Grump Mielensäpahoittaja Eskorttia etsimässä
© 2022 Solar/ATF/CCE Christine Schroeder / Marek Sabogal
„Grump“ // Deutschland-Start: 24. November 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Für gute Laune ist der über 70-Jährige (Heikki Kinnunen) kaum bekannt. Stattdessen hat er den Ruf weg, ein miesepetriger Griesgram und Sturkopf zu sein. Letzteren beweist er, als sein geliebter knallroter 72er Escort den Geist aufgibt. Ein neues Auto kommt für ihn aber nicht in Frage, da er es allgemein nicht so mit Neuerungen und Umstellungen hat. Und so braucht es noch einmal das exakt gleiche Modell, gleiches Baujahr. Seine Reise führt ihn daraufhin nach Deutschland, wo sein entfremdeter Bruder Tarmo (Kari Väänänen) lebt. Bei der gemeinsamen Suche nach dem Wagen geraten sie nicht nur in eine Reihe schwieriger Situationen, sondern lernen auch, sich wieder anzunähern – sowohl einander wie auch den jeweiligen Kindern, zu denen sie keine besonders guten Verhältnisse haben. Während Pekka (Ville Tiihonen) und Hessu (Iikka Forss) noch nach ihrem verschwundenen Vater Ausschau halten, will Tarmos Tochter Maria (Rosalie Thomass) nichts von ihm wissen …

Rückkehr eines beliebten Griesgrams

Griesgrämige alte Menschen sind in Filmen immer wieder gern gesehene Gäste. Nicht nur dass es lustig ist, wenn sie durch die Gegend stänkern und andere Leute wieder und wieder vor den Kopf stoßen. Sie sind auch prädestiniert dafür, eine innere Wandlung durchzumachen und zu besseren Menschen zu werden. Das bekannteste Beispiel hierfür ist sicherlich Scrooge aus der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, der viele Male ausgegraben wurde, zuletzt als modernisierte Fassung in Spirited. Aber auch der vom finnischen Autor Tuomas Kyrö erdachte Miesepeter erfreut sich größerer Beliebtheit, zumindest in seiner Heimat. Mehrere Romane hat er über diesen verfasst, die anschließend teilweise verfilmt wurden. So eben auch Grump.

Tatsächlich dürfte es manche im Publikum geben, die sich an den ersten Film Kaffee mit Milch und Stress zurückdenken, der vor einigen Jahren in unsere Kinos kam. Damals spielte noch Antti Litja die namenlose Hauptfigur, die für die konstant miese Laune bekannt ist. Vier Jahre später folgte ein zweiter Film, bei dem Heikki Kinnunen in die Rolle des Protagonisten schlüpfte. Der erschien aber nie bei uns, weshalb bei Grump nun das Mittelteil fehlt. Schlimm ist das nicht, man muss die vorangegangenen Filme nicht gesehen haben, um hier der Geschichte folgen zu können. Was es über den Griesgram zu wissen gibt, wird direkt verraten, ohne dass es Vorkenntnisse bräuchte. Gleiches gilt für die Söhne, bei denen es ebenfalls einen Personalwechsel gab. Bruder Tarmo ist sowieso ganz neu am Start.

Mal skurril, mal tragisch

Die Familie spielt dabei durchaus eine große Rolle. Tatsächlich ist das zentrale Thema bei Grump, wie die einzelnen Familienmitglieder wieder zusammenkommen und sich aussöhnen. Die Jagd nach dem Auto ist dabei nur ein Mittel zum Zweck und wird zum Anlass, dass die beiden Brüder durch Deutschland fahren. Das kann zuweilen komisch sein, etwa bei einem tatsächlich komischen Missverständnis, das relativ früh geschieht. Das hätte sich sogar für einen Running Gag angeboten, worauf hier aber verzichtet wird. Allgemein nimmt der Humor im weiteren Verlauf ab, wenn das Skurrile und Exzentrische zurückgeschraubt werden und es stärker darum geht, wie die Leute eine innere Reise machen und sich dabei mit sich selbst und einander versöhnen.

Das wird zuweilen erstaunlich tragisch. Regisseur Mika Kaurismäki (Eine Nacht in Helsinki) packt mit der Zeit eine Reihe ernster Themen an, die nach und nach abgearbeitet werden müssen. Dabei verzichtet er jedoch auf Kitsch oder übertriebene Wohlfühlarien, selbst wenn das Ende obligatorisch schöner und warmherziger ausfallen muss. Grump ist insgesamt ein angenehm zurückhaltender Film, der das Publikum auf eine unterhaltsame und doch entspannende Reise mitnimmt. Wer eine Mischung aus lakonischem Humor und Besinnlichkeit mag, der ist hier an einer guten Adresse. Auch wenn manche beklagen mögen, dass die Hauptfigur nicht so giftig ist, wie man es anfangs vermuten und vielleicht erhoffen würde, das Ergebnis ist ein sympathischer Film, irgendwo zwischen Trost und Aufarbeitung, zwischen Albernheit und Nachdenklichkeit.

Credits

OT: „Mielensäpahoittaja Eskorttia etsimässä“
Land: Finnland, Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Mika Kaurismäki
Drehbuch: Daniela Hakulinen, Tuomas Kyrö
Vorlage: Tuomas Kyrö
Musik: Anssi Tikanmäki, Eemil Tikanmäki, Eljas Tikanmäki
Kamera: Jari Mutikainen
Besetzung: Heikki Kinnunen, Kari Väänänen, Ville Tihonen, Iikka Forss, Rosalie Thomass, Tiina Lymi, Mari Perankoski, Silu Säppälä

Bilder

Trailer

Interview

Wer mehr über Grump erfahren möchte: Wir haben mit Regisseur Mika Kaurismäki im Interview über die Arbeit an der Tragikomödie besprochen.

Mika Kaurismäki [Interview]

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Grump
fazit
In „Grump“ kehrt der aus zwei vorangegangenen Filmen bekannte Griesgram zurück und will unbedingt ein neues Auto, das genauso ist wie sein altes. Die Suche danach rückt dabei jedoch bald in den Hintergrund, so wie der lakonische Humor um skurrile Figuren zurückgeschraubt wird. Stattdessen wird aus der Odyssee eine angenehm zurückhaltende Tragikomödie um eine familiäre Wiederentdeckung.
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