Sleep
© Lotte Entertainment

Sleep

Sleep
„Sleep“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Hyeon-soo (Lee Sun-kyun) und Soo-jin (Jung Yu-mi) sind schon lange ein Paar und erwarten ihr erstes Kind. Ihre Welt wird eines Tages auf den Kopf gestellt, als Hyeon-soo mit Schlafwandeln anfängt. Dies ist die ersten paar Nächte nicht weiter wild, wenn sich das nur auf nächtliche Essensanfälle begrenzt. Tag für Tag stellen sich dann aber immer beunruhigendere Ausmaße ein. Als eines Tages die Geburt vor der Tür steht und das Baby kurze Zeit später den dritten Bewohner des Appartements darstellt, müssen beide zu härteren Mitteln greifen, um schlimmeres Unheil zu verhindern.

Zwischenmenschlicher Horror

Als Sleep in den späten Stunden auf der Semaine de la Critique in Cannes gesichtet wurde, sorgte die Grundprämisse für eine verheißungsvolle Erwartungshaltung, schließlich klingt diese Geschichte in Hinblick auf psychologischen Terror einfach zu gut. Und haben wir nicht alle eh die Nase voll von klischeehaften Horrorfilmen und lahmen Jumpscares? Umso mehr stellt sich die Suche nach den subtileren, psychologischen und tiefergehenden Horrorfilmen ein. Sleep erfüllt zumindest der Synopsis nach all diese Kriterien.

Der perfekte Referenzfilm

Auch auf die Gefahr hin, minimal zu spoilern, muss einfach ein Vergleich zu einem der wohl überbewertsten Horrorfilme der letzten Jahre her: Hereditary. Dazu ein Direktvergleich: Der Horror fokussiert sich auf etwas Zwischenmenschliches, check. Menschen machen etwas sehr Schreckliches und müssen fortan mit dieser Bürde leben, eine weitere Gemeinsamkeit. Der Schrecken liegt unter anderem auch in dem Unkontrollierbaren, auch das trifft bei beiden Horrorfilmen zu. Und jetzt folgt ein minimaler Spoiler, der gleichzeitig den Grund darstellt, warum ich Hereditary für absolut gescheitert halte: All dieser unmittelbare Schrecken, der die ganze Zeit einen Nerv beim Schauer trifft, wird gegen Ende hin durch etwas Spirituelles oder Okkultes ersetzt, was den zwischenmenschlichen Horror komplett unterminiert. Eigentlich ist Sleep damit Hereditary 2.0, wodurch eine große Frage im Raum steht: Warum all das?

Anfang hui, Ende pfui

Sleep verbringt nicht gerade wenig Zeit damit, dem Publikum die Pathologie vom Schlafwandeln näherzubringen. Dass die Wissenschaft ab einem gewissen Punkt ratlos ist, spielt dem Film perfekt in die Karten. Zu viel Unergründliches dringt somit immer wieder an die Oberfläche, wodurch auch die filmischen Möglichkeiten fantastisch ausgelotet werden. Mit all der Ungewissheit, die sich konstant einstellt, funktioniert das alles ziemlich gut, bis die Story die okkulte Richtung einschlägt. Die schrecklichen Taten, für die Hyeon-soo verantwortlich sind, treffen dann plötzlich gar keinen wunden Punkt mehr, im Gegenteil. Die Erwartung, mit keinen Klischees konfrontiert zu werden, bröckelt fortan vor sich hin. Erneut stellt sich der Eindruck ein, dass das Unterbewusstsein für die meisten Filmemacher einfach zu langweilig und oder unwichtig ist.

Verschenktes Potential für etwas ganz Großes

Dies einmal ausgeklammert, hat Sleep aber echt starke Szenen. Es gleicht schon fast einem Anti-Home-Invasion Film, wenn der schlafwandelnde Mann vom Rest der Wohnung ausgeschlossen wird. Schließlich bietet alles, ein Messer aus der Küche, eine Nagelfeile aus dem Bad oder selbst eine Fernbedienung aus dem Wohnzimmer Potential für eine gewalttätige Tat. Nachdem alles weggesperrt und anderweitig gesichert wird, stellt sich die spannende Frage: Wie geht es weiter? An irgendeiner Stelle muss sich schließlich etwas entladen. Zumindest in der Hinsicht kann der Film mit den wohl besten und intensivsten Szenen aufwarten, die aufgrund des Endes dann aber auch wieder ihre Wirkung verlieren. Sleep ist aufgrund dessen wieder einmal so ein Film, der zeigt, wie wichtig ein passgenaues Ende ist. Da können die ersten zwei Drittel noch so gut sein, wenn das Ende einfach nicht passt. Ein anderer Titel hätte da vielleicht schon einen Unterschied gemacht, denn um das Schlafwandeln geht es Sleep eigentlich nicht wirklich.

Credits

OT: „Sleep“
Land: Südkorea
Jahr: 2023
Regie: Jason Yu
Drehbuch: Jason Yu
Musik: Yong Jin Chang
Kamera: Tae-soo Kim
Besetzung: Sun-kyun Lee, Yu-mi Jung

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.



(Anzeige)

Sleep
Fazit
"Sleep" erinnert mit seinem zwischenmenschlichen Terror an "Hereditary". Dies funktioniert bis zur Hälfte wunderbar, wird durch eine klischeehafte Wendung aber extrem heruntergezogen. In der Gesamtheit wiegt dies zu viel ins Gewicht, wodurch nicht einmal ein durchschnittliches Level erreicht wird.
Leserwertung0 Bewertungen
0
4
von 10