Kritik

Sarah Kohr - Schutzbefohlen

„Sarah Kohr: Schutzbefohlen“ // Deutschland-Start: 1. Februar 2021 (ZDF)

Als in Hamburg ein Anschlag auf den chinesischen Geschäftsmann Mian Chen (Vu Dinh) und dessen Familie verübt wird, kommt der gerade noch so mit dem Leben davon. Sarah Kohr (Lisa Maria Potthoff) wird nicht ganz zufällig Zeugin von dem Vorfall, handelt es sich doch bei dem mutmaßlichen Angreifer um Henning Lanz (Sebastian Blomberg). Diese war früher selbst ein Kollege der Polizistin, ist inzwischen jedoch kriminell geworden und untergetaucht, weshalb Kohr ihm schon seit einer Weile auf der Spur ist. Auf Anweisung von Staatsanwalt Anton Mehringer (Herbert Knaup) soll sie deshalb dem Personenschutzteam rund um Olaf Strözer (Sebastian Blomberg) zur Seite stehen. Doch dabei kommt es regelmäßig zu Konflikten, umso mehr, da an der Geschichte mehr dran ist, als es anfänglich den Anschein hat …

Die kämpferische Seite

Einem Kinopublikum dürfte Lisa Maria Potthoff vor allem für ihre komischen Rollen bekannt sein, etwa in Es ist zu deinem Besten oder in der bayerischen Provinzkrimireihe rund um Franz Eberhofer – zuletzt Leberkäsjunkie. Darin spielt sie die immer wieder vom Dorfpolizisten genervte Freundin, die sich einiges gefallen lassen muss. Dabei kann die gebürtige Berlinerin auch ganz anders, wie sie in Sarah Kohr zeigt. 2014 trat sie erstmals darin als Polizistin auf, seit 2018 wird die Reihe jährlich fortgesetzt. Mit Humor ist da nicht viel los. Stattdessen sind die im ZDF ausgestrahlten Krimis betont düster. Potthoff selbst tritt in diesen knallhart auf, zudem ungewohnt schlagkräftig.

In Sarah Kohr: Schutzbefohlen, dem inzwischen sechsten Teil der Reihe, darf sie auch richtig zuhauen, wenn sie sich mit ihrem früheren Kollegen einen Kampf liefert. Der sieht tatsächlich gut aus, im deutschen Fernsehen sind solche wuchtigen Hand-zu-Hand-Auseinandersetzungen dann doch eher eine Seltenheit. Ansonsten aber besteht die Geschichte in erster Linie aus einem Fernduell. Lanz will Chen umbringen, Kohr und Strözer das verhindern. Es handelt sich hierbei daher weniger um einen klassischen Krimi, bei dem ein Täter ermittelt bzw. ein Verbrechen aufgeklärt werden muss. Beides ist ja bereits bekannt. Vielmehr ist die deutsche Produktion dem Thrillergenre näher.

Die Suche nach den Gründen

Ganz ohne Krimielemente geht es dann aber doch nicht. Denn auch wenn das „wer“ und „was“ früh verraten werden, das „warum“ bleibt dabei nebulös. Der krimierfahrene Drehbuchautor Timo Berndt (Die Toten vom Bodensee: Der Wegspuk) gibt dem Publikum zwar Hinweise, worauf das alles hinauslaufen könnte, hält die entscheidenden dann aber doch bis zum Schluss zurück. Wer gerne Rätsel löst, ist deshalb hier an der falschen Adresse. Eine gewisse Ahnung darf man als erfahrener Zuschauer aber schon haben, was da abgelaufen ist. Schutzbefohlen macht schließlich keinen Hehl daraus, dass diverse suspekte Figuren in die Geschichte involviert sind.

Das ist manchmal schon ein bisschen forciert, der Film zu sehr darum bemüht, sehr düster zu sein. Dennoch ist der eher US-amerikanisch orientierte Genrebeitrag eine sehenswerte Alternative zum hiesigen TV-Krimiangebot. Wem diese zu träge sind oder sich an den zuletzt häufiger gewordenen Versuchen stört, alles mit Humor auflockern zu wollen, findet hier eine gegenteilige Ausrichtung. Die Auflösung an sich ist dabei zwar nichts Besonderes. Doch die stark von Konfrontationen und Aggression geprägte Geschichte ist insgesamt brauchbar. Die oft etwas dreckig gehaltene Hamburg-Optik tut ihr Übriges, damit die Zielgruppe bis zum Schluss dranbleibt und ein bisschen mitfiebert.

Credits

OT: „Sarah Kohr: Schutzbefohlen“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Bruno Grass
Drehbuch: Timo Berndt
Musik: Alex Komlew
Kamera: Tobias Schmidt
Besetzung: Lisa Maria Potthoff, Herbert Knaup, Maximilian Simonischek, Sebastian Blomberg, Anna Unterberger, Vu Dinh

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Sarah Kohr: Schutzbefohlen
Kein Humor, dafür viel Konfrontation und Aggression bis hin zu sehenswerten Nahkämpfen: Wenn in „Sarah Kohr: Schutzbefohlen“ das Leben eines chinesischen Geschäftsmannes geschützt werden soll, ist weniger Rätselarbeit als vielmehr Katz-und-Maus-Thriller angesagt. Auch wenn das ein bisschen zu gewollt düster ist, im Großen und Ganzen passt das Ergebnis als Alternative zu den oft eher gemächlichen TV-Krimis.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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