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German Horror Story

Inhalt/Kritik

German Horror Story ist eine Anthologie deutscher Horrorkurzfilme. Da wäre es ja nun nicht das Verkehrteste gewesen, das Ganze wenigstens German Horror Stories zu nennen. Wenn man allerdings schon eine Anthologie deutscher Horrorkurzfilme zusammenstellt, könnte man sie ja aber auch einfach direkt Deutsche Gruselgeschichten nennen, daran ist doch nichts Falsches. Das Werk versteht sich wohl als eine Art Schaukasten, um den deutschen Horrortalenten der hiesigen Independentfilmszene eine Bühne zu bieten, um sie womöglich bekannter zu machen, auf dass sie von einer Produktionsfirma entdeckt werden mögen. Es war ja nun sehr wahrscheinlich nicht die Absicht, einen Vergleich mit XX zu evozieren, eine Anthologie vier kurzer Horrofilme, bei denen keinerlei Wert auf irgendetwas gelegt werden musste, da das große Verkaufsargument war, dass die Regisseure alle weiblich waren. Dementsprechend zeigte XX dann auch eindrucksvoll, dass es nicht alleine Männern vorbehalten ist, schlechte Filme zu machen. Analog ist nach der Sichtung von German Horror Story auch evident, dass das vermeintlich Beste, was die Independentfilmszene Deutschlands zu bieten hat, anscheinend größtenteils zu Recht independent bleibt. Was diese Leute aus irgendeinem Grund alle nicht einsehen wollen, ist dass sie bessere Drehbuchautoren benötigen, statt kramphaft selbst zu schreiben, und lernen müssen, wie Schauspieler zu führen sind. Die Priorität scheint indessen zu sein, irgendeine hochgelobte Kamera zum Einsatz kommen zu lassen, im Idealfall sogar noch ohne zu verstehen, wo die Vorteile besagter Kamera liegen.

Bevor wir uns den einzelnen Kurzfilmen zuwenden, wollen wir die überspannende Rahmenhandlung eingehender untersuchen. Geschrieben und inszeniert wurde sie von David Brückner (Rapunzels Fluch), der andere Horrorfilmregisseure dazu aufrief, ihre Kurzfilme für das Projekt zur Verfügung zu stellen. German Horror Story fängt einigermaßen stimmungsvoll an, was ungefähr so lange anhält, bis der erste Charakter den Mund aufmacht: Eine goblinartige Kreatur nimmt im Keller eines kleinen Schlösschens ein Buch aus einem Regal und bringt es ihrem Meister. Dieser fragt, während das Buch auf den Tisch gelegt wird, ob sein Diener das Buch gefunden hätte, woraufhin jener antwortet, dass es gut versteckt gewesen sein. Ja also es war halt einfach ganz normal in einem Bücherregal eine Etage tiefer, das ist jetzt vielleicht nicht das beste aller Verstecke. Das Zimmer, in welchem der Schlossherr gewartet hat, ist immerhin recht ansehnlich eingerichtet, auch wenn die Lichtverhältnisse nicht kongruent sind. Im Establishing Shot, bei dem wir das Anwesen von außen sehen, herrscht tiefe Dunkelheit, die nur von gelegentlichen Blitzen des gerade wütenden Gewitters unterbrochen wird. Das Zimmer wird dann allerdings neben Kerzenschein und Kaminfeuer von gleißendem Mondlicht erhellt, von Regen und Donner fehlt jede Spur.

Zu fragen, ob das Buch gefunden wurde, während einem das Buch übergeben wird, ist ja eine Sache. Die Dialoge werden ab da aber auch nicht unbedingt besser. „Ich bin ein Reisender, der durch die Welt reist“, hören wir zum Beispiel. Oder: „Und wenn aus Liebe Hass, aus Vertrauen Misstrauen, dann ist die Atmosphäre um [zuvor erwähnte Figuren] bereits vergiftet. Aus dem es kein Entrinnen gibt […]“ [sic] Wo ist das „wird“, und woraus soll es kein Entrinnen geben? Aus „dem“ Atmosphäre? Oder: „Aber was, wenn die Wahrheit etwas ist, die der Verstand nicht ertragen kann?“ [sic], das muss doch irgendjemandem auffallen. Herr und Diener wurden in kunstvoller Handarbeit mit monstermäßigen Masken versehen, was die Immersion an sich einfacher machen sollte, in der Praxis aber ein wenig nach hinten losgeht. Die Maske behindert die Mundbewegungen des Schlossherrn, wodurch der Text manches Mal nicht lippensynchron erscheint.

