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Bára – Diary of a Rockstar

„Bára – Diary of a Rockstar“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Barbora Basiková, am 17. Februar 1963 in Prag geboren, ist eine der bekanntesten Sängerinnen Tschechiens. 1975 trat sie erstmals im Fernsehen auf, und in den 1980er-Jahren war sie die Frontfrau in gleich zwei Bands: Precedens und Stromboli. Neben einer Solokarriere verfolgte Basiková ab den 1990er-Jahren auch eine Karriere als Musicalsängerin und trat in Produktionen von Jesus Christ Superstar, Rusalka, Cleopatra und Johanna von Orléans auf. Trotz aller Erfolge wird das Geld im Verlauf ihrer langen Karriere mehr als einmal knapp. Und ihr Privatleben ist von Niederlagen geprägt. Dreimal war Bára Basiková verheiratet, alle drei Ehen scheiterten.

Im Rampenlicht

Manche Menschen sind für die Bühne geboren. Barbora „Bára“ Basiková nutzte bereits als Kind vom Kochlöffel bis zur Haarbürste alles, was sie in die Finger bekam, als Ersatz-Mikrofon, wenn sie im Familienkreis Lieder zum Besten gab. Und sie trat mit zwölf Jahren zum ersten Mal im tschechoslowakischen Fernsehen auf; sehr zum Leidwesen ihrer Mutter. Denn in der Sendung Zpívá celá rodina (auf Deutsch: Die ganze Familie singt) betrat nicht nur die kleine Barbora die große Bühne. Auch ihre Mutter musste ran. Nachdem Barbora inbrünstig das Lied Markétka geschmettert hatte, folgte die Mutter mit gequältem Sprechgesang.

Der Fernsehauftritt besitzt in Tschechien Kultstatus und darf natürlich auch in Helena Třeštíkovás Dokumentarfilm über Bára Basiková nicht fehlen. Er eröffnet den Film. Ganz am Ende dieser Doku und passend zu Basikovás Karriere singt deren eigene Tochter anlässlich des 60. Geburtstags der Mutter Markétka, eben jenen Song, der ganz am Anfang eines Lebens im Rampenlicht stand. Und Bára Basiková, zu Tränen gerührt und wie eh und je euphorisiert, stimmt in das Ständchen mit ein. Es ist ein schönes, rundes Ende eines durchwachsenen Films über ein abwechslungsreiches Leben.

Starke Bühnenpräsenz

Kultstatus besitzt nicht nur der erste Fernsehauftritt der Sängerin, sondern auch die Sängerin selbst. Denn in den 1980er-Jahren gelang ihr das Kunststück, als Frontfrau zweier musikalisch sehr unterschiedlicher Rockbands, Precedens und Stromboli, Hits zu landen. In Westeuropa sind beide Gruppen zwar kaum bekannt, da die Songtexte nicht auf Englisch verfasst sind. Von den bisweilen avantgardistischen Stücken, Basikovás virtuosem Gesang und ihrer schieren Bühnenpräsenz geht aber auch für all jene eine Faszination aus, die des Tschechischen nicht mächtig sind. In dieser Hinsicht leistet der Dokumentarfilm gute Arbeit.

Auch einen adäquaten Eindruck, welchen Bekanntheitsgrad Bára Basiková in ihrer Heimat genießt, vermittelt der Film. Ihre drei Hochzeiten sind Medienereignisse. Zu ihrer bislang letzten Hochzeit muss sie gar über die Hintertür und mithilfe einer Leiter gelangen, weil sich vor dem Standesamt zu viel Presse tummelt. Eine kuriose Szene, die nicht zuletzt dank Helena Třeštíkovás Langzeitbeobachtung ihrer Landsfrau für die Nachwelt festgehalten wurde. Was das Privatleben der Vollblutmusikerin anbelangt, hat diese Form des Dokumentarfilms allerdings ihre Nachteile.

Selbstbestimmtes Narrativ

Oft ist es Bára Basiková selbst, die die Kamera führt und die kleinen Videotagebuch-Einträge vornimmt. Was bedeutet, dass sie sich vorab viele Gedanken machen konnte, was sie aus ihrem Privatleben preisgibt und wie sie es verpackt. Diese Form führt zu einem Paradoxon: Obwohl das Kinopublikum der Protagonistin unglaublich nahekommt, weil sie ihm Zugang zu ihrer Wohnung, ihrer Familie und ihren Gedanken gewährt, bleiben die Zuschauenden gleichzeitig auf Distanz. Denn der vollständig von Basiková aus dem Off erzählte Film ist trotz aller scheinbarer Unmittelbarkeit letzten Endes durch ihren eigenen Filter vermittelt.

Das führt unter anderem zu einer geradezu irritierenden Szene, in der die Sängerin aus dem filmischen Off beiläufig erwähnt, dass ihre zweite Ehe deshalb scheiterte, weil die angebliche Tochter ihres Manns, die er aus seiner ersten Ehe mitbrachte, gar nicht seine Tochter, sondern seine heimliche Geliebte war. Wie bitte? Habe ich das richtig verstanden? Dieser ungeheuerliche Vorgang hätte in jedem anderen Dokumentarfilm Anlass zu einer intensiven Tiefenbohrung geboten. Aufgrund der von Helena Třeštíková gewählten Form werden jedoch keinerlei Nachfragen gestellt. Es bleibt lediglich eine von vielen Kuriositäten in einem zweifelsohne spannenden Künstlerinnenleben, über die die Protagonistin in der ihr eigenen Eile achtlos hinwegfegt.

Credits

OT: „Bára Basiková“
Land: Tschechische Republik
Jahr: 2026
Regie: Helena Třeštíková
Kamera: David Cysař

Filmfeste

Karlovy Vary International Film Festival 2026
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Bára – Diary of a Rockstar
FAZIT
„Bára – Diary of a Rockstar“ ist genau das, was der internationale Verleihtitel verspricht: ein Tagebuch der Sängerin Bára Basiková in Form einer dokumentarischen Langzeitbeobachtung. Doch während es der Regisseurin Helena Třeštíková gelingt, Basikovás energetische Bühnenpräsenz und ihr rastloses Künstlerleben ungeschminkt zu vermitteln, wird ihr Privatleben – trotz aller Nähe – stets durch einen schützenden Filter betrachtet.
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