Spirited Apple TV+
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Spirited

Spirited Apple TV+
„Spirited“ // Deutschland-Start: 18. November 2022 (Apple TV+)

Inhalt / Kritik

Weihnachten nähert sich mit raschen Schritten. Das bedeutet für den Geist der gegenwärtigen Weihnacht (Will Ferrell), den Geist der vergangenen Weihnacht (Sunita Mani) sowie den Geist der zukünftigen Weihnacht, dass sie sich jemanden suchen, den sie zu einem besseren Menschen machen können. Damit sind sie erfolgreich, im Laufe der Zeit haben sie unzählige Leute bekehren können. Doch dieses Mal haben sie sich eine ganz besonders harte Nuss ausgesucht: Clint Briggs (Ryan Reynolds). Der ist mit seiner Marketingagentur ausgesprochen erfolgreich, was er nicht zuletzt seiner Skrupellosigkeit zu verdanken hat. So schickt er beispielsweise seine treue Mitarbeiterin Kimberly (Octavia Spencer) los, um Dreck über einen Jungen zu finden, der sich wie seine Nichte Wren (Marlow Barkley) zum Schulsprecher wählen lassen will. Da haben die Geister noch jede Menge Arbeit vor sich …

Ein neues Wiedersehen mit alten Geistern

Es dürfte keine Geschichte geben, die wir mehr mit Weihnachten in Verbindung bringen als A Christmas Carol bzw. Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Auch bald 180 Jahre nach der Veröffentlichung ist die Novelle um einen alten, menschenverachtenden Geizkragen, der durch das Zuwirken dreier Geister zu einem besseren Menschen wird, weltweit bekannt. Das ist liegt nicht nur an der literarischen Vorlage, sondern auch den zahlreichen filmischen Adaptionen, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind. Filme wie Die Muppets-Weihnachtsgeschichte oder Die Geister, die ich rief sind selbst zu Klassikern geworden. Das bedeutet allerdings auch, dass jede weitere Adaption sich fragen lassen muss: Braucht es das wirklich? Bei dem Apple TV+ Film Spirited ist die Antwort darauf nicht ganz einfach zu geben.

Regisseur und Drehbuchautor Sean Anders (Plötzlich Familie, Daddy’s Home) setzt dabei wenig überraschend auf Humor und hat dafür mit Will Ferrell und Ryan Reynolds zwei absolute Schwergewichte des Komödienfaches gewinnen können. Das Ergebnis ist ungefähr das, was man sich angesichts dieser Besetzung vorstellen konnte. Während Ferrell den freundlich-naiven Idealisten spielt, gibt es bei Renolds wieder jede Menge Sarkasmus. Auch die Meta-Elemente, die man in den Filmen des Letzteren oft findet, sind hier wieder vertreten. Beispielsweise macht sich Spirited über die Dickens-Geschichte lustig und nimmt auch Weihnachtsfilme ins Visier. Gleichzeitig folgt man aber den Vorgaben recht getreu, weshalb hier mal wieder einer dieser Titel herauskommt, die ein Genre neu denken und gleichzeitig bestätigen wollen – siehe aktuell Einfach mal was Schönes.

Zwischen Biss und Kitsch

Das muss nicht unbedingt ein Problem sein, man erwartet von solchen Filmen keine wirkliche Originalität. Ein bisschen hier und da geschraubt, mehr ist da einfach nicht drin. Vor allem gegen Ende hin ersäuft sich die Komödie in Konventionen bis hin zum Kitsch, wenn auf der Zielgeraden doch noch das Herz entdeckt werden soll. Das gehört bei der Geschichte natürlich schon dazu, wurde aber in anderen Fällen besser gelöst. Wobei Spirited während der garstigen Phase durchaus amüsant ist. Wo der klassische Scrooge einfach nur ein geiziger Menschenfeind ist, der sich für niemanden interessiert, da hat Clint richtig Spaß an der Bösartigkeit. Zeitweise geht das hier sogar als eine Art Satire durch, bei der aufs Korn genommen wird, wie Hass und Dreck instrumentalisiert werden.

Diesen Biss behält der Film nicht bis zum Schluss bei. Und auch der Unterhaltungsfaktor nimmt mit der Zeit ab. Ein Grund dafür ist, dass man hier wie so oft kein Gespür dafür hat, wie lang ein solcher Film sein sollte. Mit knapp 130 Minuten fängt das irgendwann an, sich richtig böse zu ziehen. Dass die Geschichte kein Ende nimmt, liegt auch an den zahlreichen Musicalnummern, die Anders einbaut und bei denen ebenfalls die Balance aus Humor und Liebe zum Material gefunden werden soll. Manchmal macht das Spaß, da auch kein Aufwand gescheut wurde und Dutzende Menschen vor prächtigen Kulissen tanzen. Zudem glaubt man beim Zusehen gern, dass alle Beteiligten richtig viel Spaß hatten. Als Zuschauer bzw. Zuschauerin funktioniert das aber nur zum Teil. Auch wenn Spirited schon irgendwie ganz nett ist und mehr zu bieten hat als die ganzen Weihnachts-Wegwerfnummern, die wöchentlich bei Netflix erscheinen: Das reicht nur für ein bisschen Zerstreuung zwischendurch, ein neuer Filmklassiker, der jährlich angeschaut wird, ist hier eher nicht entstanden.

Credits

OT: „Spirited“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Sean Anders
Drehbuch: Sean Anders, John Morris
Vorlage: Charles Dickens
Musik: Dominic Lewis
Kamera: Kramer Morgenthau
Besetzung: Will Ferrell, Ryan Reynolds, Octavia Spencer, Sunita Mani, Patrick Page

Bilder

Trailer

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Spirited
fazit
„Spirited“ nimmt sich des unverwüstlichen Klassikers von Charles Dickens an und reichert diesen mit Superstars, (Meta-)Humor und Musicalnummern an. Das ist schon alles ganz nett, geht aber in einer viel zu lang geworden Mischung aus Biss und Banalität verloren, wenn gleichzeitig das Genre auf den Arm genommen und bedient werden soll.
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