Die Begründung, wieso der Schlossherr das Buch überhaupt verstecken musste, ist an den Haaren herbeigezogen und läuft völlig ins Leere. Warum das Buch unbedingt jetzt wieder zum Vorschein kommen musste, erfahren wir genauso wenig. Das Buch selbst ist schön gestaltet, sein Titel lautet „Deutsche Schauer Märchen“ [sic]. Jetzt liest dieser Typ also aus einem Buch namens „Deutsche Schauer Märchen“ vor (jede daraus vorgelesene Geschichte ist natürlich einer der gezeigten Kurzfilme), und dann trägt jeder einzelne der Beiträge einen englischen Titel. Diese Aversion der eigenen Sprache gegenüber ist vielleicht das Gruseligste an German Horror Story. Hinzu kommt, dass der Erzähler so seine Ausspracheprobleme hat. Das „Video“ in Your Video wird etwa deutsch statt englisch ausgesprochen, genau so wie das „Monitor“ in Silent Monitor. Das Schlimmste an der ganzen Inszenierung ist jedoch, dass dieser gottlose Möchtegernantiquar das geschlossene Buch bei jeder weiteren Geschichte erneut aufschlägt, und zwar jedes Mal beim fliegenden Vorsatz. Wenn ein bisschen darauf geachtet worden wäre, was man da am Set überhaupt tut, dann hätte das Buch bei jeder neuen Story ja weiter hinten aufgeschlagen werden können. Wenn man richtig detailverliebt ist, sogar exakt so viele Seiten, wie der vorangegangene Kurzfilm Minuten lang war. Aber das ist natürlich alles wieder zu viel verlangt.

Sei es wie es sei. Wir sind ja letzten Endes der Kurzfilme wegen hier, die Rahmenhandlung muss sie nur irgendwie miteinander verbinden. Der erste, The Artifact, ist schon mal ein denkbar schlechter Einstieg. Der zweitstärkste Kurzfilm einer Anthologie muss an den Anfang, der stärkste ans Ende (vice versa ist auch noch in Ordnung). Zu Beginn muss das Publikum direkt in den Bann gezogen werden, während das Ende am meisten nachwirkt und den Eindruck der Sichtung nachhaltig beeinflusst. The Artifact ist garantiert keins von beiden. Anscheinend wurde schlicht vergessen, die Tonspur dem Bild anzugleichen, das Ganze ist derart asynchron, dass sich bei der Sichtung nicht einmal verbindlich feststellen lässt, ob der Film nicht vielleicht auf Englisch gedreht und dann auf Deutsch nachsynchronisiert wurde. Selbst das könnte natürlich nicht entschuldigen, dass Charaktere teilweise mit geschlossenem Mund reden beziehungsweise stumm die Lippen bewegen. Nachsynchronisiert klingt es jedoch so oder so. Nach einem holprigen Einstieg scheint die Geschichte langsam interessant zu werden, nur um dann in ein „uns ist nichts mehr eingefallen“-Ende zu münden. Bei der Kameraführung wurde etwas zu sehr mit Fahrten kokettiert, rein visuell ist der Kurzfilm allerdings ziemlich gelungen, insbesondere Grading und VFX sind hier zu loben.

Der zweite Kurzfilm, Evil Eyes, erzählt eine noch sehr viel dünnere Geschichte, falls man sie überhaupt so nennen kann. Das Ganze ließe sich vielleicht eher als überlanger Trailer bezeichnen. Der folgende Your Video krankt vor allem am Schnitt. Manche Einstellungen hätten sehr viel stärker gewirkt, wenn sie nicht zu lange gehalten geworden wären. Storymäßig ist hier auch nicht viel zu holen, auch wenn es immerhin eine erkennbare Handlung gibt. Don’t Lose Your Face von Ezra Tsegaye (Monster on a Plane) ist dann eher Thriller als Horror, erzählt aber wenigstens eine Geschichte. Die ist zwar hauptsächlich dazu da, um die Schlusspointe präsentieren zu können, aber nach drei Fehlschlägen wirkt das hier im Kontrast ja fast passabel. Echoes from the Abyss ist der einzige Animationsfilm der Anthologie, wobei hier auch KI zum Einsatz kam, was das Bild stellenweise ziemlich entwertet. Die Voiceover-Erzählung gibt sich mysteriös; mysteriös ist allerdings nur, wieso Leute Filme machen, die einfach nichts zu erzählen haben.

The Whole Truth hat mit Abstand das schwächste Schauspiel aller Beiträge. Der Schluss ist zwar absolut vorhersehbar und funktioniert auch nur, wenn der Zuschauer darauf verzichtet, Fragen zur Logik zu stellen, aber storymäßig handelt es sich um den besten Beitrag der Anthologie bisher. Mit Silent Monitor liefert Brückner selbst einen Kurzfilm ab, der zwar kameratechnisch punkten kann und auch am ehesten ein gewolltes Gruselgefühl beim Zuschauer zu evozieren vermag, sich aber wieder vor einer richtigen Auflösung am Ende scheut. Was Brückner fraglos kann, ist weibliche Hauptrollen casten. Simone Geißler trägt diesen Film, ohne ein einziges Wort sprechen zu müssen.

