Sayen Amazon Prime Video Streaming Video on Demand Film
© Amazon Prime Video
Sayen Amazon Prime Video Streaming Video on Demand Film
„Sayen“ // Deutschland-Start: 3. März 2023 (Amazon Prime Video)

Inhalt / Kritik

Zunächst hören Sayen (Rallen Montenegro) und ihre Großmutter Ilwen (Teresa Ramos) noch brav zu, was die Männer zu sagen haben. Als jedoch klar wird, dass Antonio Torres (Arón Piper) im Auftrag seines Vaters Máximo (Enrique Arce) den Urwald Chiles roden will, um an Bodenschätze heranzukommen, steht für sie fest: Mit ihnen ist das nicht zu machen. Der schwer unter Druck stehende Antonio reagiert entnervt und erschießt die alte Frau einfach. Und auch deren Enkelin soll beseitigt werden, damit es keine Zeugen gibt. Dabei wissen sie nicht, dass Sayen seit ihrer Kindheit Kampfunterricht genommen hat und daher nicht annähernd so hilflos ist, wie sie nach außen hin erscheint. Gleichzeitig wagen auch andere Mitglieder ihres indigenen Volkes der Mapuche den Aufstand, wollen sie doch nicht hinnehmen, dass profitgierige Unternehmen ihnen die Heimat stehlen …

Actionthriller mit Checkliste

Dass die Streamingdienste nicht unbedingt sehr gut darin sind, über ihre neuen Produktionen zu informieren, ist kein Geheimnis. Viele Titel gehen in der Flut unter, völlig unabhängig von der Qualität. Besonders schlecht ist aber die Lage bei Amazon Prime Video. So wurde zuletzt immer kurz vor Monatsbeginn eine neue Liste rumgeschickt, bei der Titel falsch geschrieben oder verlinkt sind. Nervig sind auch die Ankündigungen von Titeln, bei denen sich wenige Tage später herausstellt, dass da gar nichts kommt. Umgekehrt wurde Anfang des Monats Sayen als Prime Video Original veröffentlicht, der weder auf den Ankündigungslisten zu finden ist noch auf dem Presseserver von Amazon. Offensichtlich weiß da mal wieder die eine Hand nicht, was die andere tut – oder zu welchem Körper sie gehört.

Möglicherweise hängt die sparsame bis nicht vorhandene Informationspolitik aber auch mit einem anderen Punkt zusammen: Der chilenische Actionthriller ist grauenvoll schlecht. Natürlich spricht Sayen wichtige Themen an. Europäische Unternehmen, welche Südamerika plündern und zum Zwecke des Profits die Natur zerstören, das ist immer eine Meldung wert. Hinzu kommt, dass hier die indigene Bevölkerung belogen und ausgenutzt wird. Und als wäre das nicht schon genug, wird hier auch noch eine Frau zur Rächerin der Unterdrückten. Gegen keinen dieser Punkte ist für sich genommen etwas einzuwenden. Wenn man aber wie hier das Gefühl hat, dass da nur jemand eine Checkliste abarbeitet, um sich selbst legitimieren zu können, dann fängt es an, schwierig zu werden.

Einfallsloses Drumherum

Denn so kalkuliert das David-gegen-Goliath-Prinzip in der Öko-Variante ist, so einfallslos ist das Drumherum. So sind die Figuren entsetzlich nichtssagend. Der Titelheldin ein bisschen tragisch motiviertes Kampftraining mitzugeben, ist als Charakterisierung ebenso dünn wie Antonio, der sich von seinem Vater nicht geliebt fühlt. Und das sind mehr oder weniger schon die beiden einzigen, bei denen überhaupt irgendwie versucht wurde, eine Form der Figurenzeichnung anzulegen. Bei den Dialogen ist es irgendwie noch schlimmer. Da ist man für jede Szene dankbar, in der mal niemand etwas sagt. Wobei auch bei den wortlosen Szenen nicht groß nachgedacht wurde. Da sind immer welche dabei, die keinen Sinn ergeben oder schlichtweg dämlich sind.

Über diese zahlreichen Schwächen ließe sich vielleicht hinwegsehen, wenn der Film wenigstens bei den Actionszenen überzeugen würde. Aber auch das tut er nicht. Das ist oft so billig, dass selbst TV-Produktionen plötzlich hochwertig aussehen. Gerade wenn es spektakulär werden soll, wird es schnell unfreiwillig komisch, woran auch die Musik ihren Anteil hat. Sayen wirkt da wie eine Parodie auf B-Movies. Da dem Film zudem kein richtiges Ende vergönnt wurde und offensichtlich eine Fortsetzung im Raum steht, kommt zum Entsetzen noch Frust. Da helfen dann auch die schönen Bilder der chilenischen Natur nicht mehr weiter: Der so überraschend aufgetauchte Titel stellt sich als böse Überraschung heraus.

Credits

OT: „Sayen“
Land: Chile
Jahr: 2023
Regie: Alexander Witt
Drehbuch: Patricio Lynch, Carla Stagno, Paula del Fierro
Musik: Mauricio Yazigi
Kamera: Ignacio Prieto
Besetzung: Rallen Montenegro, Arón Piper, Enrique Arce, Roberto García Ruiz, Loreto Aravena, Alejandro Trejo, Eduardo Paxeco, Teresa Ramos, Camilo Arancibia

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Sayen
fazit
Wenn eine Frau aus einem indigenen Volk in Chile ihre Natur gegen ein ausbeuterisches europäisches Unternehmen verteidigt, wirkt das wie das Abhaken einer Checkliste. Da auch die Actionszenen und die Figuren nichts taugen, ist „Sayen“ trotz eines wichtigen Themas ein Totalausfall, der höchstens durch die unfreiwillig komischen Momente für Unterhaltung sorgt.
Leserwertung59 Bewertungen
4.9
3
von 10