The Curse of Audrey Earnshaw
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The Curse of Audrey Earnshaw

„The Curse of Audrey Earnshaw“ // Deutschland-Start: 27. Mai 2022 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

1973, mitten im Nirgendwo: Eine kleine irische Gemeinde lebt zurückgezogen und hält stolz die Traditionen ihrer Vorfahren fest. Vor allem der starke religiöse Glaube ist für die Männer und Frauen Teil ihres Selbstverständnisses. Dabei wird dieser Glaube immer wieder auf eine harte Probe gestellt: Die Menschen müssen sich mit Missernten und Krankheiten herumschlagen. Nur Agatha Earnshaw (Catherine Walker) scheint von all dem verschont zu bleiben, ihre Farm ist die einzige, auf der kein Unglück geschieht. Das wiederum weckt den Neid der anderen Bevölkerung, sowie das Misstrauen. Wie kann es sein, dass ausgerechnet sie davonkommt? Sollte sie etwa mit dunklen Mächten in Verbindung stehen? Verkompliziert wird das ohnehin schon schlechte Verhältnis zu den anderen durch Audrey (Jessica Reynolds), Agathas Tochter, die sie vor allen anderen versteckt hält …

Du musst eine Hexe sein!

In der letzten Zeit hat es auffallend viele Horrorfilme gegeben, bei denen zurückgezogen lebende Frauen sich als Hexen herausstellen. Ob Wicked Witches, Hellbender oder WarHunt – Hexenjäger, immer tauchen wir mit ein paar Ahnungslosen ein in eine Welt der Zauberei, gern mal verbunden mit ein wenig Terror. The Curse of Audrey Earnshaw geht grundsätzlich in eine ähnliche Richtung. Das englische Artwork kündigt auch vollmundig an: „There’s a New Witch in Town“. Dennoch ist der kanadische Film nur sehr bedingt mit den obigen Beispielen zu vergleichen. Abgesehen von dem ähnlichen Szenario, dass in einer abgelegenen Gegend, in die sich sonst niemand verirrt, Frauen heidnischen Ritualen frönen, halten sich die Gemeinsamkeiten in Grenzen.

Ein großer Unterschied: Bei The Curse of Audrey Earnshaw gibt es keine externen Figuren, die es aus welchem Grund auch immer in die besagte abgelegene Gegend verschlägt und zusammen mit dem Publikum das Geheimnis hinter den Frauen erkennt – verbunden mit einem hohen Preis, den sie zu zahlen haben. Stattdessen erzählt Regisseur und Drehbuchautor Thomas Robert Lee, wie sich zwei Teile einer lokalen Bevölkerung unversöhnlich gegenüberstehen. Eigentlich sollten diese eher zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen. Aber es ist dann doch meistens einfacher, dem anderen mit Verachtung zu begegnen. Vor allem der von Leid geplagte Teil verabscheut die alleinstehende Frau, wohl aus einer Mischung von Frauenfeindlichkeit und purem Neid getrieben. Wieso darf es ihr gut gehen, wenn ich jeden Tag in der Kirche stehe?

Zwischen Horror und Drama

Damit verbunden ist auch ein Perspektivwechsel. Während die meisten solcher Hexenfilme aus der Sicht derjenigen erzählen, welche mit der Monstrosität konfrontiert werden, da schlägt sich Lee recht eindeutig auf die Seite der Frau. Genauer der Frauen: Während es offiziell nur Agatha gibt, handelt The Curse of Audrey Earnshaw über weite Strecken von dem Verhältnis von ihr zu der Tochter. Letztere ist gar nicht glücklich darüber, wie ihre Mutter behandelt wird und drängt auf eine Veränderung. Die Rebellion der Jugendlichen richtet sich damit gleichermaßen gegen Agatha wie gegen das Dorf, wenn sie inmitten dieser Einschränkungen ihren eigenen Weg sucht. Ein bisschen Coming of Age, wenn man so will, nur eben in einem Horrorsetting.

Wobei man an den Horrorteil keine größeren Erwartungen haben sollte. Es gibt keine großen Jump Scares, mit denen das Publikum zu Tode erschreckt werden soll. Tatsächlich geschieht allgemein recht wenig in The Curse of Audrey Earnshaw, weshalb sich so manche Genrefans sicher mit Grauen abwenden werden – nur nicht dem erhofften Grauen. Dabei hat der kanadische Film, der auf dem Fantasia Film Festival 2020 lief, durchaus etwas zu bieten. Die schauspielerischen Leistungen sind gut, die Aufnahmen stimmungsvoll. Und irgendwo ist darin auch eine interessante Geschichte verborgen. Leider wird diese aber nicht genügend freigelegt, weshalb sich die Mischung aus Drama und Horror irgendwo dazwischen verläuft und in beide Richtungen nicht genug tut. Man wartet hier, dass es doch irgendwann mal konkret wird. Stattdessen ist der Film einfach vorbei.

Credits

OT: „The Curse of Audrey Earnshaw“
Land: Kanada
Jahr: 2020
Regie: Thomas Robert Lee
Drehbuch: Thomas Robert Lee
Musik: Bryan Buss, Thilo Schaller
Kamera: Nick Thomas
Besetzung: Catherine Walker, Hannah Anderson, Jared Abrahamson, Jessica Reynolds, Sean McGinley

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The Curse of Audrey Earnshaw
Fazit
„The Curse of Audrey Earnshaw“ nimmt uns mit in eine abgelegene Gegend, wo die streng gläubige Bevölkerung eine Frau der Hexerei verdächtigt. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Drama und Horror, die mit schönen Bildern und guten schauspielerischen Leistungen überzeugt, aber nie so wirklich konkret wird.
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