Die Affäre Partir TV Fernsehen arte Mediathek DVD
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Die Affäre

Die Affäre Partir TV Fernsehen arte Mediathek DVD
„Die Affäre“ // Deutschland-Start: 28. Januar 2010 (Kino) // 30. April 2010 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Seit vielen Jahren schon ist Suzanne (Kristin Scott Thomas) mit dem Arzt Samuel (Yvan Attal) verheiratet, hat ihn bei seiner Arbeit unterstützt und die gemeinsamen Kinder groß gezogen. Jetzt ist es wieder an der Zeit, ein eigenes Leben zu haben. Eine Rückkehr zu ihrem alten Beruf Physiotherapie steht an. Als zu diesem Zweck ein Nebengebäude umgebaut werden soll, begegnet sie dem spanischen Bauarbeiter Ivan (Sergi López). Viel gemeinsam haben die zwei nicht, sie kommen aus völlig unterschiedlichen Welten. Und doch nähern sie sich in Folge an und entwickeln Gefühle füreinander – was Samuel unter keinen Umständen zu akzeptieren bereit ist …

Bitteres Ende einer Ehe

Bis dass der Tod euch scheidet? Das wird mehr und mehr zur Ausnahme. Dass sich Ehepaare trotz bester Absichten irgendwann trennen, ist heutzutage nun wirklich keine Besonderheit mehr. Das bedeutet aber nicht, dass so eine Trennung deswegen einfach ist. Sie kann sogar sehr hässlich sein. Diverse Filme haben dies vorgemacht, seien es Kramer gegen Kramer oder auch Marriage Story. Dabei erzählen die von einem zumindest noch eindeutigen Szenario, dem zufolge sich beide einig sind, dass die Ehe vorbei ist und nun auch offiziell beendet werden sollte. Doch was wenn nicht einmal da Einigkeit herrscht? Diesen Fall schildert Die Affäre, wenn eine Frau recht plötzlich entschließt, ihren Mann verlassen zu wollen, der seinerseits alles dran setzt das zu verhindern – mit fatalen Folgen.

Dass das Ganze böse ausgehen wird, daran gibt es keinen Zweifel. Der Film macht das gleich zu Beginn klar. Das Publikum darf sich jedoch fragen, worin genau dieses Ende des Schreckens bestehen wird. Das ist nicht unspannend, zumal Die Affäre sich mit der Zeit mehr und mehr dem Genrebereich annähert. Je heftiger der Kampf der zwei, umso verzweifelter die Reaktionen von Suzanne. Das Drama erzählt von einer wachsenden Eskalation, bei der beide Seiten zunehmend die Hemmungen verlieren. Moralische Fragen interessiert niemanden mehr, ebenso wenig solche nach Gesetzen. Suzanne will um jeden Preis wegkommen, Samuel um jeden Preis den alten Status Quo behalten. Dass seine Frau ihn gar nicht mehr will, ist für ihn Nebensache.

Die Abhängigkeit der Hausfrau

Im Gegensatz zu den obigen Filmen, wo sich zwei Streitende noch ungefähr auf Augenhöhe begegnen, erzählt Catherine Corsini (In den besten Händen, La belle saison – Eine Sommerliebe) in Die Affäre von einer Beziehung, die auf einer Abhängigkeit beruht. Die französische Regisseurin und Drehbuchautorin prangert auf diese Weise eine Gesellschaft an, die – trotz aller Verbesserungen – noch immer Frauen massiv benachteiligt. Dass Suzanne über viele Jahre den Haushalt geschmissen hat, den Mann unterstützt und die Kinder großgezogen, spielt alles keine Rolle. Im Zweifelsfall steht sie trotz allem ohne etwas da, da am Ende nur das Geld zählt. Und zu diesem hat die klassische Hausfrau keinen Zugang, auch aus der patriarchischen Sicht heraus, dass Frauen im besten Fall Beiwerk sind, meistens sogar nicht mehr als Besitz. Wie eine Kuh oder ein Hund.

Als Thema ist das zweifelsfrei wichtig und noch immer von einer erschreckenden Aktualität. Sonderlich nuanciert ist die Umsetzung aber nicht. So beschränkt sich Corsini bei ihrer Beschreibung von Samuel darauf, dass er ein widerwärtiger Mensch ist. Anfangs wird zwar noch mit Ambivalenzen gearbeitet, wenn er seine Frau bei ihrem beruflichen Vorhaben unterstützt, moralisch wie finanziell. Sobald aber die Trennung im Raum steht, wird er auf archaische Männlichkeitsbilder reduziert. Wobei auch Suzanne und Ivan keine besonders ausgefeilte Figurenzeichnung zuteil wird. Die Affäre beschränkt sich weitestgehend auf den Familienkrieg, weshalb nicht einmal die Affäre an sich wirklich ausgearbeitet ist. Das ist dann zwar alles gut gespielt, wie man es bei diesem Ensemble auch erwarten kann. Und doch ist der Film bei aller Tragik ein wenig dünn.

Credits

OT: „Partir“
Land: Frankreich
Jahr: 2009
Regie: Catherine Corsini
Drehbuch: Catherine Corsini
Musik: Georges Delerue
Kamera: Agnès Godard
Besetzung: Kristin Scott Thomas, Sergi López, Yvan Attal, Bernard Blancan, Aladin Reibel, Alexandre Vidal

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
César 2010 Beste Hauptdarstellerin Kristin Scott Thomas Nominierung

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Die Affäre
Fazit
In „Die Affäre“ verliebt sich die Frau eines Arztes in einen einfachen Bauarbeiter. Der Film konzentriert sich dabei auf den daran anschließenden Kleinkrieg. Der ist nicht unspannend, veranschaulicht zudem, wie sehr Frauen in einem patriarchischen System zu Gefangenen werden. Bei der Figurenzeichnung wurde jedoch kaum etwas investiert.
Leserwertung63 Bewertungen
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von 10