Inhalt / Kritik

Cruising

„Cruising“ // Deutschland-Start: 25. August 1980 (Kino)

Nach einer Reihe von Morden in der New Yorker Schwulen und SM-Szene setzen Vertreter der Homosexuellenbewegung die Polizei unter Druck, diese so schnell es geht aufzuklären. Der Leiter der Ermittlung, Captain Edelston (Paul Sorvino), sieht sich zu besonderen Maßnahmen gezwungen und beauftragt den Streifenpolizisten Steve Burns (Al Pacino), sich in die Szene einzuschleusen, als Lockvogel zu dienen und die Ermittlung so voranzubringen. Da sich Burns eine Beförderung von seiner Undervover-Tätigkeit erhofft, nimmt er den Auftrag an und nimmt sich eine Wohnung in einer vor allem von Homosexuellen bewohnten Gegend New York, sucht von Schwulen häufig frequentierte Lokale, Klubs und Restaurants auf. Jedoch bleibt seine Mission nicht ohne weitreichende Folgen für Burns Leben und seine Beziehung zu Nancy (Karen Allen). Was er sieht und erlebt in den Tagen und Nächten inmitten der SM-Szene verfolgt ihn bis in die eigenen vier Wände, beginnt sogar sein Sexleben zu beeinflussen. Währenddessen geht das Morden weiter und Burns’ Anliegen, von seinem Auftrag endlich befreit zu werden, rückt in weiter Ferne.

Eintauchen und Verschwinden

Für Produzent Jerry Weintraub schien sein Freund William Friedkin der richtige Mann für die Verfilmung des Romans Cruising aus der Feder Gerald Walkers zu sein, eines Reporters der New York Times, der sich im Schwulenmilieu New York Citys abspielt. Bereits mit French Connection – Brennpunkt Brooklyn hatte Friedkin sein Talent für diese Art von Geschichte bewiesen, war aber zunächst wenig begeistert von der Vorlage, die ihm, wie er im Making-of zum Film sagt, veraltet erschien. Zusammen mit Weintraub machte er sich auf in die Straßen New York Citys und besuchte viele der Schwulenbars und -klubs, die auch im fertigen Film zu sehen sind. Auf Basis dieser Erfahrung erfuhr das Drehbuch eine Umarbeitung, was zu einem Film führte, der für die Filmindustrie unüblich war, der von der Faszination und dem Sich-Verlieren in einer anderen Welt handelt.

Wenn der von Paul Sorvino gespielte Edelston Al Pacinos Figur fragt, ob er „verschwinden“ möchte, muss man dies in Bezug auf Cruising aus zwei Perspektiven betrachten. Was hier als Anspielung auf die Undercover-Tätigkeit dient, ist viel mehr, denn die Welt, die sich dem Streifenpolizisten schon bald zeigt, hat nichts mit seinem bisherigen Leben gemein. Die Faszination, die sich auf den Zuschauer überträgt, ist die Möglichkeit von zwei Leben, welche unterschiedlicher nicht sein könnten, wenn man einerseits einen Mann sieht, der im Lederoutfit durch die Schwulenbars zieht, ausgelassen tanzt und Sex hat und nun andererseits die gleiche Person bei einer normalen, bürgerlichen Arbeit sieht. Diese Dualität überträgt Friedkins Films auf die Stadt an sich, welche sich in den Nachtszenen in eine andere, bedrohliche, reizüberflutete, aber immer noch faszinierende Welt verwandelt, deren Strukturen zwar befremden, aber zugleich erregen.

Wie schon in seiner Darstellung des Frank Serpico in Sidney Lumets Film von 1973 geht Al Pacino in seiner Figur ganz auf, verwandelt sich und vollzieht jene Veränderung vom Voyeur zum Teil der Welt, die anfangs für ihn noch so fremd war. Die Kamera nimmt wiederholt seine Perspektive ein, die Momente des stillen Schocks, aber auch des Wieder-Erkennens von etwas, das vielleicht in ihm ist, was Burns Angst bereitet und immer mehr an seiner Identität, nicht nur der sexuellen, zweifeln lässt.

Darstellung einer Subkultur

Viel wurde die Darstellung der Schwulenszene seitens der Kritik wie auch von Vertretern der Homosexuellen kritisiert und schon während der Dreharbeiten musste sich Friedkins Film den Vorwurf der Stigmatisierung gefallen lassen. Gerade letztere Vorwürfe laufen ins Leere und missverstehen die Darstellung des Films, den viele der Demonstranten, die zum Teil massiv die Dreharbeiten behinderten, naturgemäß noch nicht einmal gesehen hatten, denn Cruising ist kein Film über Schwule oder über deren Stellung in der Gesellschaft. Durch die Sicht des Hauptcharakters sieht man eine Welt, die diesem bisher unbekannt war und aus deren paralleler Existenz zu der „Welt bei Tag“ Reibungen ergeben. Für die Figur des Steven Burns entsteht ein Ich-Konflikt, der seine Werte und seine Identität bedroht und die damit die Überführung des Mörders für ihn einen Ausweg aus diesem Konflikt bieten kann.

Credits

OT: „Cruising“
Land: USA
Jahr: 1980
Regie: William Friedkin
Drehbuch: William Friedkin
Vorlage: Gerald Walker
Musik: Jack Nitzsche
Kamera: James A. Contner
Besetzung: Al Pacino, Paul Sorvino, Karen Allen, Richard Cox, Don Scardino

Trailer

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Cruising
"Cruising" ist ein spannender, faszinierender Thriller mit einem tollen Al Pacino in der Hauptrolle. Bei seiner Veröffentlichung kritisiert, ist der Film vielleicht der mutigste innerhalb der langen Karriere William Friedkins und übt eine Faszination aus, der man sich als Zuschauer nicht entziehen kann.
7von 10

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