Nope
© Universal Pictures

Nope

Nope
„Nope“ // Deutschland-Start: 11. August 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Der Schock ist groß bei OJ Haywood (Daniel Kaluuya), als er mitansehen muss, wie sein Vater, der legendäre Pferdetrainer Otis Haywood Sr. (Keith David), von einem seltsamen Metallregen getroffen wird und diesen Verletzungen später erliegt. Nun liegt es an ihm und seiner Schwester Emerald (Keke Palmer), die ohnehin schon kriselnde Ranch fortzuführen. Einfach ist das nicht, nach einem weiteren Rückschlag stehen sie kurz davor, alles an den ehemaligen Kinderstar Ricky „Jupe“ Park (Steven Yeun) verkaufen zu müssen, der in der Nähe einen Vergnügungspark betreibt. Doch dann machen sie eine Reihe von seltsamen Beobachtungen. Immer wieder kommt es zu Stromausfällen, das Wetter scheint verrückt zu spielen. Und auch mit den Pferden stimmt etwas nicht. Fest entschlossen, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, installieren sie gemeinsam mit Angel Torres (Brandon Perea) zahlreiche Kameras auf dem Grundstück, ohne zu ahnen, worauf sie sich einlassen werden …

Horror mit Relevanz

Der eigentlich aus dem Comedy-Bereich bekannte Jordan Peele schaffte es, sich 2017 mit seinem Einstand als Regisseur gleich als eine der aufregendsten neuen Stimmen zu etablieren. Get Out, ein Mix aus Satire und Horror, der Rassismus zum Thema machte, schlug ein wie eine Bombe. Es hagelte Preise, auch das Publikum nahm den Film dankbar an. Wir war zwei Jahre später schon etwas umstrittener, wenn eine Familie Besuch von schrecklichen bekannten Menschen erhält. Doch der Filmemacher unterstrich zumindest seinen Anspruch, andere Geschichten zu erzählen und dabei gesellschaftlich relevante Themen mit Genre-Anleihen zu kreuzen. Entsprechend groß war die Neugierde auf Nope, den dritten selbst inszenierten Film des US-Amerikaners, zumal der Trailer eine neue Richtung erwarten ließ.

Peele erfüllt die Erwartungen, die man an ihn hat – und gleichzeitig wieder nicht. Ja, erneut haben wir es hier mit einem Horrorfilm zu tun, der ein gesellschaftliches Thema aufgreift. Ganz so einfach ist das mit der Zuordnung dann aber doch nicht. Dabei ist Nope im Vergleich zu den beiden Vorgängern sogar ungewöhnlich geradlinig, anfangs zumindest. Wenn sich die beiden Geschwister mit den unheimlichen Vorgängen im Himmel beschäftigen, dann steht der Film in der Tradition klassischer Science-Fiction-Filme. Dass da irgendwas aus dem All umherschwirrt, daran wird kein Zweifel gelassen. Schon der Einstieg, wenn der Vater aus heiterem Himmel von etwas getroffen wird, macht klar, dass sich da etwas abspielt, dessen Rätsel im Laufe des Films gelöst werden muss.

Gemächlich-unheimliches Kopfkino

Das erinnert nicht zufällig an Unheimliche Begegnung der dritten Art, einen der großen Genre-Klassiker von Steven Spielberg. Auch später bieten sich Vergleiche zu einem der Urväter des Blockbuster-Kinos an. Genauer wird es nicht wenige Kritiken geben, die Nope mit einem anderen Meisterwerk des Regisseurs vergleichen werden. Nur dass bei diesem und damit auch hier nicht das Gefühl des Staunens und Wunderns im Mittelpunkt steht, sondern der Schrecken. Peele mag im Science-Fiction-Umfeld beginnen, wendet sich dann aber doch wieder dem Horror zu. Das mag nicht überraschend sein, ist aber effektiv. Genauer gehören einige damit einhergehende Szenen zu den verstörendsten, die man in den letzten Jahren in dem Bereich hat sehen müssen. Und auch hören: Vieles hier wird nur angedeutet, das Publikum soll den Rest selbst im Kopf zusammenstellen.

Das ist sehr spannend, erfordert aber jede Menge Geduld. Bis Nope mal tatsächlich Fahrt aufnimmt, ist bereits rund eine Dreiviertelstunde vergangen. Solange nimmt sich Peele viel Zeit, um das Leben der beiden Hauptfiguren zu erzählen, auch mithilfe von Flashbacks. Gleiches gilt für Ricky Park, der ehemalige Kinderstar einer Sitcom, die unter grausigen Umständen ein Ende fand. Mit der aktuellen Geschichte hat dieser Nebenstrang zunächst nichts zu tun. Tatsächlich könnte man ihn sogar mehr oder weniger komplett streichen, ohne dass es den Zuschauern und Zuschauerinnen aufgefallen wäre. Und doch gibt es durchaus Parallelen. Die werden aber nie wirklich verbalisiert, so wie Nope insgesamt deutlich weniger seine Themen anspricht als die beiden letzten Male – weswegen nicht wenige diese erst gar nicht erkennen werden.

Ein Film voller Ambivalenzen

Dabei gibt es einiges, worüber es sich zu diskutieren lohnt. Die Bandbreite reicht dabei von ökologischen Themen über soziologische bis hin zu einer Beschäftigung mit der Unterhaltungsindustrie. Dabei behält Nope immer eine Ambivalenz bei, ist gleichzeitig Liebeserklärung an das Geschichtenerzählen wie auch eine Kritik an der Ausbeutung, die damit einhergeht. Selbst die Hauptfiguren sind nicht so eindeutig, wie man es aus diesem Bereich gewohnt ist. Im Gegensatz zu Get Out und Wir, die dem Publikum diese Diskussionen aufdrängten, kann man diese hier aber auch bleiben lassen, sich zurücklehnen und das Geschehen genießen. Anlass dazu gibt es jede Menge. Neben dem herausragenden Ensemble und der gelegentlichen Komik sind es die Bilder, die einem in Erinnerung bleiben. Da treffen das Naturalistische und das Bizarre aufeinander, werden von Geräuschen untermalt, die durch Mark und Bein gehen und den Film zum dritten Höhepunkt in Folge machen in der noch jungen Filmografie des Regisseurs.

Credits

OT: „Nope“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Jordan Peele
Drehbuch: Jordan Peele
Musik: Michael Abels
Kamera: Hoyte van Hoytema
Besetzung: Daniel Kaluuya, Keke Palmer, Brandon Perea, Steven Yeun, Michael Wincott

Bilder

Trailer

Interview

Wer mehr über die Arbeit und Entstehung von Nope erfahren möchte: Anlässlich des Kinostarts seines dritten Films beantwortete Regisseur und Autor Jordan Peele einige Fragen.

Jordan Peele [Interview]

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Nope
Fazit
„Nope“ ist ein typischer Film von Jordan Peele, wenn Horror mit gesellschaftlichen Themen verbunden wird. Und doch geht die Geschichte um zwei Geschwister, die unheimliche Beobachtungen im Himmel machen, in eine etwas andere Richtung. Die Denkanstöße sind subtiler, das Tempo geringer, der Film selbst dafür geradliniger – bis alles wieder ganz anders kommt.
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