© Rebellion Developments, Liberty Films
Rogue Trooper
„Rogue Trooper“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Seit Ewigkeiten schon kämpfen auf dem Planeten Nu-Earth die verfeindeten Armeen der Norts und der Southers gegeneinander. Warum, das weiß eigentlich niemand mehr so wirklich. Dafür sind die Auseinandersetzungen umso erbitterter. Das liegt auch daran, dass die Kämpfer dank technologischer Fortschritte sehr austauschbar geworden sind. Das Bewusstsein der Menschen ist auf kleinen Chips gespeichert, die sich problemlos woanders einsetzen lassen. Solange man dafür sorgt, dass diesen Chips nichts geschieht, können also Soldaten nach Belieben reproduziert werden. Das klingt jedoch einfacher, als es am Ende ist. Diese Erfahrung muss zumindest Rogue Trooper machen, als er und seine Einheit in einen Hinterhalt geraten, der nahezu die gesamte Truppe auslöscht. Es gelingt ihm noch, die Chips dreier schwer verwundeter Kameraden in seine Ausrüstung zu integrieren. Doch wie soll es jetzt weitergehen, allein in dieser feindlichen Welt?

Kuck mal, wer da spricht!

Rogue Trooper ist einer dieser Filme, bei denen erste Eindrücke trügen können. Das fängt schon bei dem sehr generischen Titel an, der sich nach einem einfallslosen B-Movie anhört. Und auch das Promobild, mit dem der Film zur Weltpremiere in Annecy 2026 beworben wurde, ist nicht ganz glücklich gewählt. Zu sehen ist darauf ein Mann mit Helm und blauer Haut, der vor einem kaum definierten Hintergrund steht. Bei einem Festival, das auf Animationsfilme spezialisiert ist und sich daher noch etwas stärker über die Optik definiert, ist das zu wenig, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Das Szenario macht auch nicht wirklich neugierig, klingt ein bisschen nach Mickey 17. Nur eben als Actionvariante. Kann man natürlich machen. Muss man aber nicht.

Doch diese austauschbare Anmutung ist eben ein Irrtum, wie einem mit der Zeit klar wird. Die Adaption des gleichnamigen, bereits 1981 veröffentlichten Comics von Gerry Finley-Day und Dave Gibbons hat dann doch noch einige Ideen, die selbst Jahrzehnte später ungewöhnlich sind. Eine davon ist, dass das Bewusstsein der quasi gefallenen Kameraden in Gegenstände eingesetzt wird, die dadurch ein Eigenleben haben. Genauer sind es ein Helm, eine Schusswaffe und eine Art Tornister, die in Rogue Trooper zum Leben erwachen und sich einbringen. Das tun sie nicht nur in der Funktion, die diese Gegenstände haben, also etwa beim Schießen auf den Feind. Sie quasseln auch ziemlich viel. Manchmal kommentieren sie die aktuelle Lage, zeigen sich also produktiv. Oft wird aber vielmehr miteinander gestritten oder werden die anderen aufgezogen. Nur weil man kein Mensch ist, kann man schließlich gehässig sein.

Ein ganz eigener Charme

Das Ergebnis ist erstaunlich lustig, so wie der Film insgesamt ziemlich stark auf Komik setzt. Diese zeigt sich nicht nur in den angesprochenen Auseinandersetzungen innerhalb des Quasi-Ein-Mann-Teams. Unterwegs lernen wir noch andere Figuren kennen, die oftmals überzeichnet sind – typische Comics eben. Zu viel sollte man im Vorfeld besser nicht über diese erfahren, da der Film von seinen WTF-Momenten lebt. Zu den Höhepunkten gehören aber zwei skrupellose Opportunisten sowie ein Gegenspieler, der eine besondere musikalische Vorliebe pflegt. Denn auch das gehört zu den Besonderheiten von Rogue Trooper: Die musikalische Auswahl ist schon eigenwillig, wenn ein futuristisches Szenario auf Oldies trifft, die einer ganz anderen Zeit entnommen wurden. Das passt alles überhaupt nicht zusammen und trägt damit zu dem ganz eigenen Charme dieses Films bei.

Visuell ist das in einer Mischung aus Motion Capturing und Computerspielgrafik entstandene Animationsabenteuer ebenfalls eigen geworden. Warum man nicht eine Live-Action-Version aus dem Stoff gemacht hat, wird nicht ganz klar. Denn wenn man schon einen Animationsfilm daraus macht, hätte man gern noch stärker alles übertreiben dürfen. Dafür gibt es immer mal wieder stimmungsvolle Settings, die sehr unwirklich ausgefallen sind. An manchen Stellen werden zudem Themen angesprochen, über die man ein wenig länger nachdenken darf, etwa wenn es um Krieg geht oder die Entwertung des Konzepts Leben. Man kann sich aber auch einfach zurücklehnen und Spaß haben. Regisseur und Drehbuchautor Duncan Jones (Moon, Source Code) hat mit seinem Langzeitprojekt Rogue Trooper ein ebenso unerwartetes wie unterhaltsames Comeback vorgelegt, das tatsächlich Lust auf weitere Teile macht.

Credits

OT: „Rogue Trooper“
Land: UK
Jahr: 2026
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Duncan Jones
Vorlage: Gerry Finley-Day, Dave Gibbons
Musik: Bear McCreary
Kamera: Dan Atherton
Besetzung: Aneurin Barnard, Hayley Atwell, Sean Bean, Matt Berry, Jemaine Clement, Jack Lowden, Daryl McCormack, Reece Shearsmith

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In „Rogue Trooper“ muss ein Soldatenklon mit seiner bewussten Ausrüstung auf einem fremden Planeten ums Überleben kämpfen. Das Ergebnis ist überraschend komisch und geht audiovisuell unerwartete Wege. Der Spaßfaktor ist hoch, selbst wenn die Indieproduktion anfangs generisch wirkt.
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