Kritik

La Belle Saison Eine Sommerliebe

„La belle saison“ // Deutschland-Start: 5. Mai 2016 (Kino) // 7. Oktober 2016 (DVD/Blu-ray)

In den 1970er Jahren zieht die 23-jährige Delphine (Izïa Higelin) nach Paris, um dort zu studieren. Bisher kannte sie das Großstadtleben nicht, da sie ihre Kindheit und Jugend auf dem Bauernhof ihrer Eltern im Süden Frankreichs verbracht hatte. Schon in den ersten Monaten in der Hauptstadt macht die Bekanntschaft mit einer Gruppe junger Frauen, die sich für Frauenrechte und Gleichberechtigung einsetzt und durch diverse, öffentlichkeitswirksame Aktionen auf sich und ihre Ziele aufmerksam machen. Beeindruckt von der Furchtlosigkeit der Frauen und von ihrem Lebensstil schließt sich Delphine ihnen an und verliebt sich in Carole (Cécile de France), eine der Anführerinnen der Bewegung. Zwischen den beiden beginnt eine innige, leidenschaftliche Beziehung, die unterbrochen wird, als Delphine nach einem Schlaganfall ihres Vaters in die Heimat zurückkehren muss. Da ihr Vater den Hof nicht mehr länger führen kann, muss Delphine ihrer Mutter dabei helfen, diesen zu leiten. Während Carole für sie ihre Beziehung in Paris beendet und ihr in den Süden folgt, muss sich Delphine vor allem entscheiden, ob sie zu ihrer großen Liebe steht oder ob sie weiter den Schein wahrt.

Der politische Körper
Die französische Regisseurin Catherine Corsini erzählt in La belle saison mehr als eine Liebesgeschichte, sondern auch eine über die Frauenbewegung der 1970er Jahre in Frankreich. Insbesondere der erste Teil ihres Films nimmt sich nicht nur Zeit für die einzelnen Figuren, sondern auch für eine detailreiche Abbildung der Zeit und Bewegung, die durch viele Aktionen auf sich aufmerksam machte. Die kämpferischen Reden, die Plakate und die feierlichen Gesänge der jungen Frauen zeigen eine Bewegung, die ihre Stimme noch dabei ist zu definieren und sich selbst zu finden, aber schon jetzt hehre, sehr interessante Ziele verfolgt und dabei erkannt hat, den eigenen Körper auch als eine politische sowie gesellschaftliche Einheit zu betrachten.

Mag der Film auch im zweiten Teil sich augenscheinlich von der Bewegung entfernen mit der Rückkehr Delphines zum Hof ihrer Eltern, so verfolgen die Ziele, die Schlagworte und die Ideen der Gruppe sie noch weiter, nun jedoch im privaten Bereich. Der Körper, der vornehmlich durch die harte Arbeit gezeigt wurde und innerhalb des Rahmens einer nach außen hin offenen, aber nach innen hin zutiefst konservativen, verschlossenen Gesellschaft, wird zu einem Statement gegen diese Ordnung und damit zu einer fast schon politischen Entität. Corsini und Laurette Polmanss versuchen in ihrem Drehbuch zu beschreiben, wie ein öffentliches Coming-out, ein Bestehen darauf, nicht mehr länger fremdbestimmt zu sein, einer Revolution gleichkommt. Dieser Verantwortung sind sich sowohl Delphine als auch Carole bewusst.

Schein nach außen, Liebe im Privaten
In einer bezeichnenden Szene dafür, wie schwierig ein solches Coming-out sein kann, löst sich Delphine von Carole, als sie sieht, dass sich einer der Dorfbewohner ihnen beiden nähert. Hatte man sich im Schutz der Großstadt noch getraut, sich öffentlich zu küssen, bietet die Offenheit der Landschaft keinerlei Schutz mehr. Immer um den Ruf ihrer Familie bedacht, der schon alleine aus wirtschaftlichen Gründen zu wahren ist, versiegt der Mut und andere Faktoren sind zu bedenken, die weit über das Private hinausgehen.

Mit ihren beiden Hauptdarstellerinnen Cécile de France (L’auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr) und Izïa Higelin (Heute bin ich Samba) gelingt Corsini nicht nur die glaubhafte Darstellung dieses Dilemmas, sondern auch ihrer wachsenden Liebe zueinander. Vor dem üppigen, berauschend schönen Hintergrund des französischen Südens erzählt Corsini die Geschichte dieser Liebe und des Dramas, das sich entspinnt, weil beide Frauen letztlich eine Entscheidung treffen müssen, die ihr Leben unausweichlich verändern wird.

Credits

OT: „La belle saison“
Land: Frankreich, Belgien
Jahr: 2015
Regie: Catherine Corsini
Drehbuch: Catherine Corsini, Laurette Polmanss
Musik: Grégoire Hetzel
Kamera: Jeanne Lapoirie
Besetzung: Cécile de France, Izïa Higelin, Noémie Lvovsky, Laetitia Dosch

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
César 2016 Beste Hauptdarstellerin Cécile de France Nominierung
Beste Nebendarstellerin Noémie Lvovsky Nominierung
Prix Lumières 2016 Bester Film
Beste Regie Catherine Corsini
Bestes Drehbuch Catherine Corsini, Laurette Polmanss
Beste Hauptdarstellerin Izïa Higelin
Beste Musik Grégoire Hetzel

Filmfeste

Locarno 2015

Kaufen/Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

La belle saison – Eine Sommerliebe
4.11 (82.22%) 9 Artikel bewerten

La belle saison – Eine Sommerliebe
"La belle saison – Eine Sommerliebe" ist ein Film über eine große Liebe und das Drama um die Entscheidung für diese. Im Kontext der Frauenbewegung der 1970er Jahre und ihrer Ziele erzählt Catherine Corsini eine Geschichte voller Leidenschaft, Romantik, toller Bilder und über einen Schritt in die Ehrlichkeit, der auch heute noch viele schwerfällt.
7von 10

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.