Power To The People: John & Yoko Live in NYC
© Yoko Ono Lennon

Power To The People: John & Yoko Live in NYC

Power To The People: John & Yoko Live in NYC
„Power To The People: John & Yoko Live in NYC“ // Deutschland-Start: 29. April 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

New York, August 1972. Der Big Apple ist dreckig, laut, politisch aufgeladen. Mittendrin: ein Ex-Beatle, der seine Rolle neu justiert – zwischen stilisiertem Army-Hemd, Gitarrengurt und Aktivismus. Die One-to-One-Konzerte im Madison Square Garden sind keine bloße Rückkehr auf die Bühne, sondern ein wütendes, liebevolles und entschieden wohltätiges Statement gegen die Zustände in der Willowbrook State School, einer staatlich finanzierten Einrichtung für Kinder und Erwachsene mit geistigen Behinderungen, die zum Synonym für institutionelle Vernachlässigung und medizinische Misshandlung geworden war. 

Restauriertes Konzerterlebnis 

Mit Power To The People: John & Yoko Live in NYC kommt dieses Ereignis nun in restaurierter Form ins Kino – und erweist sich als weit mehr als eine nostalgische Wiederverwertung. Der Film holt einen Moment zurück, in dem Pop noch den Anspruch hatte, gesellschaftlich wirksam zu sein: mit Songs, mit Haltung, mit ganz konkreter Hilfe. 

Regisseur Simon Hilton und Produzent Sean Ono Lennon setzen dabei nicht auf glatte Perfektion, sondern auf kluge Wiederbelebung. Das Bildmaterial wurde aufwendig gereinigt, ohne seine Herkunft zu verleugnen. Die körnige Ästhetik bleibt erhalten – und mit ihr eine fast haptische Qualität: Man meint, den Zigarettenrauch zu riechen, die Hitze zu spüren, die Atmosphäre des Madison Square Garden zu atmen. Diese Patina ist kein Mangel, sondern ein Versprechen von Nähe. 

Optik und Akustik überzeugen

Der eigentliche Kunstgriff liegt jedoch in der Form. Das Cinemascope-Bild wird immer wieder aufgebrochen, in mehrere Panels geteilt, die verschiedene Perspektiven gleichzeitig zeigen: Bühne und Publikum, Totale und Detail, Ekstase und Konzentration. Was leicht wie eine Spielerei wirken könnte, entfaltet eine erstaunliche Dynamik. Der Film gewinnt Raum, Tiefe – und eine Gegenwärtigkeit, die man klassischen Konzertmitschnitten selten zuschreibt. 

Dass das funktioniert, liegt auch am ursprünglichen Multikamera-Dreh von Steve Gebhardt, dessen Material hier erstmals wirklich ausgeschöpft wird. Die Montage macht daraus keine bloße Dokumentation, sondern eine rhythmische, fast dialogische Erfahrung. Man schaut nicht nur zu – man ist mittendrin. 

Auch klanglich überzeugt die Restaurierung. Die Songs haben Druck, Präsenz, eine unmittelbare Dringlichkeit. Wenn John Lennon Imagine, Instant Karma oder Mother spielt, dann ist das weniger Rückblick als erneute Setzung. Selbst Come Together wirkt hier nicht wie ein Echo der Beatles, sondern wie eine bewusste Fortschreibung. 

Yoko Onos Rolle 

Besonders bemerkenswert ist dabei die Neubewertung von Yoko Ono. Frühere Veröffentlichungen hatten ihren Anteil oft marginalisiert oder als exzentrische Fußnote behandelt. Diese Fassung korrigiert das spürbar. Onos Performances – etwa Don’t Worry Kyoko oder Open Your Box – sind roh, fordernd, bisweilen sperrig. Aber gerade darin liegt ihre Kraft. Sie erweitern das Konzert über klassische Rockstrukturen hinaus und machen deutlich, dass dieses Projekt nie ein Soloauftritt mit Begleitung war, sondern ein künstlerischer Dialog – manchmal harmonisch, manchmal konfrontativ. 

Ein Kind seiner Zeit 

Inhaltlich ist das alles unverkennbar ein Produkt seiner Zeit. Friedensbewegung, politischer Aktivismus, der Glaube an die transformative Kraft von Pop – der Film macht das in jeder Einstellung deutlich. Und doch wirkt er erstaunlich unpathetisch. Vielleicht, weil er nicht behauptet, dass die Welt durch ein Konzert verändern wird, jedoch zeigt, dass es zumindest versucht wurde. 

Das Finale mit Gästen wie Stevie Wonder und dem gemeinsamen Give Peace a Chance bündelt diese Energie noch einmal. Es ist ein Moment kollektiver Utopie – groß, vielleicht naiv, aber gerade deshalb berührend. 

Ein Kinoerlebnis 

Power To The People: John & Yoko Live in NYC ist damit weder bloßes Denkmal noch reine Nostalgie. Es ist eine lebendige Momentaufnahme, die Vergangenheit und Gegenwart ineinander schiebt. Ein Film, der zeigt, wie politisch, widersprüchlich und unmittelbar Pop einmal war – und vielleicht immer noch sein kann. 

Seine volle Wirkung entfaltet er im Kino: auf einer Leinwand, die den multiplen Blick zulässt, und mit einem Sound, der trägt. Zu Hause lässt sich das schwer reproduzieren. Aber vielleicht ist genau das der Punkt: Dieses über 50 Jahre alte Konzert sollte wieder als einmaliges Ereignis erfahren werden. 

Credits

OT:Power To The People: John & Yoko Live in NYC“
Land: UK
Jahr: 2026
Regie: Simon Hilton
Mitwirkende: John Lennon, Yoko Ono

Bilder

Trailer

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Power To The People: John & Yoko Live in NYC
fazit
"Power to the People: John und Yoko Live in NYC” ist ein kraftvoll restauriertes Zeitdokument, das mehr ist als Nostalgie: formal überraschend modern, politisch aufgeladen und künstlerisch neu ausbalanciert. Vor allem Yoko Ono erhält endlich den Raum, der ihr zusteht. Ein Konzertfilm, der Vergangenheit lebendig macht – und im Kino seine größte Wirkung entfaltet.
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