Last Looks
© Leonine

Last Looks

„Last Looks“ // Deutschland-Start: 11. November 2022 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Früher einmal, da war Charlie Waldo (Charlie Hunnam) ein angesehener Polizist bei der LAPD. Doch seitdem er einen Polizeiskandal aufgedeckt hat, ist davon nicht mehr viel geblieben, seine ehemaligen Kollegen haben nur Hass für ihn übrig. Und so lebt er nun zurückgezogen in der Natur, verzichtet größtenteils auf persönlichen Besitz. Das ändert sich eines Tages, als seine Ex Lorena Nascimento (Morena Baccarin) bei ihm auftaucht und ihn mit einem Fall betreut. Jemand hat die Frau des beliebten Schauspielers Alastair Pinch (Mel Gibson) ermordet, der auch selbst dieser Tat verdächtigt wird. Nach einigem Zögern nimmt Waldo den Auftrag an. Einfach ist dieser aber nicht. Als wäre der exzentrische Schauspieler nicht schon anstrengend genug, bekommt es der Privatdetektiv immer wieder mit der Polizei und auch dem Gangster Don Q (Jacob Scipio) zu tun …

Adaption einer Krimireihe

In Deutschland dürften eher weniger Leute den US-amerikanischen Schriftsteller Howard Michael Gould kennen. In seiner Heimat erfreuen sich seine Romane über den Privatdetektiv Charlie Waldo aber größerer Beliebtheit, drei Bände sind bislang erschienen. Von eben dieser Beliebtheit wollte man offensichtlich profitieren, als es an die Arbeit ging, das Debüt Last Looks von 2018 zu verfilmen. Gould selbst nahm die Aufgabe an, seine Vorlage in ein Drehbuch zu verwandeln. Regisseur Tim Kirkby (The Pentaverate) wiederum wurde damit beauftragt, diese Geschichte in einen Film zu verwandeln, mithilfe einiger bekannter Schauspieler und Schauspielerinnen. Der erhoffte Hit ist jedoch nicht daraus geworden. In den USA war der Film nur sehr begrenzt im Kino zu sehen, bei uns erschien er sowieso nur auf DVD. Offensichtlich glaubte man nicht daran, dass die Leute hierfür in die Lichtspielhäuser strömen würden.

Dabei ist der Film eigentlich ganz nett. Klar, ein absolutes cineastisches Highlight ist nicht daraus geworden. Diesen Anspruch hatte hier aber wohl niemand. Stattdessen ist Last Looks im Grunde ein klassischer Krimi, der in der Tradition von Noir-Filmen steht. So ist die Hauptfigur mal wieder ein heruntergekommener Privatdetektiv mit düsterer Vergangenheit. Auch die Femme Fatale darf nicht fehlen, wobei es Waldo nicht nur mit seiner Ex Lorena zu tun bekommt, sondern auch mit Jayne White (Lucy Fry), die Kindergärtnerin von Alastairs Tochter. Die wollen dann auch alle ins Bett mit Waldo, alternativ darf es ein anderer Ort sein, um Sex zu haben. Verständlich, wenn dieser von Charlie Hunnam (Shantaram) gespielt wird, dessen Attraktivität durch den Zottelbart kaum kaschiert wird.

Amüsant, spielfreudig, aber nicht sehr spannend

Letzterer wird dabei mehrfach ins Lächerliche gezogen, so wie Waldo allgemein nicht der harte Superheld ist. Zwar ist er um keinen flotten Spruch verlegen. Er kann auch schon mal richtig ausrasten, wie eine sehr konfrontative Szene mit einem Fahrrad demonstriert. Nur scheitert er daran, so wie er mehrfach an seine Grenzen stößt. Wo andere Filme über Ex-Polizisten, die eine gefährliche Mission übernehmen, die Souveränität betonen, da macht sich Last Looks über diesen gern mal lustig. Damit ist er aber nicht allein, viele der Charaktere sind überzeichnete Witzfiguren. Dazu zählen gerade auch Alistair sowie der Produzent Wilson Sikorsky (Rupert Friend), die von vornherein als Karikaturen ausgelegt sind und den Krimi streckenweise zu einer Satire über die Film- und Fernsehbranche machen.

Das ist schon immer mal wieder amüsant, auch weil das Ensemble die schrägen bis exzentrischen Figuren dankbar aufnimmt und keine Scheu davor hat, sich auch mal lächerlich zu machen. Wer mit dem Humor wenig anfangen kann, wird es mit dem Film jedoch eher schwer haben. Actionszenen, die für Spannung sorgen könnten, sind rar gesät. Der Kriminalfall gibt ebenfalls nicht wirklich viel her. Zwar ist das schon prinzipiell ein Whodunit, bei dem mehrere Leute den Mord begangen haben könnten. Last Looks interessiert sich jedoch nicht so wahnsinnig für diese Fragen, beschäftigt sich lieber anderweitig. Wer in erster Linie ein vertracktes Genre-Rätsel sucht, wird daher damit eher weniger glücklich. Aber es ist doch unterhaltsam genug, dass Adaptionen der weiteren Romane durchaus wünschenswert wären.

Credits

OT: „Last Looks“
Land: USA, UK
Jahr: 2022
Regie: Tim Kirkby
Drehbuch: Howard Michael Gould
Vorlage: Howard Michael Gould
Musik: Peter Nashel
Kamera: Lyle Vincent
Besetzung: Charlie Hunnam, Mel Gibson, Morena Baccarin, Lucy Fry, Rupert Friend, Jacob Scipio, Clancy Brown

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Last Looks
fazit
„Last Looks“ ist zwar vom Szenario her ein klassischer Noir, wenn ein in Ungnade gefallener Ex-Polizist einen Mörder jagt. Die Romanadaption nimmt sich dabei aber selbst nicht sonderlich ernst, ist mit schrägen Figuren gefüllt und hat manchmal sogar satirische Anleihen. Das ist unterhaltsam, auch wegen des spielfreudigen Ensembles. Der Fall selbst wird dabei jedoch schnell zur Nebensache.
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