
Bislang war das Leben von Helge eigentlich eher weniger aufregend, der Bankmanager erlebt einen Alltag, der von Routine geprägt ist. Das ändert sich schlagartig, als der Tresor seiner Bank geplündert wird und ausgerechnet Helge der Hauptverdächtige ist. Ihm bleibt daher nichts anderes übrig, als erst einmal die Flucht zu ergreifen und auf eigene Faust in der Sache zu ermitteln. Denn wenn er es nicht war, wer war es dann? Bei seiner Suche nach der Wahrheit erhält er unerwartete Hilfe, als er die Bekanntschaft von Dante macht, einer schlauen Ratte, die auf einem Schrottplatz lebt. Doch die Zeit drängt, denn die Polizei ist dem Bankangestellten bereits auf der Spur …
Thrillermotiv als Kinder-Animationsfilm
Das Szenario gehört fest zum Thrillergenre dazu: Die Hauptfigur wird eines Verbrechens beschuldigt, welches sie nicht begangen hat. Da ihr aber niemand glauben will und die Polizei auf der falschen Spur ist, muss der oder die Beschuldigte fliehen und selbst nach Beweisen suchen, was meistens mit der Suche nach den eigentlichen Hintermännern einhergeht. Ein bekanntes Beispiel hierfür Auf der Flucht, wo Harrison Ford in die Rolle des Geflüchteten schlüpfte. Kürzlich erschien die Serie Nur für dein Leben, die eine Variation des Motivs verwendet. Hier ist es ein Vater, dem vorgeworfen wird, den eigenen Sohn umgebracht zu haben. Ganz so brutal geht es bei Dante nicht zu, hier geht es schließlich „nur“ um Diebstahl. Und auch sonst weicht das hier immer wieder von dem Standard ab.
So richtet sich der Animationsfilm, der auf einem Buch von Frida Nilsson basiert, an ein junges Publikum. Düstere Szenen sucht man hier daher vergeblich. Dann und wann gibt es zwar schon mal brenzligere Momente, etwa wenn Helge kurz davorsteht, geschnappt zu werden und er nur in letzter Sekunde und unter großem Einsatz entkommen kann. Tatsächlich gefährlich wird es aber nicht. Auch der wahre Täter, den man in Dante erst später erfährt, ist nicht sonderlich bedrohlich geworden. Dass die beiden, also Helge und die Titelfigur, den Fall lösen werden, ist natürlich klar. So muss das sein. Man darf als Zuschauer bzw. Zuschauerin dabei schon ein wenig rätseln, wer es wirklich gewesen ist und was es mit all dem auf sich hat.
Sympathisch und amüsant
Einen komplexen Kriminalfall sollte man dennoch nicht erwarten. Die auf Animationsfilme für Kinder spezialisierte schwedische Regisseurin und Co-Autorin Linda Hambäck (Kommissar Gordon & Buffy, The Ape Star) setzt eher auf Humor als auf große Puzzlearbeit. Wenn sich die ungleichen Hauptfiguren zusammentun, um das Rätsel zu lösen, dann geschieht das nicht unbedingt sehr professionell, da beide ja nicht wirklich Ahnung von dem haben, was sie da tun. Sie machen eben das, was sie können. Zu einer Persiflage wird das Ganze dann zwar nicht, auch wenn sich das bei der Konstellation angeboten hätte. Man kann sich sogar darüber streiten, ob Dante eine Krimikomödie ist oder nicht. Anlass zum Schmunzeln gibt es aber mehr als genug.
Hinzu kommt die Optik. Natürlich ist die eher schlicht gehalten, wie man das bei einer kleineren europäischen Produktion erwarten kann. Nennenswerte Spezialeffekte gibt es nicht, die Animationen sind einfach. Den naheliegenden Vergleich mit Ratatouille sollte man erst gar nicht versuchen, trotz des Alters der Pixar-Produktion liegen da Welten dazwischen. Aber es ist schon alles nett anzusehen, die Designs sind witzig und zeigen auch mal Mut zur Hässlichkeit. Wie die anderen Filme von Hambäck ist Dante ein sympathischer Film, charmant und irgendwie wohltuend. Wer einen harmlosen Animationsfilm für den Nachwuchs sucht, macht hiermit nichts verkehrt. Aber auch ein erwachsenes Publikum kann seinen Spaß haben, wenn wir uns auf eine etwas andere Wahrheitssuche begeben.
OT: „Dante & miljonerna“
Land: Dänemark, Norwegen, Schweden
Jahr: 2026
Regie: Linda Hambäck
Drehbuch: Jessika Jankert, Linda Hambäck
Vorlage: Frida Nilsson
Musik: Martin Molin
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