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Resurrection

„Resurrection“ // Deutschland-Start: 25. Juni 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

In der Zukunft ist die Lebenszeit jedes Einzelnen verlängert worden. Die Menschen haben dafür jedoch einen hohen Preis bezahlt: Sie haben aufgehört zu träumen. Eine Frau (Shu Qi) macht sich auf die Suche nach dem Fantasmer (Jackson Yee), einem geheimnisvollen Wesen, das sich in Filmen versteckt und als Letzter noch träumen darf. Indem sie ihn genauer studiert, versucht sie zu verstehen, warum die Menschen in der Vergangenheit so leidenschaftlich gerne geträumt haben. Dabei entdeckt sie im Kopf der Kreatur einen Filmprojektor, der ihr Einblicke in die verschiedenen Stationen des Lebens des Fantasmers gewährt.

Zunächst erfährt sie von Qiu (Yee), dem Assistenten eines Musikers, der vom Geheimdienst gejagt wird. Im Gepäck hat er einen Koffer, in dem ein Kommandant (Mark Chao) einen Geheimcode vermutet, der sich als Komposition tarnt.

Im zweiten Traum ist der Fantasmer ein ehemaliger Mönch, der eine Gruppe Plünderer in ein verlassenes Kloster führt. Als diese ihn dort zurücklassen, scheint eine der vielen Buddha-Statuen mit ihm zu sprechen und ihm dabei zu helfen, einen schmerzenden Zahn zu behandeln. Die Linderung seiner Zahnschmerzen wird für den Mann zu einer Begegnung mit der eigenen Vergangenheit und einer Möglichkeit, sich von seinen Sünden zu befreien.

Die vorletzte Episode handelt von einem Trickbetrüger (Yee). Gemeinsam mit einem Waisenmädchen will er sich gegenüber einem Gangsterboss als Medium ausgeben und so an dessen Geld kommen. Das Versprechen, das ihm das Mädchen im Gegenzug abnimmt, droht ihm jedoch ebenso zum Verhängnis zu werden wie seine eigene Gier.

Zum Schluss erleben wir die Geschichte Apollos (Yee), der am Silvesterabend 1999 die schöne Tai (Li Gengxi) kennenlernt und sich in sie verliebt. Er folgt ihr durch die Nacht und in die Unterwelt der Stadt, wo er schließlich auf den Gangster Mr. Luo (Huang Jue) trifft. Auch dieser hat ein Auge auf die junge Frau geworfen und duldet keine Nebenbuhler.

Räume der Erinnerung

In den Filmen des chinesischen Regisseurs Bi Gan ist Andrei Tarkovskys Konzept des Kinos als „versiegelte Zeit“ lebendig geworden. Schon seine bisherigen Werke wie Kaili Blues oder Long Day’s Journey Into the Night definierten das Kino als Raum der Erinnerung – sowohl der kollektiven als auch der persönlichen. Sein neuer Film Resurrection bildet keine Ausnahme. Er geht sogar noch einen Schritt weiter, denn er ist zugleich ein Spiegel der Geschichte des modernen Chinas. Wie schon bei Long Day’s Journey Into the Night geht es Bi Gan dabei weniger um konkrete Ereignisse oder ein Panorama der Gesellschaft. Vielmehr interessiert ihn, wie die Atmosphäre einer Zeit die Menschen geprägt hat – ihre Emotionen ebenso wie ihre Beziehungen zueinander. Resurrection ist dabei, wie auch seine anderen Werke, in erster Linie eine Reise durch Träume und Erinnerungen sowie durch die verschiedenen Spielarten des Kinos selbst.

Man mag Bi Gan vorhalten, dass auch Resurrection eher eine filmische Chiffre als eine klassische Erzählung ist. Dass der Regisseur das Indirekte dem Konkreten vorzieht, ist zwar korrekt, soll jedoch keineswegs bedeuten, dass sein Werk hermetisch ist. Vielmehr verbindet er die persönlichen Schicksale seiner Figuren und deren Emotionen mit Räumen der Erinnerung und symbolischen Bildern. Der mächtige Gangster wirkt plötzlich gar nicht mehr furchteinflößend, wenn er den Brief seiner verschwundenen Tochter in den Händen hält. Der Assistent des Musikers lebt in der Erinnerung an die unsterbliche Musik seines Mentors – ein Moment, der für ihn so intensiv war, dass er ihn wie einen Schatz tief in seinem Herzen verschlossen hat. Für den ehemaligen Mönch wird die Rückkehr an seine frühere Wirkungsstätte zur Initialzündung einer Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie, insbesondere mit der schwierigen Beziehung zu seinem Vater. Bi Gan findet schöne, aber oftmals auch sehr brutale Bilder für Themen wie Überwachung, Paranoia, Spiritualität und die Öffnung Chinas gegenüber dem Westen. Er sieht Chancen und Konflikte, das Ende alter Lebensentwürfe und zugleich den Schimmer einer neuen Hoffnung.

Rausch der Bilder

Das Kino bringt diese vergessenen, aber nach wie vor präsenten Erinnerungen zurück. Doch es rezitiert nicht bloß Vergangenes – es verändert es und bringt neue Zusammenhänge ans Licht. Entsprechend vielfältig sind die ästhetischen und narrativen Formen, die Bi Gan in Resurrection wählt. Während die erste Episode wie ein Thriller anmutet, besitzt die letzte Horrorelemente und zugleich sehr romantische Züge. Der Traum im Kloster wirkt wie ein Familiendrama, während der dritte Traum mit dem Trickbetrüger wie eine Mischung aus Gangsterfilm und modernem Märchen erscheint. Jede Episode entwickelt ihren eigenen Sog durch ihre Bilder, ihre Figuren und ihre Musik. Die traumhafte Struktur wird zum Fundament einer Auseinandersetzung mit verschiedenen Zeiten, Figuren und Stimmungen, die wie ein Rausch am Zuschauer vorüberziehen.

Credits
OT: Kuangye Shidai
Land: China, Frankreich
Jahr: 2025
Regie: Bi Gan
Drehbuch: Bi Gan, Zhai Xiaohui
Kamera: Dong Jingsong
Musik: M83
Besetzung: Jackson Yee, Shu Qi, Mark Chao, Li Gengxi, Huang Jue, Chen Yongzhong

Bilder

Trailer

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Resurrection
fazit
"Resurrection" ist eine Traum- und Zeitreise durch die Geschichte des modernen Chinas. Regisseur Bi Gan eröffnet seinem Publikum neue Perspektiven auf kollektive Erfahrungen und darauf, wie diese den Menschen, seine Welt und seine Beziehungen prägen. Ästhetisch wie erzählerisch wirkt "Resurrection" wie ein hypnotischer Rausch.
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