Vier minus drei
Valerie Pachner und Robert Stadlober in der ROmanadaption "Vier minus eins" (© Alamode Film / Polyfilm / Nikolett Kustos)

Robert Stadlober [Interview 2026]

Zur Premiere von Vier minus Drei (Kinostart: 16. April 2026) in der Panorama-Sektion der Berlinale treffen wir Robert Stadlober zum Gespräch. Er gibt Einblicke in die Herausforderung, eine reale Person im Kontext einer zutiefst tragischen Geschichte zu verkörpern, und spricht über die feine Balance zwischen Trauer, Humor und Hoffnung, sowie über die besondere Ausdruckskraft der Clownerie.

Wie bist du auf dieses Projekt aufmerksam geworden und wie lief der Casting Prozess ab? 

Ich kannte den Roman bereits, weil ich aus der Gegend komme. Dass daraus ein Film wird, hat mir dann irgendwann Adrian Goiginger gesagt. Vor zwei oder drei Jahren hat er mich angeschrieben und gefragt, ob ich ein Drehbuch lesen wollen würde. Ich habe ja gesagt und dann hat er mir das geschickt. Ich war vollkommen hin und weg von dieser emotionalen Rohheit und Wahrheit in diesem Drehbuch, die das bisschen, was ich darüber wusste, eingefangen und total vergrößert hat.

Dann meinte Adrian, er würde mit mir gerne mal spazieren gehen. In Graz war die Diagonale, ein Filmfestival und dann sind wir auf den Schlossberg raufgelaufen. Er hat mir auf dem Weg alles erzählt, was er von der „Original-Barbara“ über ihr Leben und über Heli wusste. Als wir oben ankamen, habe ich alles versucht, Adrian davon zu überzeugen, dass ich mitspielen darf.

Wie du bereits erwähnt hast, handelt es sich um eine Romanverfilmung und um ein sehr persönliches Erlebnis der Autorin. Wie viel Respekt hat man dann im Vorfeld vor dieser Rolle? Du spielst ja ihren verstorbenen Mann, also eine echte Figur.

Ja, ich hatte da ziemliche Angst davor. Auf der Diagonale ein Jahr später wollte Adrian mit mir frühstücken gehen, um mir zu sagen, wie weit er mit dem Projekt gekommen ist. Dann bin ich in ein Kaffeehaus in Graz und da saß eine Frau und das war dann die echte Barbara. Dann saßen wir da beim Frühstück und sie hat angefangen zu erzählen. Es war nicht viel, aber sie hat so eine plastische, begreifbare Liebe zu diesem Menschen gehabt, dass ich das Gefühl hatte, dass Heli mit uns im Raum war. Sie hat ihn dann auch tatsächlich am Tisch auf eine Art gefragt, ob es okay ist, dass es jetzt einen Film über sie gibt und dass ich ihn spiele. Sie war der Meinung, dass er einverstanden ist. Das hört sich jetzt alles total quatschig an, aber ich habe das nicht als absurd wahrgenommen.

Relativ kurz danach habe ich Videoschnipsel von ein paar seiner Auftritte bekommen. Es gibt ein paar aus den frühen 2000ern. Wenn man sich mit Clownerie beschäftigt, dann liegt darin die Essenz dieser Person. Der Clown, den man in sich finden muss, ist die Überhöhung der eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten. Diese Ballonszene aus dem Film gibt es ziemlich ausführlich von ihm. Das war dann mein allererster Drehtag. Ich hatte einen Tag lang Zeit auf dieser Bühne zu Proben und dann musste ich das machen. Und auch da war es wieder so, dass überraschend Barbara da war und im Publikum saß. Nachdem ich das gespielt habe, hat sie mich in den Arm genommen und Danke gesagt. Dann wusste ich, dass ich den Heli gefunden habe und konnte weiter in den Film eintauchen.

War die Idee trotzdem, möglichst nah an ihrem Mann zu sein? Oder eher eine Hommage? Wie sehr konntest du dich selbst einbringen?

Genau, es gibt außer ihr niemanden, der beurteilen könnte, ob es jetzt er ist. Und selbst ich weiß nicht, ob ich beurteilen könnte, wenn jemand meine Frau spielt, ob das wirklich ihre Essenz ist. Es war ziemlich schnell klar, dass wir die Geschichte einer Liebe und eines Lebens erzählen wollen. Die Kraft, die aus dieser Liebe entsteht und durch diese Barbara den Tod überwinden kann. Meine Aufgabe war, eine Figur zu verkörpern, die eine Sehnsucht nach Poesie in jedem Moment des Lebens hat, sowohl in den dunklen wie auch in den hellen Momenten.

Und das über die Kunst der Clownerie. Diese Sehnsucht, diese Essenz seiner künstlerischen Suche und dieses positiven, anarchischen Charakters, der versucht, aus jeder kleinen Alltagssituation noch einen letzten Grinser herauszuziehen, das hat ihn ausgezeichnet. Das habe ich versucht, nicht nur als Rolle, sondern auch in meinem eigenen Leben. Das hat mir geholfen, Dinge leichter zu sehen.

Ist das etwas, was du dir auch für das Publikum wünschst? Humor als Möglichkeit mit Trauer umzugehen?

Ja, das würde ich mir sehr wünschen. Das Lebensbejahende an dem Film ist genau das: Man sieht, wie schnell alles vorbei sein kann, weil man selbst oder jemand, den man liebt, nicht mehr da ist. Deswegen ist alles, auch wenn es noch sei klein ist, etwas Unglaubliches, weil alles ein Ende hat. Für die einen kommt es früher, für die anderen später. Deswegen genieße jeden Stolperer im Leben, vielleicht stolperst du nie wieder.

Du hast die Clownerie schon angesprochen. War das das erste Mal, dass du damit konfrontiert warst?

Ja, ich war ja auf keiner Schauspielschule. Da gibt es Leute, die Clownsunterricht hatten. Ich kannte Clowns nur aus dem Zirkus und fand die immer gut. Es gibt ja auch Leute, die Angst vor Clowns haben, aber ich fand gute Clowns immer toll. Vor allem diese alternative Zirkusbewegung der 70er und 80er Jahre, wie zum Beispiel Zirkus Roncalli, diese Suche nach poetischen Wahrheiten im Humor. Das war der Versuch. Das war auch der Weg von Heli. Er war kein klassischer Clown, sondern hatte die Sehnsucht, eine höhere poetische Wahrheit in der Welt zu finden.

Ich wusste, was er gelesen hat, und habe das auch gelesen, um mich daran zu orientieren. Ich habe nicht versucht, ein Clown zu sein, sondern meinen eigenen Clown zu finden. Das hat Valerie Pachner genauso gemacht. Wir haben unsere Clowns gesucht. Das war eine total aufregende Reise, die ich sehr alleine gemacht habe. Wir hatten jemanden, der lange bei Roncalli Clown war, ein Franzose. Der hat immer gesagt: Ich kann dir nicht sagen, ob das richtig ist, ich kann dir nur sagen, wie ich es finde. Adrian hat uns die Freiheit gegeben, das selbst zu finden, und das Vertrauen, dass wir es schaffen.



(Anzeige)