
Uwe (Peter Schneider) ist gescheitert, beruflich als Hotelier, auch privat ist nichts zu holen. Und so hat er beschlossen, seinem Leben ein Ende zu setzen. Bevor er dazu kommt, wird er jedoch Zeuge eines Unfalls. Ein Lieferwagen kracht durch die Leitplanke, Fahrer Niko (Antonije Stankovic) und Beifahrer Ruud (Richard Gonlag) sind bewusstlos. Dafür findet Uwe in Eimern jede Menge Drogen, getarnt als Spachtelmasse. Das könnte die Lösung für all seine Probleme sein. Zumindest wäre er seine Geldsorgen los, wenn es ihm gelingt, die Ware selbst zu verticken. Während er gemeinsam mit Gunnar (Isaak Dentler) versucht, eben das zu tun, ist ihnen Fleur (Isabel Berghout) bereits auf den Fersen. Frank Koops (Aljoscha Stadelmann) und seine Kollegin Mette (Anna Fischer) stehen derweilen vor einem Rätsel – zumal auch Franks Freundin Nadja (Christina Große), die Schwester von Uwe, in die Geschichte hineingezogen wird …
Wenig zu rätseln
Seit 2015 wird Harter Brocken inzwischen ausgestrahlt. Und auch wenn die ARD-Krimireihe nicht unbedingt zu den produktiveren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gehört, manchmal muss man zwei Jahre auf einen neuen Teil warten, hat sie doch im Laufe der Zeit zahlreiche Fans gewonnen. Nun gibt es mal wieder Nachschub. Mit Die Versuchung steht jetzt der zehnte Teil der Reihe an. Dieser hält sich wenig überraschend an das etablierte Konzept, größere Überraschungen gibt es dabei nicht. Das muss aber nicht verkehrt sein, solange das Ergebnis überzeugt. Und das tut es hier. Tatsächlich ist der Film wieder etwas besser als der Vorgänger Die Erpressung, der an Weihnachten ausgestrahlt wurde und von der Jagd auf einen Mann erzählte, der mehr weiß, als es ihm guttut.
Dabei hat ein rätselfreudiges Publikum wieder wenig zu tun. Wie schon das letzte Mal wird vieles früh verraten. Es geht weniger um die Frage, was geschehen ist, als um die, was noch geschehen wird. Streckenweise wird Harter Brocken: Die Versuchung so eher zu einem Thriller als einem Krimi. Für Fans ist das nichts Neues. Schon in der Vergangenheit verabschiedete man sich bei der Reihe gern vom klassischen Whodunit-Format, wo ein Verbrechen aufgeklärt werden muss und die Suche nach einer Tatperson im Mittelpunkt steht. Zumindest die Zuschauer und Zuschauerinnen werden auf dem Laufenden gehalten, wer da was tut. Originell ist die Geschichte dabei kaum. Es gibt da schon einige Krimis, bei denen eine unbedarfte Person über Drogen oder Geld stolpert und bei dem Versuch, davon zu profitieren, immer stärker in Gefahr gerät. Wolfssommer – Blutige Spuren zum Beispiel.
Abgründig und atmosphärisch
Wie schon frühere Folgen will Harter Brocken: Die Versuchung diesen Überlebenskampf mit Humor auflockern. Dieser drückt sich überwiegend über die Figuren aus, die gern mal ein wenig überzeichnet sind. Dennoch ist man hier weit von den Provinz-Krimikomödien à la Rita Falk und Co. entfernt. Anstatt es sich auf den immergleichen Blödeleien gemütlich zu machen, ist die Komik hier oft dunkler und auch gern mit Tragik verbunden. Es geht da schon auch um die Abgründe der Figuren. Das betrifft hier beispielsweise Nadja, das Love Interest des Protagonisten. Ein persönlicher Bezug ist in Krimis oft etwas billig. Hier funktioniert es ganz gut.
Man sollte jedoch keine Hochspannung erwarten. Bedrohliche Situationen gibt es durchaus, weil Fleur ebenso skrupellos wie brutal ist. Sie fackelt nicht lange, wenn es darum geht, Leute zum Reden zu bringen – oder mundtot zu machen. Actionszenen gibt es dennoch keine, man bleibt da der Linie treu. Harter Brocken: Die Versuchung hat zudem ein bisschen das Problem, dass die Handlung sich nicht groß weiter entwickelt. Das Szenario ist früh etabliert, danach gibt es keine nennenswerten Wendungen mehr. Dafür ist der Film im Hinblick auf die Atmosphäre gelungen. Der Ausflug in die dunklen Wälder ist stimmungsvoll geworden und lässt einen die generische Geschichte vergessen.
OT: „Harter Brocken: Die Versuchung“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Nils Willbrandt
Drehbuch: Henner Schulte-Holtey
Musik: Lara Frank
Kamera: Frank Küpper
Besetzung: Aljoscha Stadelmann, Jakob Benkhofer, Anna Fischer, Isabel Berghout, Peter Schneider, Christina Große, Antonije Stankovic, Isaak Dentler, Richard Gonlag
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)










