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Beim KitKatClub handelt es sich um einen Anfang der 1990er-Jahre von Simon Thaur und dessen Lebensgefährtin Kirsten Krüger gegründeten Fetisch- und Technoclub in Berlin, der schnell weit über Großstadtgrenzen hinaus bekannte wurde. Denn im Club in der Köpenicker Straße 76 geht es besonders wild zu: Die Türpolitik ist rigide, aber wer hineingelangt, darf sich auf eine Nacht voller Ausschweifungen freuen. Die Gäste kommen in Fetischkostümen oder bewegen sich teilweise oder ganz nackt durch die Räumlichkeiten, Sex unter den Besuchern, oft vor Augen der anderer, ist nicht ungewöhnlich und wird akzeptiert. Wer alleine da ist und keine anderen Personen zum Austausch von Körperflüssigkeiten findet, befriedigt sich selbst. Alles kein Problem, zumal Handys abgegeben werden müssen – what happens in the KitKat, stays in the KitKat.
Nicht unerheblich zum langanhaltenden Erfolg des Clubs, der über die Jahre zu einem fast mystischen Ort wurde, dürfte der Umstand gewesen sein, dass sich Thaur ab 1999 parallel erfolgreich als Pornoregisseur und Pornoproduzent der extremen Art betätigte. In den über 200 Filmen, in denen auch eher exotische Spielarten Urophilie oder Koprophilie vorkommen, traten nicht nur Gäste oder Protagonisten aus dem Umfeld des Clubs (und Thaur selbst) auf, die Underground-Streifen transportierten perfekt den hedonistischen Geist des KitKat.
Kompromisslos in der Abbildung….
KitKatClub – Kinks of Berlin von Phillip Fussenegger (Teaches of Peaches, I Am the Tigress) folgt dieser Linie einerseits kompromisslos. Verschämtheit kann man der Doku im Umgang mit ihrem Thema kaum vorwerfen, das FSK-18-Siegel ist nachvollziehbar. Nicht nur, dass für den Dreh die Pforten geöffnet wurden, man erhält ausgiebige Einblicke ins Innere des mit Sicherheit äußerst unterhaltsamen Sündenpfuhls, es gibt unter anderem – meist explizit – Oralverkehr und (homosexuellen) Analverkehr zu sehen und während eines Pornodrehs pinkelt eine Dame zwei Herren in den Mund.
…aber auch merkwürdig gehemmt.
Fussenegger mag sich anderseits aber nie wirklich auf sein Thema einlassen. Der Regisseur meinte in einem Interview mit RBB Kultur: „Ich komm aus so `ner christlich, patriarchal geprägten Gesellschaft aus Österreich. Meine Eltern haben eine monogame Beziehung vorgelebt mit allen Problemen. Betrug etc. und als ich im KitKat in Berlin das erste Mal ankam, keine Ahnung, vor über 10 Jahren, dachte ich mir so: boah, geil, da gibt’s auch andere Lebensformen, andere Beziehungsformen. Das gab’s so `ne utopische Idee im Kern. Und das wollte ich eigentlich auch erlebbar machen für die Welt da draußen.“
„Eigentlich“ – Fussenegger traut sich aber nicht, sich zu seiner Faszination an der utopischen Idee zu bekennen, er bleibt auf fast schon kleinbürgerlich wirkender Distanz. Dafür sorgt allein schon die seltsame Entscheidung, das eigentlich farbenfrohe Sujet in klarem Schwarzweiß abzulichten. Aber auch sonst: Man erfährt zwar von verschiedenen Menschen, für die der Club Lebensmittelpunkt ist. Von Drag-Künstler Tim, vom BDSM-Paar Vici und Marvin und von anderen. Oder man erlebt Thaur beim Pornodreh und rauchend vor dem PC das gedrehte Material schneidend. Aber man kommt all diesen Menschen kaum nahe. Der Blick des Films auf seine Protagonisten (und deren Aktivitäten) ist der eines Zoobesuchers. Schlecht in Szene gesetzte und zunehmend mehr langweilende Dialoge drehen sich um Banalitäten, wie der Frage, ob man mit einem neuen Kontakt aus dem KitKatClub gleich am ersten Abend nach Hause gehen würde. Alles wirkt seltsam oberflächlich, glatt und im letzten Drittel kommt zudem, moralapostelig wirkend, der Morgen nach dem Partyexzess zur Sprache, die Schattenseiten, der Ausstieg.
Lediglich in einer Szene, in der Thauer mit seiner Lebensgefährtin aneinander gerät, lässt KitKatClub – Kinks of Berlin kurz das spüren, was ihm ansonsten schmerzlich fehlt: Leidenschaft.
OT: „KitKatClub – Kinks of Berlin“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Philipp Fussenegger
Drehbuch: Susanne Heuer
Mitwirkende: Raven Van Krueger, Mali, Simon Thaur, Elisa, Oli
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