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Heute heißen alle Sorry

„Heute heißen alle Sorry“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Bianca (Lisa Vanhemelrijck) ist fast 13 und in ihrem Inneren brodelt es. Die Mutter (Laurence Roothooft) eröffnet ihr, dass der Papa (Greg Timmermans) und seine neue Partnerin sie schwierig finden. Sie hätten nichts dagegen, wenn sich Biancas Wochenendbesuche reduzieren. Bianca schweigt gewohnheitsmäßig und hat auch keine Lust, diesen heißen Sommernachmittag mit der Mutter, dem neunjährigen Bruder Alan (Lewis Hannes) und deren Besuch im Garten zu verbringen. Alans Freund Jazz (Lewis Gérard) aus dem Ferienlager ist mit seiner Mutter gekommen. Zu Biancas großer Überraschung handelt es sich aber um ihre Lieblingsschauspielerin Billie King (Sachli Gholamalizad) aus einer Seifenoper, die sie seit Jahren anschaut. Bianca genießt die Aufmerksamkeit, die ihr Billie King schenkt und möchte mehr aus sich herausgehen. Ihre Tagträume funken dazwischen und halten sie auf Trab.

Ein Besuch zur rechten Zeit

Pubertät ist, wenn die Eltern schwierig werden: So lautet der scherzhafte Spruch, der das Erleben leidgeprüfter Jugendlicher treffend ausdrückt. Der zweite Langfilm der belgischen Regisseurin Frederike Migom (Binti – Es gibt mich!) folgt ganz der Perspektive des Mädchens Bianca, das sich in seiner Familie wie eine Außenseiterin fühlt. Doch es genügt ein einziger Nachmittag, um für Bianca vieles zu verändern. Äußerlich passiert gar nicht viel, doch ihre Fantasien und Gedanken geraten gründlich in Bewegung. Der Spielfilm, der auf der Berlinale 2026 in der Sektion Generation Kplus seine Weltpremiere feierte, basiert auf einem Jugendbuch des belgischen Schriftstellers Bart Moeyaert. Es erschien 2020 auch in einer deutschen Übersetzung mit dem Titel „Bianca“.

Lisa Vanhemelrijck spielt Bianca großartig als sensible, nachdenkliche Person. Ihr staunender, nach innen gekehrter Blick spricht Bände und schürt die Neugier auf all das, was gerade in ihr vorgeht. Das Kinder-Medien-Festival Goldener Spatz kürte Vanhemelrijck für diese Rolle zur besten Darstellerin. Außer der Pubertät machen Bianca durchaus noch andere Dinge zu schaffen. Früher sah sie sich mit dem Papa immer die Soap „Hier bei uns“ über die Friseurin Ilona an, aber er lebt nicht mehr hier und mit seiner neuen Partnerin fremdelt Bianca. Die Mutter bemüht sich zwar um sie, wirkt aber oft gestresst. Sie kümmert sich viel um den jüngeren Sohn, der eine Herzschwäche hat. An diesem Nachmittag kommt es wieder zu einer dramatischen Situation, in der Bianca egoistisch handelt. Aber sie beginnt auch, mit dem Bruder und der Mutter mitzufühlen und sie besser zu verstehen.

Aufgewühlt und fantasiebegabt

Von Selbstzweifeln und Unsicherheit geplagt, reagiert Bianca sehr dünnhäutig. Natürlich ist es ihr auch peinlich, wenn sich die Mutter darüber bei der Besucherin Billie King beklagt. Bianca will der Schauspielerin, die sie so mag, zeigen, wie sie die Hühner der Nachbarn mit Regenwürmern füttert. Sofort meldet sich ihre innere Stimme, um sie herunterzuziehen: Billie King denke jetzt bestimmt, „dieses Mädchen ist nichts Besonderes.“ Als Ich-Erzählerin gibt die Hauptfigur solche aufschlussreichen Informationen über ihren emotionalen Aufruhr. Oft wandern Biancas Gedanken auch in die geliebte Fernsehserie ab, die dann im Bild erscheint. Kann sie ihr helfen, sich in der Realität zu orientieren?

Das Originellste an diesem einfühlsamen und zugleich humorvollen Film ist, wie sich Biancas Fantasien oft ins Geschehen schieben, ihm einen alternativen Verlauf verpassen und sich dann plötzlich wieder in Luft auflösen. Manchmal diktieren Biancas Ängste ihre Vorstellungen, zum Beispiel dass Billie King wütend schreit, sie habe nur eine Stunde gebraucht um zu erkennen, dass hier ein Haufen Chaoten hause. Folgen die Fantasien mehr Biancas Wünschen, sieht man sie sich im Wasser einer Gruppe Synchronschwimmerinnen nähern oder die Frauen im Garten mit selbstgemachten Cocktails zum Staunen bringen. Schönes und Schlimmes, Echtes und Geträumtes kann sich in Zeitlupe dehnen, während es sich Bianca emotional einprägt. Und immer wieder findet jemand einen Grund, „sorry“ zu sagen. Über sich und andere weniger hart zu urteilen, macht das Leben leichter.

Credits

OT: „Tegenwoordig heet iedereen Sorry“
Land: Belgien, Deutschland, Niederlande
Jahr: 2026
Regie: Frederike Migom
Drehbuch: Frederike Migom, Daniel Lambo
Vorlage: Bart Moeyaert
Musik: Freya Arde
Kamera: Esmoreit Lutters
Besetzung: Lisa Vanhemelrijck, Laurence Roothooft, Sachli Gholamalizad, Lewis Hannes, Lewis Gérard, Greg Timmermans

Trailer

Filmfeste

Berlinale 2026
Filmfest München 2026

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Heute heißen alle Sorry
fazit
Ein überraschender Besuch verhilft einem pubertierenden Mädchen aus der Isolation, in die es seine negativen Gedanken getrieben haben. Der Spielfilm der belgischen Regisseurin Frederike Migom überzeugt mit seiner herausragenden Hauptdarstellerin und einem guten Gespür für den inneren Aufruhr eines Menschen, der die Kindheit hinter sich lässt. Das eigentliche Abenteuer dieses Sommernachmittags spielt sich im Kopf der Hauptfigur ab und wird auf kreative Weise in Szene gesetzt.
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