(„One Piece: Omatsuri Danshaku to Himitsu no Shima“ directed by Mamoru Hosoda, 2005)

Auch der stärkste Pirat hat einmal eine kleine Auszeit verdient! Und es hat sich ja auch wirklich toll angehört, was die Omatsuri Insel da alles versprochen hat: ein umfangreiches Spa- und Wellnessprogramm, kulinarische Spezialitäten aus aller Welt, dazu eine Menge hübscher Damen. Doch so ganz wie versprochen ist das Ergebnis nicht, statt der ersehnten Erholung warten erst einmal hammerharte Prüfungen auf Ruffy und den Rest seiner Strohhut-Bande, die sie erfüllen müssen, um in den Genuss der Insel-Verwöhnprogramms zu kommen. Und das ist nicht die einzige böse Überraschung, welche auf die Piraten wartet, denn da geht etwas ganz Eigenartiges auf der Insel vor sich …

Die Überraschung für die Crew mag ja nicht besonders schön sein, als Zuschauer darf man sich hingegen umso mehr freuen. Dabei ist es nicht einmal so, als ob bei dem nunmehr sechsten Film, der auf Eiichiro Odas langlebiger Mangareihe „One Piece“ basiert, alles ganz anders oder neu wäre. Noch immer gibt es hier die übliche Mischung aus Comedy, Action und Abenteuer, auch der dramaturgische Aufbau kommt einem sehr vertraut vor. Erst müssen sich die Piraten in einem spaßigen, weil absurden Wettbewerb messen, anschließend wird es zunehmend dramatischer und düsterer, weil alles mal wieder ganz anders kommt. Vergleichbares haben wir auch in Das Dead End Rennen und Abenteuer auf Nebulandia gesehen. Baron Omatsumi und die geheimnisvolle Insel legt da aber noch einmal etwas drauf.

Einiges davon lässt sich natürlich auf den Regisseur zurückführen: Mamoru Hosoda, der später durch Filme wie Das Mädchen, das durch die Zeit sprang und Ame & Yuki zu einem der renommiertesten Animeregisseure unserer Zeit wurde, durfte der Filmreihe seinen Stempel aufdrücken. Zwar war hier erneut das Traditionsstudio Toei Animation (Die Schatzinsel, Dragon Ball Z: Resurrection F) zugange, doch die Hintergründe sind deutlich detaillierter, als man es zuvor gesehen hatte. Hinzu kommen einige Spielereien mit der Kamera, etwa beim Wechsel in die Egoperspektive. Dass hier zuweilen auf CGI-Elemente zurückgegriffen wurde, ist bedauerlich, insgesamt hält man sich mit derlei Experimenten zurück. Dafür versuchte sich Hosoda an stilistischen Variationen, die Anhängern der vorherigen Teile vielleicht nicht immer gefallen werden, insgesamt aber doch für eine frische Brise bei den eher abgestandenen Piratenabenteuern sorgten.

Aber es ist auch der Ausflug in die dunklen Bereiche der menschlichen Seele, der bei manchen für Irritationen gesorgt hatte. Was zunächst heiter, ausgelassen und ein bisschen albern beginnt, zudem Anlass für die vielen kuriosen Fähigkeiten der One Piece-Figuren gibt, entwickelt sich bei Drehbuchautor Masahiro Itō anschließend etwas anders weiter, als man es gewohnt war. Natürlich obliegt es wieder einmal Ruffy, den bösen Gegenspieler in seine Schranken zu verweisen. Nur tut er sich hier deutlich schwerer als sonst, ist tatsächlich auf tatkräftige Unterstützung angewiesen.

Überhaupt ist es diese zwischenmenschliche Komponente, die Baron Omatsumi und die geheimnisvolle Insel zu etwas Besonderem macht. Kleinere Reibereien zwischen Piraten gehören auf der rauen See einfach dazu, hier verselbständigen sich die Konflikte aber derart, dass man tatsächlich ein bisschen Angst um die Strohhut-Bande bekommen kann. Und auch der titelgebende Baron, der hier den Gegenspieler gibt, ist nicht einfach nur ein weiterer geld- bzw. machtgieriger Super-Schurke, der zur eigenen Bereicherung über Leichen geht – wie sie in One Piece praktisch auf jeder Insel zu finden sind. Vielmehr handelt es sich bei ihm um eine tragische Gestalt, die einem bei allen Schandtaten zum Ende hin leid tut, und dem Publikum trotz der traurigen Auflösung dem Publikum eine bittersüße Nachricht mit auf den Weg gibt.

One Piece – 6. Film: Baron Omatsumi und die geheimnisvolle Insel
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One Piece – 6. Film: Baron Omatsumi und die geheimnisvolle Insel
Alles beim alten und doch irgendwie anders: „Baron Omatsumi und die geheimnisvolle Insel“ lässt zwar die üblichen Helden antreten und hält sich auch bei der Dramaturgie an bewährte Bestandteile, ist jedoch optisch ansprechender und geht später in eine überraschend düstere und traurige Richtung.
8von 10

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