Spätestens After Darkness Comes The Light wirft die Frage auf, ob alle Filme eigentlich deutsche Titel hatten, die nur für diese Anthologie ins Englische übersetzt wurden. Tatsächlich heißt der Film eigentlich Nach der Dunkelheit kommt das Licht. Er beinhaltet eine für Indieverhältnisse sehr ambitionierte Stuntkampfszene innerhalb einer längeren Plansequenz, die klar das Highlight des Films ist; vielleicht war der ganze Film nur eine Ausrede, um sie drehen zu können. Außerdem spielt Silviana Ursu (Rapunzels Fluch 2) die Hauptrolle, die zwar an sich super ist, vermutlich aber aufgrund der Regie hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt. Die Story ist nebulös, der Ton nicht gut abgemischt. Während die Dialoge eher leise sind, sind Schreie und einige Soundeffekte zu laut. Wer den Film mit Kopfhörern rezipieren möchte, darf sich hiermit als gewarnt betrachten. Dass der Beitrag mit knapp 13 Minuten der längste ist, hilft der Sache auch nicht unbedingt.

Lights ist der schwächste Beitrag. Die Lippensynchronität ist nicht immer gegeben, das Schauspiel reicht nicht, um die Dialoge authentisch rüberzubringen, außerdem scheint nur die Hälfte des Films eingereicht worden zu sein, da er plötzlich aufhört statt vernünftig zu enden. Musik und VFX sind in Ordnung. Inhaltlich ist es fast eine Mischung aus The Artifact und The Whole Truth. Wie eingangs erwähnt, gehört der stärkste Kurzfilm einer Anthologie ans Ende. German Horror Story macht wie aufgezeigt ja nun so einiges falsch, aber immerhin das Ende sitzt. The Embrace of the Sea von Ferry Kaupisch (der auch die Rahmenhandlung mitgefilmt und -geschnitten hat) heißt eigentlich Die Umarmung der See und es darf nun davon ausgegangen werden, dass wohl alle Titel ins Englische übersetzt wurden. Für eine internationale Auswertung vielleicht sinnvoll, aber die Dialoge in den meisten Filmen sind ja trotzdem auf Deutsch. The Embrace of the Sea kommt wie Silent Monitor ohne aus. Optisch wischt der Film mit dem ganzen Rest von German Horror Story den Boden auf. Das 4:3-Format hätte vielleicht nicht unbedingt sein müssen, das wunderschöne Schwarzweiß passt jedoch perfekt zur Geschichte. Insgesamt erfüllt es eher einen inszenatorischen Selbstzweck, aber das langsam inszenierte, von ominöser Musik begleitete Werk fühlt sich nicht deshalb vollkommen fehl am Platz in dieser Anthologie an, sondern weil es sich qualitativ massiv von den anderen Beiträgen abhebt.

Abgeschlossen wird die Rahmenhandlung mit einem netten kleinen Segment, in welchem ein paar verlorene Seelen Zuflucht vor dem Unwetter beim Erzähler suchen. Eine gute Möglichkeit für Brückner, einen seiner Gastauftritte zu absolvieren.

Credits

OT: „German Horror Story“
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: David Brückner, Johannes Schärfke, Daniel Flügger, Jan Chmel, Ezra Tsegaye, Shamila Lengsfeld, Kris Santa, Alois R. Knapps Torres, Costel Argesanu, Eric Klauß, Ferry Kaupisch
Drehbuch: David Brückner, Johannes Schärfke, Daniel Flügger, Jan Chmel, Tobias Reitbauer, Fritz Kamaryt, Ezra Tsegaye, Nicolás Artajo, Shamila Lengsfeld, Kris Santa, Markus Hülse, Kevin Santa, Alois R. Knapps Torres, Costel Argesanu, Ferry Kaupisch
Musik: Florian Linckus, Michael Messerli, Jan Chmel, Mirko Rizzello, Arkadius Sojka, Frank Schröter
Kamera: Ferry Kaupisch, Johannes Schärfke, Daniel Flügger, Thomas Raab, Malena Wolf, Jan Chmel, Ezra Tsegaye, Markus Hülse, Alois R. Knapps Torres, Costel Argesanu
Besetzung: Karsten Rybrandt, Eric Klauß, Larissa-Mariell Pearl Hoffmann, Felix Yuval Winternietz, Nadin Lucia, Dennis Klose, Tabea Jalila Heincz, Natalia Witmer, Nicolás Artajo, Daniel Mele, Thomas Kahler, Simone Geißler, Silviana Ursu, Maroc Albrecht, Kristina Schmidt, Marlen Kaupisch

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German Horror Story
Fazit
"German Horror Story" präsentiert zehn verschiedene Horrorfilme aus der deutschen Independentszene. Der letzte ist herausragend, vom Rest haben sicher drei bis vier ein paar gute Momente. Die Rahmenhandlung erfüllt ihren Zweck, hätte aber auch ein bisschen sauberer inszeniert werden können.
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