The Last Thing Mary Saw
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The Last Thing Mary Saw

„The Last Thing Mary Saw“ // Deutschland-Start: 28. Oktober 2022 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Southold, New York im Jahr 1843: Mary (Stefanie Scott) steht vor Gericht und wird eines schrecklichen Verbrechens beschuldigt. So soll sie hinter dem Tod der Matriarchin (Judith Roberts) stecken. Doch schon vorher waren die Menschen der kleinen Gemeinschaft davon überzeugt, dass mit der jungen Frau etwas nicht stimmt. Vor allem das Verhältnis zu Eleanor (Isabelle Fuhrman), dem Hausmädchen der Familie, ist vielen ein Dorn im Auge. So jemand muss mit dem Teufel in Berührung gekommen sein, davon sind die Männer fest überzeugt. Dennoch soll auch sie ihre Chance auf Verteidigung haben. Und so beginnt die Frau mit der Augenbinde, ihre Geschichte zu erzählen …

Da müssen dunkle Kräfte im Spiel sein

Sie gehören fest zum Horrorgenre dazu: Filme, in denen ein Mensch von Dämonen besessen ist. Fast immer handelt es sich dabei um junge Frauen bis hin zum Kind. Auch beim Ablauf gibt es nur wenig Variation, die Erben und Erbinnen von Der Exorzist versuchen nur in den seltensten Fällen, dieses Motiv auf interessante Weise zu variieren oder neue Aspekte zu finden. Mit The Last Thing Mary Saw erscheint nun rechtzeitig zu Halloween ein weiteres Werk, das in dieser Tradition zu stehen scheint. Zumindest anfangs hat man den Eindruck, dass es sich um einen Fall dämonischer Besessenheit handeln könnte. Schließlich ist es das, was die Männer behaupten. Doch auch wenn der Film im Laufe der Zeit immer mal wieder mit diesem Motiv des Übernatürlichen spielt, eigentlich geht es um etwas ganz anderes.

Worum, das wird teilweise klar, als wir von dem Hausmädchen erfahren. Eine lesbische Beziehung in einem puritanischen Kaff? Mitte des 19. Jahrhunderts? Da werden dann nur mal wieder die alten Überzeugungen ausgegraben. Wer gegen diese verstößt, der muss eine Hexe sein, wahlweise irgendwas mit dem Teufel haben. Vorverurteilungen kommen schließlich nie aus der Mode: Wo jemand ist, der anders ist, da gibt es Ausgrenzung und Unterdrückung. Da liegt dann der Verdacht nahe, dass es sich bei The Last Thing Mary Saw um einen Film wie The Curse of Audrey Shaw handelt. Bei dem Kollegen wurde eine Frau der Hexerei beschuldigt, da sie als einzige auf mysteriöse Weise vom Unglück verschont wurde. Ein Segen Gottes? Nix da, dunkle Kräfte müssen das gewesen sein!

Zwischen Schatten und Flüstern

Aber auch der Vergleich hinkt. Stattdessen ist der Film irgendwo zwischen Minderheitenfolter und Glaubensdrama angesiedelt. Regisseur und Drehbuchautor Edoardo Vitaletti beschreibt, mit welchen rabiaten Mitteln die beiden jungen Frauen von ihrem schändlichen Weg fortgebracht werden sollen. Der Anblick ist nicht immer einfach zu ertragen. Zwar ergibt sich The Last Thing Mary Saw nicht dem Torture Porn, den man in Horrorfilmen eine Zeit lang immer wieder untergebracht hat. Dafür bleibt der Film auch zu sehr im Realen, trotz des übernatürlichen Motivs. Dem Filmemacher, der hier sein Langfilmdebüt abliefert, verzichtet auf große Schockmomente. Tatsächlich ist in der Hinsicht so wenig zu finden, dass man sich fragen darf, ob das mit dem Horror überhaupt noch stimmt.

Obwohl der Film 2021 beim Genreprimus Fantasia Film Festival zu sehen war, Zweifel sind da angesagt. Viele werden sich beim Anschauen vermutlich langweilen, weil hier kaum etwas geschieht. Vitaletti beschränkt sich darauf, viel in die Atmosphäre zu investieren, die Handlung wird da zweitrangig. Subtil oder abwechslungsreich ist das Ergebnis nicht. Da wird viel mit Schatten gearbeitet, ständig flüstern sich die Figuren gegenseitig etwas zu, die Stimmung ist durchgängig ominös. Wer sich auf so etwas einlassen kann und will, der kann sich bei The Last Thing Mary Saw in dem düsteren Treiben verlieren. Der Rest wird allenfalls nur deswegen dran bleiben, um herauszufinden, was es mit dem verlorenen Augenlicht der Protagonistin und dem damit verbundenen Titel auf sich hat. Denn das wird in dem exzessiv mit Flashbacks arbeitenden Horrordrama erst ganz zum Schluss verraten.

Credits

OT: „The Last Thing Mary Saw“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Edoardo Vitaletti
Drehbuch: Edoardo Vitaletti
Musik: Keegan DeWitt
Kamera: David Kruta
Besetzung: Stefanie Scott, Isabelle Fuhrman, Rory Culkin, Judith Roberts, Carolyn McCormick

Bilder

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The Last Thing Mary Saw
fazit
Was zunächst wie ein weiterer okkulter Thriller wirkt, entpuppt sich mit der Zeit als eine Mischung aus Folterhorror und Glaubensdrama. Tatsächlich spannend ist die Geschichte um zwei sich liebende Frauen in einer puritanischen Gemeinde des 19. Jahrhunderts nicht. Atmosphärisch ist „The Last Thing Mary Saw“ hingegen schon gut gelöst, zumindest wenn man auf eine Mischung aus Schatten und Flüstern steht.
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