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Erzähl mir dein Morgen

„Erzähl mir dein Morgen“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Wie wollen wir in 15 Jahren leben, ganz individuell gefragt? Und welche Einflüsse haben heutige persönliche Entscheidungen darauf? Binden sie uns? Oder sind wir jederzeit völlig frei? Diese Gedanken machen sich Nico (Marlene-Sophie Haagen) und Lori (Ricarda Seifried), beste Freundinnen seit der Kindheit. Und das nicht nur, weil die freie TV-Journalistin Nico aus Berlin in die gemeinsame Heimat Tübingen zurückkehrt, um zusammen mit Lehrerin und Ex-Schauspielerin Lori einen dreitägigen Workshop für 15-jährige Schulkinder zu leiten. Thema: Wie stellt ihr euch euer Leben als 30-Jährige vor? Bei ihrem Aufenthalt in Tübingen – im schönen neuen Haus von Lori und ihrem Mann Vincent (Tamer Tahan) – möchte Nico auch über ihren Onkel Richard recherchieren, der mit Mitte 20 seinen eigenen Tod vortäuschte, um in Brasilien ein neues Leben zu beginnen. Darüber hinaus fragen sich Nico und Lori, wie es mit ihrer Freundschaft weitergeht im luftig-leichten, wie improvisiert wirkenden Spielfilmdebüt von Ella Cieslinski und Nina Wesemann (Co-Regie). Dafür gewannen die beiden beim Filmfest München den Förderpreis Neues Deutsches Kino in der Kategorie Regie. Ricarda Seifried wurde zudem als beste Schauspielerin der Reihe ausgezeichnet.

Freiheit kontra Sicherheit

Nachts im Freibad: Nico und Lori klettern über den Zaun, vermutlich so wie früher in den wilden jungen Jahren. Sie ziehen ihre Bahnen, später legt Lori ihren Kopf auf Nicos Oberschenkel. „Ich vermisse dich hier“, gesteht sie der Freundin. Die nächtliche Aktion passt eigentlich gut zu der noch immer unkonventionellen, ungebundenen Nico. Lori hingegen zieht eine gewisse Sicherheit vor. Sie gab die prekäre Schauspielerei zugunsten eines festen Einkommens auf, verschuldete sich gemeinsam mit ihrem Mann für den Umbau des ehemaligen Elternhauses und möchte ein Kind. Aber vielleicht stimmt das alles nicht, vielleicht hat die Ankunft Nicos bei Lori Wünsche wachgerüttelt, die in den letzten Jahren lediglich verschüttet waren.

Würde man nur die Geschichte von Nico und Lori erzählen, käme vielleicht eine klassische Dreiecksgeschichte heraus. Aber die beiden befreundeten Filmemacherinnen entschieden sich für eine komplexere, weniger dramatische und dafür essayistischere Form. Wie in einem Drei-Seiten-Spiegel schauen drei verknüpfte Erzählebenen einander an, reflektieren Motive, entwickeln sie weiter oder variieren sie. Während die Schüler recht konventionelle Vorstellungen von ihrer Zukunft haben – heiraten, Haus bauen, Kinder kriegen -, bildet Richards radikaler Bruch den extremen Gegenpol. In der Mitte stehen Lori und Nico, zwischen denen sich etwas anbahnt, was man nicht vorab verraten sollte.

Kleines Budget, große Freiheit

Unübersehbar sind in den sommerlich aufgeladenen Bildern nicht nur die Begrenzungen eines knappen Budgets – die Nachwuchsregisseurinnen verzichteten bewusst auf Filmförderung, um sofort mit ihrem Projekt loslegen zu können. Ebenso dominant ist der dokumentarische Look. Das hat Gründe. Der Workshop mit den Schüler*innen hat tatsächlich so stattgefunden, als „Lehrerinnen“ fungierten die beiden Schauspielerinnen, die das Ganze ohne fremde Hilfe leiteten. Und: Richards Geschichte ist tatsächlich so passiert. Es handelt sich um den Onkel von Regisseurin Ella Cieslinski. Nur die Freundschaftsebene ist fiktiv, wobei man nicht überrascht wäre, wenn in sie ebenfalls biografische Erfahrungen eingeflossen wären.

Trotz oder gerade wegen der knappen Mittel ist Erzähl mir dein Morgen ein schönes Beispiel dafür, wie man mit den heutigen digitalen Mitteln und einem kleinen Team einen Film ohne Kompromisse drehen kann. Das Debüt atmet selbst den Geist seiner Thematik. Es fühlt sich frei, unterschiedliche Dinge auszuprobieren, ohne sich festlegen zu müssen. Es sprüht vor Erzählfreude, scheut aber mit guten Gründen vor den ausgefahrenen Schienen des narrativen Kinos zurück. Stattdessen lässt es sich auf das Unabgeschlossene, nicht Ausbuchstabierte ein und fordert damit die Fantasie des Publikums heraus. Und, das ist das Wichtigste: Die beiden Debütantinnen vertrauen ganz auf die eigene Intuition, auf das eigene, persönliche Erleben. Schon allein dadurch – und nicht nur durch die von vornherein universelle Thematik – laden sie dazu ein, über eigene Haltungen zu Lebensentwürfen, einschneidenden Entscheidungen und zur Balance zwischen Freiheit und Sicherheit nachzudenken.

Credits

OT: „Erzähl mir dein Morgen“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Ella Cieslinski, Nina Wesemann
Drehbuch: Ella Cieslinski, Nina Wesemann
Kamera: Nina Wesemann
Besetzung: Marlene-Sophie Haagen, Ricarda Seifried, Tamer Tahan, Hans Löw, Eva Löbau

Trailer

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Erzähl mir dein Morgen
fazit
„Erzähl mir dein Morgen“ handelt von zwei besten Sandkastenfreundinnen, die nun weit entfernt leben und sich für einen gemeinsamen Workshop wiedersehen, den sie für Schulkinder veranstalten. Der Filmtitel ist Programm für die Regisseurinnen Ella Cieslinski und Nina Wesemann. Nicht nur die 15-Jährigen sind eingeladen, über ihr Leben nachzudenken, sondern auch die beiden jungen Protagonistinnen. Und nicht zuletzt das Publikum.
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