Der Vorname 2018

„Der Vorname“ // Deutschland-Start: 18. Oktober 2018 (Kino)

Es hätte ein ruhiges, nettes Abendessen werden sollen, mit der Familie und Freunden. So war zumindest der Plan, als Stephan (Christoph Maria Herbst) und Frau Elisabeth (Caroline Peters) ihren Bruder Thomas (Florian David Fitz), dessen schwangere Freundin Anna (Janina Uhse) und Familienfreund René (Justus von Dohnányi) einladen. Doch das ist bald vorbei, als die Rede von dem ungeborenen Sohn ist. Genauer ist es Thomas’ Ankündigung, ihn Adolf nennen zu wollen, die die Stimmung schlagartig kippt. Während die anderen versuchen, ihm diese Idee auszureden, treten auch ganz andere Konflikte an die Oberfläche, bis der Streit zwischen ihnen völlig eskaliert.

Die Deutschen lieben ihre Komödien. Mit keinem Genre lässt sich hierzulande mehr Geld an den Kinokassen machen, mit keinem lässt sich auch so einfach Kasse machen. Im Grunde reicht es, das zu kopieren, was erfolgreich ist, entweder bei anderen oder bei sich selbst. Fack ju Göhte wurde mit den ewig gleichen Witzen zu einem Phänomen, auch die mit Dampfnudelblues gestartete Reihe um einen grummeligen bayerischen Dorfpolizisten hält sich ohne jegliche Veränderung konstant oberhalb der 500.000-Besucher-Marke. Never change a winning team.

Bewährtes unserer Nachbarn
Dann und wann schielen hiesige Filmemacher aber auch ins Ausland und versuchen sich dort zu bedienen. Während Schatz, nimm du sie!, ein Remake des französischen Überraschungshits Mama gegen Papa, in Deutschland nur wenig Fans fand, stehen die Chancen bei Der Vorname schon besser. Zum einen ist die französische Vorlage aus dem Jahr 2012 bekannter als der obige Kollege unseres Nachbarlandes. Er ist erfolgsversprechender besetzt, zumindest Fitz ist immer wieder ein gern gesehener Gast auf der großen Leinwand. Vor allem aber ist er auch einfach besser.

Zudem hat Der Vorname auch einen Vorteil gegenüber anderen Remakes: Während die meisten letztendlich ziemlich überflüssig sind, dem Original nichts hinzufügen, gewinnt das Thema durch die Schauplatzverlegung noch an Brisanz hinzu. Im Ausland ein Kind Adolf nennen zu wollen, das ist schon heikel genug. Aber in Deutschland? Ist das überhaupt erlaubt? Ist es, wie der Film verrät. Nur geht damit dann auch die Überlegung einher, ob alles, das erlaubt ist auch wirklich erlaubt ist. Ob damit nicht an einem Tabu gekratzt wird, das zwar in keinem Gesetzbuch steht, aber so offensichtlich ist, dass man schon gar nicht weiß, wie man dafür argumentieren kann.

Stoff zum Lachen und Nachdenken
Das ist komisch, klar, wie hier zwei Parteien aufeinander einreden, sich gegenseitig zu überzeugen versuchen. Es ist aber auch deutlich cleverer, als man es aus diesem Segment oft kennt. Denn auch wenn Adolf der Aufhänger ist, so geht das Ganze doch viel weiter. Von Deutungshoheit von Namen bzw. Wörtern ist die Rede, von Relation von Gewalt, von der Verarbeitung der Vergangenheit. Auch wenn sich vieles davon reichlich absurd anhört, so gibt einem Der Vorname doch jede Menge zum Nachdenken mit auf den Weg. Es ist bezeichnend, wie hitzig die Diskussion wird, wenn ganz grundsätzliche Fragen gestellt werden, bei der das Emotionale und das Rationale auseinanderklaffen.

Zudem ist Der Vorname auch eine treffende Demontage bürgerlicher Fassaden, wenn im Stil von Der Gott des Gemetzels die Situation immer weiter eskaliert und hinter dem schönen Schein peinliche und kleinliche Dinge in Vorschein treten. Wie besagter Kollege, so basiert auch dieser Film auf einem Theaterstück. Große Variationen des Schauplatzes gibt es daher nicht, nur selten verlassen wir die Wohnung. Aber das ist kein Nachteil, die bissigen Dialoge und die spielfreudigen Darsteller lassen auch so keine Langeweile aufkommen. Weniger geglückt sind die nicht gerade subtilen Charakterzeichnungen, die zuweilen an den Nerven kratzen. Außerdem geht dem Film zum Ende hin doch deutlich die Puste aus, wenn wie bei der Vorlage auch auf einmal komplett unzusammenhängende Themen aufkommen. Das ist weniger interessant als der Ausgangspunkt und auch viel weniger bissig. Dennoch, dieses Remake ist eine Bereicherung für das deutsche Kino, denn so lustig wie hier waren „unsere“ Komödien dort schon länger nicht mehr.

Der Vorname (2018)
4.2 (84%) 35 Artikel bewerten

Der Vorname (2018)
Auch wenn man sich über Sinn und Zweck solcher Remakes streiten kann, die Neuauflage des französischen Komödienhits ist gelungen. Wenn in „Der Vorname“ ein Streit über einen geplanten Namen des Nachwuchses eskaliert, dann beschert uns das nicht nur einen schön bissigen Humor, sondern ist dank diverser Denkanstöße auch richtig clever. Nur zum Ende hin geht dem Ganzen die Luft aus, die Geschichte verzettelt sich in wenig interessanten Nebenthemen.
7von 10

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