
Georg Wilsberg (Leonard Lansink) und Ekki Talkötter (Oliver Korittke) können ihr Glück kaum fassen, als sie einen Lottoschein finden, der sage und schreibe 12 Millionen Euro wert ist! Dummerweise dürfen sie ihn aber nicht behalten, wie ihnen die Anwältin Dr. Tessa Tilker (Patricia Meeden) verrät. Stattdessen muss er an seinen rechtmäßigen Besitzer zurück. Dieser stellt sich als Lars Roxel (Christian Hockenbrink) heraus, der gemeinsam mit seinen Geschwistern Julia (Maditha Dolle) und Phillip (Franz Dinda) die familieneigene Brauerei führt. Diese kriselt schon seit einiger Zeit, weshalb sie kurz davor stehen, das Unternehmen zu verkaufen. Da kommt der Geldsegen gerade zur rechten Zeit. Ein Happy End steht für die Familie dennoch nicht an, denn kurze Zeit später wird Lars erschlagen aufgefunden …
Glücksspiel statt Gesellschaft
Eigentlich ist der Antiquar und Privatdetektiv ja längst im Rentenalter angekommen. Doch das hindert das ZDF nicht daran, regelmäßig neue Filme der Krimireihe Wilsberg zu produzieren. Schließlich schalten noch immer meist fünf, sechs Millionen Menschen ein, um dem außergewöhnlichen Ermittler und seinem skurrilen Umfeld bei der Lösung von Fällen zuzusehen. Zwei Teile wurden dieses Jahr bereits ausgestrahlt. Erst ging es in Trügerische Sicherheit um einen Jugendlichen, der einen ungeheuerlichen Verdacht hat. Dann handelte Mogelpackung von einem Wohnhaus und unzumutbaren Sanierungsarbeiten. Nun steht mit Todsicherer Tipp der dritte neue Film an, es ist der inzwischen 90. der 1995 gestarteten Reihe.
Eine gesellschaftliche Komponente sucht man dieses Mal vergebens. Wo letztes Mal noch die unlautereren Machenschaften im Mietgeschäft angesprochen wurden, mit denen die Wohnungskrise noch weiter verschärft werden, fehlt bei Wilsberg: Todsicherer Tipp etwas Vergleichbares. Diesmal will man einen reinen Krimi. Das anfängliche Thema rund um den Lottoschein ist da noch der interessantere Teil. Nicht nur, dass es dabei um ein verführerisches Szenario geht. Wer gibt schon zwölf Millionen freiwillig zurück? Der moralische Aspekt wird auch mit juristischen Belehrungen verbunden. Das Glücksspiel rückt anschließend jedoch in den Hintergrund. Zwar wird eingeführt, dass Ekki zur Spielsucht neigt. Mit dem Fall an sich hat das dann aber kaum noch etwas zu tun, wirkt entsprechend forciert.
Klassischer Krimi
Stattdessen geht es primär um die gute alte Gier. Man versucht bei Wilsberg: Todsicherer Tipp nicht einmal, eine alternative Erklärung aufzubauen, die nichts mit finanziellen Interessen zu tun hat. Die Frage ist nur: Wer profitiert von einem solchen Mord? Dabei könnte sowohl der Lottoschein wie auch der abgesagte Verkauf der Brauerei eine Rolle spielen, hinzu kommt die Geschichte um das Testament. Für diese Theorien gibt es einige Figuren, die in Frage kommen, ein klassischer Whodunit eben. So klassisch, dass es etwas langweilig ist. Auch wenn das Umfeld der Bierbrauerei eigentlich reizvoll ist, drumherum wurde nur wenig ausgedacht. Man hat das Gefühl, das alles schon einmal gesehen zu haben, sowohl im Hinblick auf die Geschichte wie auch die Figuren.
Immerhin ist das Ganze aber einigermaßen glaubwürdig, was man bei dieser Reihe nicht voraussetzen sollte. Der Klamauk hält sich in erträglichen Grenzen, man versucht nicht, auf Biegen und Brechen irgendwo Komik einzubauen. Außerdem gelingt es diesmal etwas besser, die diversen Figuren unterzubringen, die bei jedem Fall dabei sein müssen, koste es, was es wolle. Unbedingt gesehen haben muss man Wilsberg: Todsicherer Tipp nicht, da gab es schon teile mit interessanteren Geschichten oder spannenderen Settings. Wer aber einfach nur mal wieder anderthalb Stunden lang gemütlich grübeln möchte und nicht den Anspruch hat, dass da wahnsinnig viel hängenbleibt, macht hiermit zumindest nichts grundlegend verkehrt.
OT: „Wilsberg: Todsicherer Tipp“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Bettina Braun
Drehbuch: Rene Förder, Stephan Pächer
Musik: Dirk Leupolz
Kamera: Felix Beßner
Besetzung: Leonard Lansink, Oliver Korittke, Patricia Meeden, Rita Russek, Roland Jankowsky, Karolina Lodyga, Johannes Zeiler, Maditha Dolle, Franz Dinda, Christian Hockenbrink, Ronald Kukulies
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