
Vier kleine Geschichten von zwei verschiedenen Autoren rund um das Thema „Rendezvous der Damen“ behandelte dieser erstmals 1983 ausgestrahlte Fernsehfilm von Regie-Legende Alfred Vohrer. Im Gegensatz zu vergleichbaren Fernsehfilmen steht hier nicht ein einzelner Star in unterschiedlichen Rollen im Mittelpunkt, sondern ganz unterschiedliche Schauspielerinnen. Dr. Schwarze (Luitgard Im) war die kompetente Lehrerin von Josef Kergels (Manfred Krug) mittlerweile erwachsenem Sohn. Nun wendet sich der Vater mit einem Problem an die Pädagogin. Robert Kirchheim (Torsten Sense) schmeißt die musikalische Aufnahmeprüfung am Konservatorium hin und begegnet in seiner Studentenwohnung kurz darauf der greisen Hanna (Erika von Thellmann). Frau Weber (Andrea Jonasson) hat eine Zeitungsannonce aufgegeben, um wieder einen neuen Mann zu finden. Davon erzählt sie ihrem Nachbarn, dem ebenfalls geschiedenen Dr. Bergmann (Hansjörg Felmy). Frau Posser (Brigitte Horney) hat Geburtstag, aber ihre Familie keine Zeit, sie im Altenheim zu besuchen. So bestellt sich die rüstige Seniorin mittels Zeitungsinserat einen Kavalier (Peter Fricke) ins Haus. Weibliche Raffinesse Drehbuchautor Herbert Reinecker (1914-2007) schätzt man auch heute noch als einen der produktivsten und vielseitigsten deutschen Schreiber, der insbesondere die deutsche Fernsehlandschaft mit seinen Arbeiten jahrzehntelang bestückte. Vor allem seine Krimis dürften vielen noch in guter Erinnerung sein. Schließlich schrieb Reinecker in 24 Jahren alle 281 Folgen der Erfolgsserie Derrick mit Horst Tappert, hatte sich zuvor schon rund 100 Folgen für Erik Odes Straßenfeger Der Kommissar ausgedacht und schrieb am Ende seiner professionellen Laufbahn in den späten 1990er Jahren einige Episoden für den ZDF-Freitagskrimi Siska. Seit den 1950er Jahren hatte Reinecker schon Spannungsstoffe fürs deutsche Nachkriegskino ersonnen, besonders erfolgreich waren dabei auch einige seiner Beiträge zu den äußerst populären Jerry-Cotton- und Edgar-Wallace-Filmreihen. Gerne hatte er schon damals mit dem Regie-Routinier Alfred Vohrer zusammengearbeitet, der Filme wie Der Bucklige von Soho, Die blaue Hand oder Der Hund von Blackwood Castle mit leichter Hand und einer unnachahmlichen Prise Selbstironie in Szene zu setzen verstand. Reinecker und Vohrer setzten ihre erfolgreichen Kollaborationen dann auch fürs Fernsehen fort, wo die beiden insbesondere bei etlichen Derrick– und Das Traumschiff-Folgen wieder zusammenarbeiteten. 1982 verbuchte Herbert Reinecker mit dem ungewöhnlichen Fernsehformat Jakob und Adele mit Carlheinz Schroth und Brigitte Horney in den Titelrollen einen weiteren großen Erfolg. Die Reihe wurde bis zum Tod der beiden Hauptdarsteller fortgesetzt und brachte es am Ende auf elf Fernsehfilme. Alfred Vohrer war hier zwar nicht involviert (Hans-Jürgen Tögel inszenierte die meisten der Episoden), aber der nur kurze Zeit darauf entstandene Fernsehfilm Rendezvous der Damen geht zumindest teilweise in eine ähnliche Richtung. Denn der einstündige Episodenfilm, der sich mit vier ungewöhnlichen Frauenfiguren auseinandersetzt, rückt mit den von Horney und Erika von Thellmann gespielten Figuren auch reife Seniorinnen in den Mittelpunkt, die ansonsten in der deutschen Fernsehlandschaft zu