(„One Piece: Episode of Chopper – Fuyu ni Saku, Kiseki no Sakura“ directed by Junji Shimizu, 2008)

Keiner weiß so recht, was Nami genau fehlt. Nur dass sie krank ist, das ist recht offensichtlich. Aber was tun, wenn sich keiner an Bord mit Medizin auskennt? Oder Krankheiten? Aber vielleicht weiß ja jemand auf der Insel Rat. Dort angekommen, müssen die Strohhut-Piraten erfahren, dass dem nicht so ist. Schon seit langem gibt es auf der Inter-Insel keine Ärzte mehr, seitdem sie vom ehemaligen König Wapol vertrieben wurde. Nur eine ist noch übrig: Dr. Kuhela. Doch die lebt oben auf einem Berg und schaut nur ab und an mal im Dorf vorbei. Außerdem soll sie ziemlich seltsam sein. Für Ruffy kommt aufgeben dennoch nicht infrage. Und so fasst er den Entschluss, seine schwerkranke Kameradin zur Not eben bis dorthin zu tragen.

Zwischenzeitlich scheinen den Machern der Kinofilme zu Eiichiro Odas Mangareihe „One Piece“ ja sämtliche Ideen abhanden gekommen zu sein. Nachdem schon der achte Teil Abenteuer in Alabasta, Die Wüstenprinzessin lediglich eine bereits bekannte Geschichte des Animes neu verfilmte, tat man dies im Anschluss bei Chopper und das Wunder der Winterkirschblüte gleich noch mal. Kleinere Detailverschiebungen gab es zwar. Beispielsweise wurde das erste Treffen mit Crewmitglied Chopper hier in der Chronologie nach hinten verschoben, sodass die Besatzung etwas durcheinanderkommt. Und auch auf der Gegenseite hat sich ein bisschen was getan. Insgesamt gilt aber: Wer schon länger die Abenteuer um die Piratencrew verfolgt, der bekommt hier nur Altbekanntes geboten.

Immerhin: Im Vergleich zum langweiligen Vorgänger macht der neunte Teil tatsächlich Spaß. Das mag auch an Sympathieträger Chopper liegen, dessen großer Auftritt Chopper auf der Insel der seltsamen Tiere schon zu den besseren Filmen von One Piece zählte. Ganz vergleichbar sind die zwei Werke jedoch nicht, und das nicht nur, weil hier eine Origin Story gezeigt wird und der künftige Schiffsarzt noch entsprechend wenig integriert ist. Es ist auch der Ton, der beide Animes deutlich unterscheidet. Anders als beim humoristischen Urahnen ist die Vorgeschichte des medizinisch begabten Elches ziemlich traurig. Gerade die Art und Weise, wie er seinen Platz in der Gesellschaft sucht, dabei aber eine Enttäuschung nach der anderen erlebt, das darf einem schon mal zu Herzen gehen.

Ganz auf komische Elemente muss man jedoch nicht verzichten. Neben den obligatorisch infantilen Slapstickeinlagen rund um den großen Frauenverehrer Sanji sind es vor allem die etwas gewöhnungsbedürftigen Tiere, welche auf der Winter-Insel heimisch sind, die es auf die Lachmuskeln abgesehen haben. Im Großen und Ganzen erfolgreich, der Hang zum Absurden zeichnete ja schon immer die Piratenmär aus. Enttäuscht dürften hingegen die Fans sein, welche die kuriosen Fähigkeiten der Crew auch auf dem Schlachtfeld bewundern möchte. Die Kämpfe sind vergleichsweise unwichtig dieses Mal, Chopper und das Wunder der Winterkirschblüte konzentriert sich stärker auf die Figuren.

Aber vielleicht ist das auch besser so, denn optisch hat die Reihe auch Jahre später nicht so wirklich zugelegt. Die Figuren punkten natürlich mit witzigen Designs, ansonsten gibt es beim Traditionsstudio Toei Animation (Dragon Ball Z – Kampf der GötterDie Schatzinsel) traditionell wenig zu sehen, gerade für einen Kinofilm. Dieses Mal sogar ein bisschen weniger, da nahezu die gesamte Geschichte im Winter spielt, was die Gestaltung der Hintergründe sehr vereinfacht. Und auch indoor liebt man es auf der Insel eher spartanisch. Was Chopper und das Wunder der Winterkirschblüte an visueller Finesse und Action mangelt, das macht es aber durch Charme mehr als wett. Auch wenn am Ende doch wieder alles auf das Mantra hinausläuft, dass die Leute zusammenhalten müssen – ob Mensch oder Rentier –, die Reise dorthin ist unterhaltsam und selbst für Neulinge empfehlenswert, welche die etwas andere Piratenwelt für sich entdecken wollen.

One Piece – 9. Film: Chopper und das Wunder der Winterkirschblüte
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One Piece – 9. Film: Chopper und das Wunder der Winterkirschblüte
Action und Humor wurden beim neunten Teil der erfolgreichen Animereihe eher reduziert, Spaß macht das Piratenabenteuer aber auf alle Fälle, geht streckenweise sogar mehr zu Herzen, als man es einer solchen Mangaadaption zutrauen würde.
7von 10

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