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Die Mutigen 56: Deutschlands längster Streik

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„Die Mutigen 56: Deutschlands längster Streik“ // Deutschland-Start: 1. Mai 2024 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Deutschland 1956: Als Alfred Freese (David Bredin) auf der Kieler Howaldtswerft krank zusammenbricht, ist seine Frau Emma (Anna Schimrigk) verzweifelt. Auf der einen Seite ist klar, dass er sich schonen müsste, um möglichst schnell wieder gesund zu werden. Doch das würde bedeuten, in der Zwischenzeit auf Lohn verzichten müssen, da es bei Arbeitern im Gegensatz zu den Angestellten keine Lohnfortzahlung gibt. Wer krankheitsbedingt ausfällt, erhält während der erste drei Tage nichts. Auch danach liegen die Zahlungen weit unter dem Lohn. Fest entschlossen, dass diese Situation sich bessern muss, beginnen die Arbeiter ihre Arbeit niederzulegen und für bessere Bedingungen zu streiken. Doch der Widerstand in Wirtschaft und Politik ist hoch …

Historischer Streit ums Geld

Dieses Jahr durfte man schon ein wenig an den ständigen Streiks verzweifeln. Ob es nun die Lokführer waren, der öffentliche Nahverkehr, die Postbank oder am Flughafen – über Monate hinweg hatte man das Gefühl, dass gerade immer irgendwas nicht geht. Dabei stand auch oft die Frage im Raum, ob die Forderungen und die Kämpfe angemessen sind. Diese Frage gewinnt noch einmal an Relevanz, wenn man sich Die Mutigen 56: Deutschlands längster Streik anschaut. Die dreiteilige ARD-Serie berichtet von einem historischen Streik, der die aktuellen Auseinandersetzungen bedeutungslos erscheinen lässt – sowohl im Hinblick auf deren Inhalt wie auch die Dauer. Ganze 114 Tage lang streikten die Beschäftigten der Metallindustrie. Dabei ging es vor allem auch um die sogenannte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Während Angestellte bei Krankheit weiterhin Geld erhielten, war dies bei den Arbeitern nicht der Fall.

Die Mutigen 56: Deutschlands längster Streik setzt dies in einer Mischung aus gespielten und dokumentarischen Szenen um. Für Ersteres ersann man eine Familie, die stellvertretend für die Menschen von damals steht. Anders als thematisch ähnliche Sozialdramen wie Streik, bei denen eben die Streikenden im Mittelpunkt standen, versucht sich die deutsche Produktion daran, den Arbeitskampf in einen größeren Kontext einzubauen. Wichtig war es dem Team, gerade auch den Frauen eine Stimme zu geben, die von dem Streik gleichermaßen betroffen waren. Und die eben auch einen Anteil daran hatten, diese epochale Veränderung im Arbeitsrecht durchzusetzen und eine große Ungerechtigkeit abzubauen. Wobei die Serie das auch zum Anlass nimmt, um Ungerechtigkeiten bei den Geschlechtern anzusprechen. So will Tochter Gerda (Claire Wegener) einen Beruf erlernen, was dem Vater nicht schmeckt. Ganz so weit sollte das mit der Gleichberechtigung aller dann wohl doch nicht gehen.

Nichts Halbes und nichts Ganzes

An relevanten Themen mangelt es also nicht. So richtig interessant ist das Ergebnis dennoch nicht. Grundsätzlich ist es natürlich nicht verkehrt, mit einem Mix aus Fiktionalem und Dokumentarischem zu arbeiten. Vor allem dann, wenn es für eine reine Doku nicht genügend historische Aufnahmen gibt und man daher eine Alternative zur Bebilderung braucht. Allerdings sollten die fiktionalen Szenen dann aber auch wirklich etwas beitragen. Bei Die Mutigen 56: Deutschlands längster Streik ist es aber so, dass die Figuren offensichtlich bei dem Wunsch, Identifikationsfläche zu schaffen, derart austauschbar ausfallen, dass man auch die Namen gleich ganz hätte weglassen können. Schauspielerisch gibt es da zuweilen ebenfalls Mängel, wodurch das nicht natürlich genug wirkt, gerade bei einem Dokudrama.

Schlecht ist die Serie dadurch nicht. Der Verweis auf das Historische ist durchaus nützlich, um auch über heutige Gesellschaften zu sprechen. Gerade in Zeiten von allgegenwärtigen Fachkräftemängeln und dem Wunsch nach immer mehr Freizeit kann und muss darüber gesprochen werden, welche Bedeutung Arbeit hat sowie was einem als Arbeitnehmer zustehen sollte und was nicht. Um da wirklich etwas draus zu machen, hat Die Mutigen 56: Deutschlands längster Streik aber nicht genügend Substanz. Der Versuch der Gratwanderung aus Persönlichem und Historischem führt dazu, dass Grundsatzdiskussionen ausbleiben. Natürlich geht es auch ohne. Wer sich einfach nur an den bedeutenden Streik erinnern lassen will, bekommt das hier. Nur ist das in der Form eben nichts Halbes und nichts Ganzes.

Credits

OT: „Die Mutigen 56: Deutschlands längster Streik“
Land: Deutschland
Jahr: 2024
Regie: Ingo Helm, Dietrich Duppel, Sabine Bernardi
Drehbuch: Sabine Bernardi, Ingo Helm
Musik: Matthias Petsche
Kamera: Philipp Sichler
Besetzung: Anna Schimrigk, David Bredin, Claire Wegener, Maju Margrit Sartorius, Bettina Hoppe, Ronald Kukulies, Max Herbrechter, Peter Sikorski, David C. Bunners, Peter Lohmeyer

Bilder

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Die Mutigen 56: Deutschlands längster Streik
fazit
„Die Mutigen 56: Deutschlands längster Streik“ erinnert an einen bedeutenden Streik, bei dem es unter anderem um Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall ging. Wichtig sind die angesprochenen Themen. Wirklich überzeugend ist die Mischung aus gespielten und dokumentarischen Szenen aber nicht.
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