Trügerische Sicherheit ZDF TV Fernsehen Mediathek
© ZDF/Christine Schroeder/Marion von der Mehden

Trügerische Sicherheit

Trügerische Sicherheit ZDF TV Fernsehen Mediathek
„Trügerische Sicherheit“ // Deutschland-Start: 4. April 2022 (ZDF)

Inhalt / Kritik

Die Arbeit von Jonas Neimann (Max Simonischek) ist ebenso simpel wie anspruchsvoll: Als Personenschützer soll er dafür sorgen, dass dem Lokalpolitiker Magnus Mittendorf (Christian Berkel) und dessen Familie nichts geschieht. Das bedeutet für ihn, immer wachsam zu sein und zu jedem Zeitpunkt einschätzen zu können, ob jemand eine potenzielle Gefahr darstellt. Verkompliziert wird diese Aufgabe durch die neue Pressesprecherin Katharina Borba (Friederike Becht), mit der er im Geheimen eine Beziehung führt. Bislang funktionierte dieser Spagat, auch wenn es ein paar Mal ein wenig brenzlig war. Doch dann geschieht etwas, was ihn an seiner kompletten Aufgabe zweifeln lässt …

Aus dem Leben eines Personenschützers

Personenschützer, das ist schon ein recht eigener Beruf. Ständig begibt man sich in Lebensgefahr, um einen Menschen zu schützen, mit dem man eigentlich nichts zu tun hat. Einen Menschen, den man vielleicht nicht einmal unbedingt mag. Im wahren Leben dürfte man eher weniger Berührungspunkte mit diesem Beruf haben. In Filmen und Serien sieht man sie dafür regelmäßig, wenngleich eher versteckt im Hintergrund, wenn sie abwechselnd Politiker, Gangsterbosse oder wichtige Zeugen beschützen. Dass sie dabei selbst einmal in den Mittelpunkt einer Geschichte rücken, ist eher selten. Ein Beispiel hierfür ist der neue ZDF-Film Trügerische Sicherheit, der einige Tage aus dem Leben eines solchen Personenschützers zeigt.

Das eigentlich Interessante an dem Film ist aber gar nicht mal so sehr die Schwerpunktverlegung hin zu einem Mann im Hintergrund. Stattdessen zeigt er sich von einer unerwartet nachdenklichen Seite. Wo andere Geschichten über Personenschützer, etwa Der Beschützer, im Action- und Thrillergenre austoben und sich auf die Gefahren konzentrieren, welche die Protagonisten zu überwinden haben, da handelt es sich bei Trügerische Sicherheit vielmehr um ein Drama. Zwischendurch können Situationen zwar schon einmal etwas brenzliger werden. Aber darum geht es letztendlich nicht. Viel wichtiger sind hier die Fragen, die sich Neimann und damit auch das Publikum stellen darf, teilweise stellen muss.

Eine Frage der Neutralität

Die wichtigste ist natürlich die, inwieweit diese Arbeit nur eine Arbeit ist und sein kann. So wird dem Protagonisten zwar ständig gesagt, dass er völlig neutral sein muss. Aber ganz verhindern lässt es sich nicht, dass man eine persönliche Beziehung zu Menschen aufbaut, mit denen man so viel Zeit verbringt. Dabei muss diese nicht zwangsläufig positiver Natur sein. Tatsächlich zeigt sich bei Mittendorf, dass er nicht unbedingt die liebenswürdigste Person ist, teilweise sogar richtig schäbig ist. Das macht die Aufgabe umso schwieriger, das eigene Leben zu riskieren. Und umso fragwürdiger: Trügerische Sicherheit konfrontiert mit der Frage, ob es unmoralisch ist, einen unmoralischen Menschen zu beschützen. Das erinnert an immer wieder hitzig geführte Debatten, ob Kriminelle eine Verteidigung vor Gericht verdienen.

Diese allgemeine Überlegung verbindet Annika Tepelmann (Leben über Kreuz) in ihrem Drehbuch mit dem Thema #MeToo. Einerseits ist das naheliegend, um diese Grundsatzfrage noch ein wenig zu intensivieren. Es führt aber auch dazu, dass eine andere schwierige Frage die erste zu überdecken beginnt, was nicht ganz glücklich ist. Die Fragen, obwohl zusammenhängend, sind dann doch zu unterschiedlich. Trotz dieses nicht ganz schlüssigen Konzepts ist Trügerische Sicherheit aber ein sehenswerter Film, der sich nicht dem Reißerischen und Manipulativen hingibt, wie man es bei TV-Produktionen oft hat. Max Simonischek, der letztes Jahr in Sarah Kohr: Schutzbefohlen schon einmal einen Personenschützer gespielt hat, ist mit seiner zurückhaltenden Art eine gute Besetzung für einen Mann, der sich an mehr als einer Stelle fragen muss, was genau er da tut.

Credits

OT: „Trügerische Sicherheit“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Thomas Kronthaler
Drehbuch: Annika Tepelmann
Musik: Martin Unterberger
Kamera: Christof Oefelein
Besetzung: Max Simonischek, Christian Berkel, Friederike Becht, Benjamin Schroeder, Jogi Kaiser, Christian Clauss, Andy Gätjen, Theresa Berlage

Bilder

Interview

Wie war es für ihn, die Rolle eines Personenschützers zu spielen? Und wie steht er zu den moralischen Fragen, die Trügerische Sicherheit aufwirft? Diese und weitere Fragen haben wir Hauptdarsteller Max Simonischek in unserem Interview zum Film gestellt.

Max Simonischek [Interview]

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Trügerische Sicherheit
Fazit
„Trügerische Sicherheit“ begleitet den Personenschützer eines Politikers, der sich zunehmend einer Gewissensfrage stellen muss. Das ist nicht der erwartete Thriller, sondern ein Drama, das ganz grundsätzliche Fragen zu Moral stellt und später mit Überlegungen zu #MeToo verknüpft. Diese Verknüpfung ist nicht ganz glücklich, insgesamt ist der Film aber durchaus sehenswert.
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