
Mit Meeting the Buddha kehrt die Regisseurin Marta György-Kessler in jene spirituelle Welt zurück, die sie bereits in Hannah: Ein buddhistischer Weg zur Freiheit (2014) erkundet hat. Im Zentrum steht diesmal Rangjung Rigpe Dorje, der 16. Karmapa und damit das Oberhaupt der Karma-Kagyü-Linie, einer der vier großen Schulen des tibetischen Buddhismus. Seine Anhänger verehren ihn als „lebenden Buddha“. György-Kessler zeichnet seinen Weg von den frühen Jahren in Tibet über die Flucht ins indische Exil nach der chinesischen Besetzung bis hin zu seiner Vision nach, die Lehre in den Westen zu tragen. Gerade für Laien eröffnet der Film einen interessanten Blick auf eine Tradition, die man hierzulande meist nur über den Dalai Lama kennt. Man muss allerdings erst einmal in den Film hineinfinden: Der Einstieg gleicht einer dichten Geschichtsstunde über Schulen, Linien und Wiedergeburten, die verdaut werden will.
Zwischen Dänemark und dem Himalaya
Seine Stärke entfaltet Meeting the Buddha in der Erzählstruktur. György-Kessler verschränkt zwei Lebenswege, die zunächst kaum weiter voneinander entfernt sein könnten. Auf der einen Seite das Leben des Karmapa zwischen Klöstern, politischen Umwälzungen und Exil, auf der anderen Seite das Dänemark der 1960er Jahre, in dem der junge Ole Nydahl als wilder Hippie seinen Platz sucht. Schon als Kind, so erfährt man, wollte er „dänischer Meister des Geistes“ werden. Der Film wechselt zwischen beiden Strängen hin und her, bis sie 1969 in Nepal zusammenfinden, als Ole und seine Frau Hannah Nydahl dem Karmapa begegnen. Diese Begegnung ist das Scharnier des Films, und hier zahlt sich die geduldige Parallelführung aus: Man versteht, was in diesem Moment aufeinandertrifft, nämlich eine westliche Gegenkultur auf der Suche nach Sinn und eine jahrhundertealte Tradition, die ihre Heimat verloren hat.
Von da an zoomt der Film zunehmend auf das dänische Ehepaar, das zu den engsten westlichen Schülern des Karmapa wird und den tibetischen Buddhismus in den folgenden Jahrzehnten in die westliche Welt bringt. Hunderte Meditationszentren gründen die beiden, von Mexiko-Stadt bis Wladiwostok. Die Geschichte der Nydahls ist dabei stets auch die Geschichte einer Lehrer-Schüler-Beziehung, die der Film als eigentliches Fundament dieser Übertragung von Ost nach West begreift. Neben den Nydahls kommen zahlreiche Lamas und Weggefährten zu Wort, die das Bild des Karmapa als charismatische Ausnahmeerscheinung vervollständigen.
Bewegte Zeichnungen, starres Archiv
Gelungen sind auch die animierten Comic-Sequenzen, die Momente zum Leben erwecken, für die es keine Bilder gibt, etwa die schriftliche Prophezeiung, mit der der 15. Karmapa seinen Nachfolger ankündigt. Sie tun der Erzählstruktur gut, geben dem Film Rhythmus und sind eine willkommene Abwechslung zu den mitunter steifen Archivfotos und -aufnahmen. Um dem historischen Material mehr Leben einzuhauchen, lässt György-Kessler die Kamera über zahlreiche Standfotos gleiten. Das sorgt für Dynamik, wirkt bisweilen aber auch seltsam künstlich. Die Zeichnungen hingegen verleihen der Geschichte eine Leichtigkeit, die man einem Film über Reinkarnationslinien und Klosterhierarchien zunächst kaum zutrauen würde.
Würdigung mit Längen
Etwas mehr Distanz hätte dem Film allerdings gutgetan. Meeting the Buddha erzählt erkennbar aus der Innensicht der Bewegung um Ole Nydahl, zu Wort kommen fast ausschließlich Lamas, Schüler und Weggefährten. Dass die Nachfolge des 16. Karmapa bis heute umstritten ist (der Dalai Lama erkennt einen anderen Kandidaten an als jenen, der hier als 17. Karmapa auftritt) und auch Nydahl selbst kein unumstrittener Lehrer ist, spielt kaum eine Rolle. Wer eine kritische Einordnung erwartet, bekommt eher eine respektvolle Würdigung, die ihre Protagonisten stellenweise ins Hagiografische überhöht.
Hinzu kommt die Länge. Mit 144 Minuten verlangt der Film seinem Publikum einiges ab, und manche Episode hätte man straffen können, ohne dass Wesentliches verloren gegangen wäre. Hier zeigt sich, für wen Meeting the Buddha in erster Linie gemacht ist: Wer eine Prädisposition für Buddhismus und spirituelle Themen mitbringt, kommt voll auf seine Kosten und wird die fehlende Distanz kaum vermissen. Laien, die sich komplett außerhalb dieses Kosmos bewegen, müssen dagegen Geduld aufbringen. Belohnt werden sie mit einem ungewöhnlichen Kapitel Religionsgeschichte, in dem sich die Hippie-Sehnsucht der 1960er Jahre und das Schicksal des tibetischen Exils auf überraschende Weise kreuzen.
OT: „Meeting the Buddha“
Land: UK, Ungarn
Jahr: 2025
Regie: Marta György-Kessler
Musik: Simon Ravn
Kamera: Sebastian Jezierski, Xavier Hazenbosch, Leslaw Dobrucki, Stephan Böhme, Guy Nisbett
Mitwirkende: Ole Nydahl, Hannah Nydahl, Trinley Thaye Dorje, Shamar Rinpoche, Jigme Rinpoche
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