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At the Lovehotel

„At the Lovehotel“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Kujo (Kouta Fuji) arbeitet als Rezeptionist in einem Lovehotel in Tokio. Da er unter Schlaflosigkeit leidet, übernimmt er meist die Nachtschichten, die er sich mit den beiden Zimmermädchen Hazuki (Sara Donoshita) und Lana (Georgiana Jette) teilt. Während Kujo die Trennung von seiner dreijährigen Tochter schwer zusetzt, lernt Lana in ihren Pausen für die Aufnahmeprüfung zur Krankenschwester und träumt davon, eines Tages ihre Familie in die japanische Hauptstadt nachzuholen. Hazuki hingegen muss sich beinahe täglich die Vorwürfe ihrer Mutter anhören, der das Lovehotel gehört. Diese kritisiert nicht nur ihre Arbeitseinstellung, sondern behält auch einen Teil ihres Lohns ein und drängt sie dazu, mehr aus ihrem Leben zu machen. Dabei ahnt niemand, dass die junge Frau unter einem Problem leidet, das es ihr unmöglich macht, einer gewöhnlichen Arbeit nachzugehen.

Als ihre Schicht beginnt, scheint es eine Nacht wie jede andere zu werden. Doch schon bald häufen sich die seltsamen und bizarren Vorfälle. Eine angetrunkene Frau macht Kujo für das Verschwinden ihrer Halskette verantwortlich, während ein von finanziellen Sorgen geplagter Popstar seinen Körper zum Verkauf anbietet. Obwohl Kujo und seine Kolleginnen versuchen, professionell mit den Vorkommnissen umzugehen, fällt ihnen dies zunehmend schwer – besonders als zwei von ihnen unvermittelt mit ihrer Vergangenheit konfrontiert werden.

Ein Mikrokosmos der Gesellschaft

Lovehotels sind das japanische Pendant zum Stundenhotel, in dem sich zwei (oder mehrere) Menschen zu einem heimlichen Schäferstündchen treffen. In den Augen vieler besitzen Lovehotels ein eher negatives Image, nicht jedoch für Regisseur Santa Ikegame, der selbst einmal in einem solchen gearbeitet hat. Seine Erlebnisse bilden daher das erzählerische Fundament seines ersten Spielfilms At the Lovehotel, der zuletzt auf der Nippon Connection 2026 zu sehen war. In Interviews zu seinem Film erklärt Ikegame, dass er mit Lovehotels nichts Anrüchiges oder gar Exotisches verbinde, sondern sie vielmehr als eine Art „Mikrokosmos der Gesellschaft“ betrachte, in dem sich Aspekte wie Vereinsamung, toxische Beziehungen, Ausbeutung und leider auch Gewalt widerspiegeln. Dementsprechend ist At the Lovehotel so etwas wie ein Querschnitt durch die japanische Gesellschaft, in dem sich Skurriles und Witziges mit Romantik und Drama verbinden.

Das Lovehotel ist ein Rückzugsort innerhalb der Gesellschaft, ein Ort des Geheimen, der Lust und schließlich auch ein Treffpunkt der Außenseiter. In Shinji Somais Love Hotel sind sie Orte der Romantik und Verzweiflung, während sie in Takashi Ishiis Angel Guts-Filmen zu Räumen werden, an denen man nicht nur seiner Lust freien Lauf lässt, sondern die Figuren auch neue Seiten ihrer Identität entdecken. Ikegames At the Lovehotel scheint einen Mittelweg zwischen diesen beiden Ansätzen zu gehen, was bereits die erste Einstellung verdeutlicht, die das Lovehotel inmitten der Großstadt zeigt. Es ist ein Gebäude wie jedes andere auch, das von außen noch nicht einmal besonders auffällt, aber kurioserweise für viele Menschen zu einer Art Sehnsuchtsort wird – sowohl für jene, die sich dort treffen, als auch für jene, die dort arbeiten. Von Sex bekommen wir als Zuschauer – genauso wie die Angestellten – im Grunde recht wenig zu sehen oder zu hören, denn Ikegames Film konzentriert sich vielmehr auf die Motivationen der Menschen, denen wir dort begegnen: Einsamkeit, immense Geldsorgen oder Zwang. Die versprochene Freiheit lässt sich auch hier nur in kleinen Dosen erleben, denn den Bedingungen, die einen in das Lovehotel geführt haben, kann man letztlich nicht entkommen – egal, ob es sich dabei um die Schuldeneintreiber der Yakuza oder um das Trauma einer gewalttätigen Beziehung handelt, das einem sogar bis hierhin folgt.

