Der Nachname
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Der Nachname

„Der Nachname – Familienurlaub ist kein Urlaub“ // Deutschland-Start: 20. Oktober 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Es ist schon einige Zeit her, dass sie die Bombe platzen ließen: Dorothea Bötcher (Iris Berben) und ihr Adoptivsohn René König (Justus von Dohnányi) sind ein Paar! Seither ist das Verhältnis zum Rest der Familie nicht mehr das Beste. Dennoch erklären sich ihre Kinder Elisabeth (Caroline Peters) und Thomas (Florian David Fitz) dazu bereit, ihre Mutter auf der Familien-Finca in Lanzarote zu besuchen. Dazu gesellen sich Elisabeths Mann Stephan (Christoph Maria Herbst) sowie Anna (Janina Uhse), die Freundin von Thomas. Die Hoffnung aller ist, dass sie sich nach den hitzigen Diskussionen wieder annähern können. Ein bisschen die Zeit genießen und die Seele baumeln lassen. Stattdessen dauert es nicht lang, bis die Konflikte wieder aufflammen – zumal das Paar noch mehr unerwünschte Neuigkeiten auf Lager hat …

Eine Finca als Kriegsschauplatz

In den letzten Jahren hat es eine ganze Reihe deutscher Filme gegeben, die auf bekannten Titeln aus dem Ausland basieren. Manche dieser Remakes waren selbst sehr erfolgreich, allen voran Das perfekte Geheimnis, dessen Wurzeln in Italien lagen. Aber auch Der Vorname, eine Neuverfilmung der gleichnamigen französischen Komödie bzw. des Theaterstücks, sorgte für pralle Kassen. 1,2 Millionen Besucher und Besucherinnen in den Kinos, das ist schon recht ordentlich in heutigen Zeiten. Dennoch dürften sich manche gewundert haben, als eine Fortsetzung mit dem wenig inspirierten Titel Der Nachname angekündigt wurde. Denn eigentlich waren die Themen im ersten Teil ausdiskutiert, es gab – vom finanziellen einmal abgesehen – keinen einleuchtenden Grund, warum es einen Nachfolger geben muss oder wie dieser aussehen könnte. Die Vorlage hatte sowieso keinen zweiten Teil, die man verwenden konnte.

Zumindest zweitweise sieht es so aus, als wäre die Entscheidung, vom Vor- zum Nachnamen zu wechseln, dennoch mehr als nur ein billiger Marketingkniff, um eine Verbindung herzustellen. Dieses Mal wird darum diskutiert, ob die Frau den Namen des Mannes annehmen sollte. Da geht es um Egos und alte Geschlechterbilder, aber auch Fragen der Identität. Wie schon der Vorgänger wird eine an und für sich banale und alltägliche Entscheidung zum Symbol, um ganz grundlegende gesellschaftliche Dinge anzusprechen. Wobei sprechen hier meistens schreien oder angiften bedeutet, wenn die so idyllisch liegende Finca zum Kriegsschauplatz wird. Nur weil die Wohnung des ersten Teils gegen ein Urlaubsdomizil getauscht wurde, heißt das nicht, dass die Familie deswegen entspannter würde.

Gut gespielt, aber ohne zündenden Einfall

Während an manchen Stellen der bissige Witz des Vorgängers noch durchschimmert, wird an anderen zu sehr deutlich, dass man kein wirkliches Thema hatte, das als Aufhänger durch die anderthalb Stunden führt. Stattdessen hat Drehbuchautor Claudius Pläging (Catweazle, Die Geschichte der Menschheit – leicht gekürzt) in erster Linie irgendwelche Geheimnisse aneinandergereiht, die nach und nach gelüftet werden. Natürlich kann auch so etwas Spaß machen. Bei Der Nachname wird das aber zu sehr zum Selbstzweck, anstatt ein wirkliches narratives Ziel zu haben. Dass die einzelnen Geheimnisse nicht übermäßig interessant sind, zwischen belanglos und überzogen schwanken, hilft auch nicht unbedingt dabei. Wo die Verkündung der Beziehung zwischen Dorothea und René noch einen wirklichen Knalleffekt hatte, dominiert bei diesen Enthüllungen ein Achselzucken.

Das gilt insbesondere für das Ende, das irgendwann einfach da ist, ohne dass ein passender Schlusspunkt gefunden wurde. Da hat man das Gefühl, dass versehentlich beim Schneiden die letzten Minuten entfernt wurden. Vorher gibt es aber schon ein paar Momente, wofür sich das Anschauen lohnen kann. Wie schon der erste Teil profitiert Der Nachname maßgeblich von dem bestens aufgelegten Ensemble, das sich die Familienkonflikte zu eigen macht. Selbst wenn Letztere im Einzelnen nicht immer überzeugen und recht willkürlich wirken, die Schauspieler und Schauspielerinnen haben ihren Spaß damit, sich gegenseitig irgendwelche Beleidigungen oder fiese Sprüche an den Kopf zu werfen. Wer Komödien um dysfunktionale Familien mag, bekommt hier zumindest genügend Stoff.

Credits

OT: „Der Nachname“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Sönke Wortmann
Drehbuch: Claudius Pläging
Musik: Helmut Zerlett
Kamera: Jo Heim
Besetzung: Iris Berben, Florian David Fitz, Christoph Maria Herbst, Caroline Peters, Justus von Dohnányi, Janina Uhse, Elena Sancho Pereg

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Der Nachname
fazit
„Der Nachname“ versucht den großen Erfolg von „Der Vorname“ zu wiederholen, findet aber nicht die zündende Idee, wie das gehen soll. Der Film schwankt dabei recht stark. Während beispielsweise die Diskussionen um den Nachnamen die Mischung aus Biss und gesellschaftlichen Fragen wieder aufgreifen, sind die diversen anderen Konflikte und Geheimnissammlungen trotz eines engagierten Ensembles weniger interessant.
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