, Brook ist ein lebendes Skelett, Schiffsarzt Tony Tony Chopper darf seinen kleinen Rentierkörper gegen einen deutlich größeren – und kräftigeren – eintauschen.

One Piece Episode of Nami

Ist es ein Mensch? Ein Tier? Bei „One Piece“ dürfen Figuren schon mal etwas kurioser ausfallen

Es sind aber nicht nur die Mitglieder der Strohhutbande, welche von verbotenen Früchten genascht haben. Es tummeln sich auch allerhand finstere Gesellen auf den großen Ozeanen herum, welche die Superkräfte für wenig super Ziele nutzen. Tatsächlich bestehen Manga und Anime aus großen Handlungsbögen, bei denen am Ende immer der Kampf gegen einen besonders mächtigen Gegner ansteht. Manche von denen verfolgen bescheidene Ziele wie die persönliche Bereicherung und Unterdrückung der Schwächeren. Andere sind etwas ambitionierter und ebenso wie Ruffy auf der Suche nach dem sagenumwobenen „One Piece“. Dabei handelt es sich um einen Schatz, den der Piratenkönig Gol D. Roger vor seinem Tod irgendwo versteckt haben soll. Wer diesen findet, so heißt es, wird der nächste Piratenkönig. Weshalb die halbe Menschheit inzwischen unterwegs ist und kräftig sucht. Und diverse andere Kreaturen auch. Sehr komische Kreaturen.

Und jetzt alle bitte lachen!
Denn auch das unterscheidet „One Piece“ von regulären Piratengeschichten: Während die Strohhutbande immer stärker wird, die Abenteuer an Intensität zunehmen und wir von vielen dramatischen Schicksalen erfahren, so ist der Ton doch oft heiter. Und absurd. Fast kein Ausflug kommt ohne Ruffys obligatorische Fressattacken aus. Auch Sanjis große Schwäche für das weibliche Geschlecht gehört zu den Running Gags. Inmitten all der erwarten Elemente, die manchmal zum Formelhaften neigen, gibt es aber auch Einfälle, die wirklich verrückt sind. Das betrifft die bizarren Fähigkeiten der Figuren, das kuriose Aussehen, zwischendurch werden Tiere auch schon mal auf humorvolle Weise zweckentfremdet. Action, Abenteuer, Komik – all das gehört dazu, wenn Ruffy und seine Freunde in See stechen. Letztere werden mit der Zeit immer zahlreicher, stärker und im Fall von Nami auch voluminöser: Warum die Navigatorin und Kartografin der Mannschaft in späteren Geschichten einen so üppigen Busen bekam ist ein mindestens ebenso großes Rätsel wie das um die Natur des „One Piece“.

Denn eigentlich weiß keiner so genau, worum es sich dabei handelt. Kein Wunder also, dass die Saga nicht wie ursprünglich von Oda geplant nach fünf Jahren ein Ende nahm, sondern nun den 20. Geburtstag feiert. Denn wer nicht weiß, was er sucht, der findet auch schwer. Aber ein paar Sachen haben die Piraten und ihre Zuschauer ja schon gefunden: Schätze, gute Freunde, spannende Abenteuer und jede Menge Spaß. Und davon kann man ja nie genug bekommen.

Die Kinofilme

Nicht kleckern, sondern klotzen: Nachdem sowohl Manga wie auch Fernsehserie zu fetten Erfolgen geworden waren, blieb der Blick bei der Suche nach neuen Einnahmequellen bei den Leinwänden dieser Welt hängen. Warum Ruffy & Co. nicht auch mal so richtig groß in Szene setzen? Bei einem Kinofilm? Die Idee klang gut, schließlich fielen auf diese Weise die zeitlichen Einschränkungen eines Episodenformats weg. Und dank eines größeren Budgets durfte alles noch ein bisschen eindrucksvoller gezeigt werden, die Kämpfer größer und mächtiger. Theoretisch. Tatsächlich waren die ersten drei Filme weniger als eine Stunde lang und wurden zusammen mit anderen Franchises als Double Feature vorgeführt. Und wirklich besser als die TV-Vorgänger sahen die auch nicht aus. Ein weiteres Problem der Filme: Sie durften die fortlaufende Geschichte des Mangas nicht gefährden und blieben damit zwangsweise Füllmaterial. Manche erzählten deshalb aus der Serie bekannte Abenteuer einfach ein zweites Mal. Andere hielten sich so eng an die Formel, dass sie gleich im Anschluss wieder vergessen waren. Höhepunkte gab es trotz dieser Schwierigkeiten aber einige, vor allem im späteren Verlauf: Baron Matsuri und die geheimnisvolle Insel bewies, dass auch die munteren Piraten tragische Geschichten erzählen können, Strong World enthält einige der komischsten Szenen überhaupt. Und auch die Optik steigerte sich im Verlauf der Jahre enorm: Gold, der bislang letzte Spielfilm, verwöhnte selbst anspruchsvolle Augen mit stilisierten Passagen und vielen Effekten.

Und sonst noch?

Die Serie für die fortlaufende Geschichte, die Kinofilme für effektgespicktes Eye Candy, braucht es da noch mehr Animestoff? Ja, sagten die Macher und produzierten zusätzlich noch eine Reihe von TV-Specials. Die sind, wir wir es auch von den Kollegen bei Lupin III gewohnt sind, irgendwo dazwischen angesiedelt. Etwas besser als das wöchentliche Format, aber doch nicht auf dem Niveau der „echten“ Filme ist die Technik meist nur solide. Für Fans sind die Nebengeschichten dennoch durchaus interessant. gerade die in Deutschland veröffentlichten Sonderbeiträge beleuchten einzelne Figuren näher und verraten uns, wie sie zu dem wurden, was sie sind. Wer erst später zur Serie dazustieß oder nach einigen hundert Folgen einen kleinen Auffrischungskurs braucht, der ist hier an einer guten Adresse. Am spannendsten ist jedoch Abenteuer auf Nebulandia, welches mit alten Gewohnheiten bricht und durch ein frisches Szenario fesselt.

One Piece [Special]
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