Nähe, Liebe und Ausbeutung

Noch interessanter als die Hotelgäste sind die Angestellten eines Lovehotels. In seinem Film versammelt Ikegame ein Ensemble von Figuren, die auf ihre Weise zu jenen gehören, die in der Welt außerhalb des Hotels keinen Platz mehr zu finden scheinen. Aufgrund seiner Trennung befindet sich Kujos Leben in einer Sackgasse, aus der er aus eigener Kraft nicht mehr herauszufinden scheint. Obwohl seine Ex-Frau ihm mitteilt, sie werde bald nach Kanada ziehen und er werde sie und seine Tochter wohl auf lange Zeit nicht wiedersehen, hält er an der Vorstellung fest, noch eine Chance zu haben. Die Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für das dreijährige Mädchen wird für ihn zu weit mehr als einer bloßen Besorgung, denn sie entscheidet darüber, ob er sich weiterhin als guter Vater begreifen kann.

Hazuki wird von ihrer Mutter ausgebeutet, und das Verhältnis zwischen den beiden ist toxisch, geprägt von Schuldgefühlen, Angst und einer konfusen Vermischung ihrer Rolle als Tochter und Angestellte. Hinzu kommt ihr Trauma, über das sie mit niemandem sprechen möchte, was sie – ebenso wie Kujo – scheinbar als wenig „überlebensfähig“ in der Welt außerhalb des Hotels erscheinen lässt.

Der wahrscheinlich interessanteste Charakter ist jedoch die von Georgiana Jette gespielte Lana, die versucht, sich zu integrieren, Geld zu verdienen und ihre Familie in die neue Heimat nachzuholen. Abgesehen von der überzeugenden schauspielerischen Leistung ist sie mit Abstand auch die am besten geschriebene Figur des Films. Lana wirkt beinahe vollkommen selbstlos, stellt sich jedoch mit ihrem stillen Charisma gegen jene Unsichtbarkeit, zu der sie die Gesellschaft verdammt hat. Ebenso wie ihre Kollegen wird auch sie ausgebeutet, unterdrückt und arbeitet im Hintergrund, während die Gäste lediglich das gereinigte Zimmer sehen. Das Lovehotel wird für die einen zu einer Zwischenstation ihres Lebens, für die anderen hingegen zu einer Sackgasse, die den Stillstand im eigenen Leben versinnbildlicht.

Credits
OT: At the Lovehotel
Land:
Japan
Jahr:
2026
Regie:
Santa Ikegame
Drehbuch: Santa Ikegame
Kamera: Yoichi Umeki
Musik: Yohei Kobayashi
Besetzung: Kota Fuji, Sara Donoshita, Alan Abe, Takenori Goto, Noriko Iriyama, Giorgiana Jette

Bilder

Trailer

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At the Lovehotel
fazit
"At the Lovehotel" ist ein Drama, in dem sich Skurriles und Tragisches vereinen. Santa Ikegame erzählt von den Gästen und vor allem den Angestellten eines japanischen Lovehotels und versucht sich an einem Panorama der japanischen Gesellschaft, ihrer Ängste und Sehnsüchte, wobei manche Figuren deutlich stärker ausgearbeitet sind als andere.
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