Lovebox
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Lovebox
„Lovebox“ // Deutschland-Start: 24. September 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Lange Zeit sah es danach aus, als sei der Kapitalismus die einzig sinnvolle Gesellschaftsform, wenn alle zusammenarbeiten und gemeinsam etwas erschaffen. Inzwischen kommen bei immer mehr Menschen Zweifel auf, wenn der Fokus auf Wachstum und Wirtschaftlichkeit in zahlreichen Feldern zu Problemen führt. Ob Wohnungsmarkt, Gesundheit oder Transport – überall ist der Wurm drin. Und auch bei der Kunst liegt einiges im Argen. Das jährlich stattfindende Festival Burning Man stellt sich diesem Kommerzgedanken entgegen, es geht dort um Gemeinschaft und Selbstausdruck. Seit 2007 gibt es den südafrikanischen BurningMan. Der Dokumentarfilm Lovebox nimmt einen mit zu eben diesem Ableger und erzählt von einem ungewöhnlichen Experiment, das im Rahmen des Festival stattgefunden hat.

Lass uns über Liebe sprechen

Im Mittelpunkt dieses Experiments ist ein golden gefärbter ehemaliger Pferdeanhänger. In diesem begegnen sich fremde Menschen, immer zwei Stück, und unterhalten sich über die Liebe – daher der Titel. Genauere Vorgaben gibt es nicht, die Duos beantworten sich gegenseitig eine Frage zu diesem Themengebiet. Lovebox hält diese Begegnungen fest und lässt so auch ein Publikum an diesem Experiment teilhaben, das Tausende von Kilometern entfernt ist. Ein bisschen hat das was von einer dieser Reality-TV-Shows, bei denen Wildfremde auf engem Raum leben und von einer Kamera begleitet werden. Big Brother zum Beispiel. Der Unterschied: Hier gibt es kein Preisgeld oder ähnliches zu gewinnen, es wird auch niemand aus der Gruppe herausgewählt. Die Belohnung besteht in der Begegnung an sich.

Und zumindest die Personen, die in dem Film vorkommen, haben etwas für sich aus dem Ganzen herausgenommen. Da sind immer wieder Gespräche, bei denen den Teilnehmenden vor lauter Emotionalität die Tränen kommen. Warum, wird im Einzelfall nicht klar. An manchen Stellen hat man bei Lovebox das Gefühl, dass der Besuch des Anhängers eine Art Therapie-Ersatz ist und die Leute sich hier etwas von der Seele reden können, was sie im Alltag nicht loswerden. Möglicherweise fällt es hier einfacher, eben weil das Gegenüber eine fremde Person ist, die keinen Bezug zum eigenen Leben hat. Man kann hier nichts falsch machen, muss keine Folgen befürchten, eben weil die meisten im Anschluss gleich wieder aus dem eigenen Leben verschwinden.

Nicht wirklich tiefgründig

Diese Meta-Überlegung wäre der spannendere Aspekt gewesen. Die einzelnen Geschichten selbst sind es nicht unbedingt. Zum einen erfährt man dann doch zu wenig über diese Leute. Wer sind sie? Woher kommen sie? Was bringt sie dazu, an diesem Experiment teilzunehmen? Reflektiert sind diese Menschen dabei durchaus. Vielleicht sogar schon etwas zu reflektiert, weshalb keine Aha-Effekte dabei sind. Lovebox versucht dennoch, diese Gespräche als sehr tiefgründig zu verkaufen, spart dabei auch nicht an Pathos. Davon darf man natürlich ergriffen sein. Dabei beschränken sich die meisten Punkte auf irgendwelche Banalitäten, die als mehr verkauft werden sollen, als sie wirklich sind. In dem Moment mag das für die Teilnehmenden eine sehr wahrhaftige Erfahrung sein, das bloße Zuschauen ist es eher nicht.

Allgemein wird bei dem Film nie ganz klar, warum man ihn sich als außenstehende Zuschauer und Zuschauerinnen anschauen sollte. So erfährt man zwar, dass Menschen Verbindungen zueinander aufbauen können und dass das Gefühl einer Gemeinschaft einen stärken kann. Aber das sollte man auch vorher schon gewusst haben. Klar, in Zeiten zunehmender sozialer Isolation und gesellschaftlicher Gräben tut es schon irgendwie gut, solche zwischenmenschlichen Verbindungen zu sehen. Lovebox ist dann doch eher ein Plädoyer rauszugehen und andere Menschen wieder als Menschen zu sehen. Das ist wichtig, als Dokumentation jedoch etwas dünn.

Credits

OT: „Lovebox“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Daniela Michel, Alexander Kleider
Drehbuch: Daniela Michel, Alexander Kleider
Musik: Eckes Malz
Kamera: Steph Ketelhut

Bilder

Trailer

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Lovebox
fazit
„Lovebox“ erzählt von einem Experiment, bei dem Wildfremde sich kurz über die Liebe unterhalten. Als Plädoyer dafür, wieder rauszugehen und sich mit anderen auszutauschen, ist das brauchbar. Als Dokumentation ist das jedoch etwas dünn, selbst wenn da einiges als tiefgründig verkauft werden soll.
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