diesem Zeitpunkt eher selten als Protagonistinnen eingesetzt wurden. Ausgerechnet die Episode mit Brigitte Horney stammt zwar aus der Feder von Claus Tinney (Forsthaus Falkenau, Eine Liebe auf Mallorca), aber die Intentionen dieses gesamten Episodenfilms sind mit denen der Jakob und Adele-Reihe durchaus vergleichbar und weisen auch in der Umsetzung Parallelen auf. Keine Frage des Alters Reinecker und Tinney singen hier ein lustig-charmantes Loblied auf das weibliche Geschlecht, ganz egal welchen Alters. Die vier zwischen zehn und siebzehn Minuten langen Kurzgeschichten handeln allesamt von weiblicher Raffinesse, und wie diese dazu eingesetzt wird, um Männern aus der Bredouille zu helfen – oder sie in die Bredouille zu bringen! Die ehemalige Lehrerin des Sohnes eines einfachen Arbeiters muss hier kurzfristig dafür herhalten, um dem Mann einen Knigge-Schnellkurs zu geben, eine ehemals gefeierte Konzertpianistin leistet Hilfestellung bei Lampenfieber und Versagensängsten, und eine alleinstehende Frau im besten Alter wendet einen psychologischen Trick an, um ihren interessanten geschiedenen Nachbarn im wahrsten Sinne des Wortes für sich zu gewinnen. Die vierte, von Claus Tinney geschriebene Episode „Der Kavalier“ fällt ein wenig aus dem Rahmen, weil die von Brigitte Horney gespielte Seniorin ein Stückweit undurchschaubar bleibt und man nie so genau sagen kann, wo bei ihr die Naivität aufhört und der Schalk im Nacken anfängt. Nicht nur deswegen ist diese Geschichte die unterhaltsamste, sondern dank des herrlich süffisanten Zusammenspiels zwischen Horney und Peter Fricke auch die tiefgründigste. Von Reineckers Geschichten ist sicherlich „Eine erstklassige Dame“ die gelungenste, weil auch Manfred Krug hier in nur wenigen Minuten eine Paraderolle entfalten darf, die auch wunderbar zu seinem öffentlichen Image (Liebling Kreuzberg etc.) passt. Die mittleren beiden Episoden sind im Vergleich etwas schwächer ausgefallen, weil sie relativ wenig zu erzählen haben oder man schon frühzeitig ahnt, auf was das Ganze hinauslaufen wird – das sind Heile-Welt-Geschichten fernab jeglicher Realität. Insgesamt ist Rendezvous der Damen auch heute noch einen Blick wert, erst recht, wenn man Fan der beteiligten Darsteller ist. Gleichzeitig ist man überrascht, wieviel im gesellschaftlichen Umgang sich seit den rund 40 Jahren seit Entstehung des Films gewandelt hat (Felmy zieht sich wieder das Jackett über, bevor er seine Wohnungstür öffnet, als es klingelt!). Insofern kann das Werk ein Stückweit auch als nostalgische Zeitkapsel einer längst vergangenen Ära angesehen werden. Pidax hat den 60-Minüter in passabler Bildqualität (im Vollbild 1,33:1) nun erstmals auf DVD veröffentlicht, auch der deutsche Originalton (in Dolby Digital 2.0) ist soweit in Ordnung. Es ist allerdings schade, dass man bei einem derart kurzen Film noch nicht einmal irgendwelche Extras aufgespielt hat. OT: „Rendezvous der Damen“ Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
Land: Deutschland
Jahr: 1983
Regie: Alfred Vohrer
Drehbuch: Herbert Reinecker, Claus Tinney
Kamera: Heinz Hölscher
Musik: Jürgen Knieper
Besetzung: Luitgard Im, Manfred Krug, Erika von Thellmann, Torsten Sense, Andrea Jonasson, Hansjörg Felmy, Brigitte Horney, Peter Fricke
(Anzeige)




