Flieg steil
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Flieg steil

Flieg steil
„Flieg steil“ // Deutschland-Start: 6. August 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Konnie (Ceci Chuh) ist in der Berliner Neonazi-Szene eine bekannte Musikerin, eckt dort jedoch zunehmend an, weil sie feministische, queere und sexpositive Botschaften in ihre Songs integriert. Während ihre Kameraden sie immer stärker als Verräterin betrachten, plant der frustrierte Punk Rudi (Alexander Merbeth) einen Anschlag auf die Kneipe der rechten Szene, um sich innerhalb seines eigenen Milieus zu profilieren. Als sich ihre Wege kreuzen, entsteht eine bizarre Zweckgemeinschaft, in der beide versuchen, den jeweils anderen für ihre eigenen Ziele zu instrumentalisieren. Zwischen gegenseitiger Abneigung, unerwarteter Nähe und wachsendem Chaos geraten beide immer tiefer in einen Strudel aus ideologischen Grabenkämpfen und persönlichen Sehnsüchten nach Anerkennung. 

Groteske Neonazi-Satire 

Es gehört einiges an Mut dazu, einen Film über Neonazis, Punks, Feminismus und Queerness ausgerechnet als groteske Satire anzulegen. Martina Schöne-Radunski und Lana Cooper gehen dieses Wagnis mit Flieg steil bewusst ein und verweigern sich der inzwischen fast obligatorischen Schwere, mit der das Thema Rechtsextremismus im deutschen Kino meist behandelt wird. Statt erhobener Zeigefinger dominieren absurde Situationen, überzeichnete Figuren und ein Humor, der immer wieder an der Grenze zum völligen Irrsinn balanciert. Das macht den Film zunächst angenehm unberechenbar.

Dabei profitiert das Regiedebüt vor allem von seiner Hauptfigur. Konnie ist keine gewöhnliche Neonazi-Figur, sondern ein wandelnder Widerspruch. Sie predigt Body Positivity und Feminismus, ohne ihre menschenverachtende Ideologie grundsätzlich infrage zu stellen. Gerade diese paradoxe Konstellation besitzt einen gewissen Reiz, weil sie den Blick auf Mechanismen innerhalb extremistischer Gruppen lenkt, ohne sie psychologisch entschuldigen zu wollen. Ceci Chuh verkörpert diese Ambivalenz mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit. Ihr gelingt es, Konnie gleichzeitig kühl, verletzlich und herrlich eigensinnig erscheinen zu lassen. Auch Alexander Merbeth überzeugt als orientierungsloser Punk, dessen permanente Wut weniger revolutionär als vielmehr Ausdruck tiefer Überforderung ist. 

Klischees mit Sympathiebonus 

Allerdings stößt Flieg steil mit seiner satirischen Zuspitzung immer wieder an Grenzen. Sowohl die rechte als auch die linke Szene erscheinen letztlich als Ansammlung bekannter Klischees. Die Neonazis wirken oftmals erstaunlich einfältig, beinahe niedlich in ihrer tumben Naivität, wodurch die tatsächliche Bedrohlichkeit ihrer Ideologie immer wieder verloren geht. Gleichzeitig kommen auch die Punks und autonomen Aktivisten kaum über stereotype Darstellungen hinaus. Hier die dumpfen Schläger, dort die resignierten Szeneveteranen – das mag für eine Farce funktionieren, wirkt auf Dauer aber zu eindimensional. 

Hinzu kommen einige Unglaubwürdigkeiten, die sich nur schwer mit dem satirischen Ton entschuldigen lassen. Besonders irritierend ist, wie problemlos Konnie innerhalb ihrer Gruppe Glauben geschenkt wird, als sie behauptet, einen Linken getötet zu haben. Eine derart weitreichende Behauptung wird nahezu ohne Nachfragen akzeptiert. Solche erzählerischen Abkürzungen sollen vermutlich den grotesken Charakter unterstreichen, reißen den Film aber immer wieder aus seiner eigenen Logik heraus. Irgendwann stellt sich weniger die Frage, was als Nächstes passiert, sondern warum überhaupt niemand offensichtliche Widersprüche bemerkt. 

Ein Ende, das (fast) alles rausreißt 

Und doch entwickelt Flieg steil eine eigentümliche Faszination. Vielleicht gerade deshalb, weil der Film seine Figuren nie zu Helden macht und sich konsequent weigert, einfache Wahrheiten zu liefern. Er verspottet rechte wie linke Milieus gleichermaßen und legt deren Rituale, Selbstinszenierungen und ideologischen Blasen bloß. Nicht jede Pointe sitzt, nicht jede Provokation entfaltet ihre Wirkung. Aber die Bereitschaft, sich auf diesen ungewöhnlichen Tonfall einzulassen, verdient Respekt. 

Hinzu kommt ein Finale, das den Film überraschend auffängt. Ohne die vorherigen Schwächen vergessen zu machen, gelingt den Regisseurinnen ein Ende, das deutlich stärker funktioniert als vieles zuvor. So hinterlässt Flieg steil schließlich doch noch einen nachhaltigeren Eindruck, als man zwischenzeitlich vermuten würde. Es bleibt aber ein Film, der selten wirklich überzeugt, aber gerade durch seine sperrige Eigenwilligkeit immer wieder neugierig macht. 

Credits

OT: „Flieg steil“
Land: Deutschland
Jahr: 2024
Regie: Martina Schöne-Radunski, Lana Cooper
Buch: Martina Schöne-Radunski, Lana Cooper
Musik: David Hantelius, Jan Blumentrath, Henrik Bürger
Kamera: Manuel Ruge
Besetzung: Ceci Chuh, Alexander Merbeth, Andreas Anke, Tom Lass, Rosario Bona, Cora Mainz, Lana Cooper, Katharina Behrens,

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Flieg steil
fazit
„Flieg steil“ ist eine ungewöhnliche Politfarce mit mutigen Ideen und einem starken Finale. Die klischeehafte Zeichnung beider Lager und einige hanebüchene Unglaubwürdigkeiten verhindern jedoch, dass aus der originellen Satire ein richtig guter Film wird.
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