Licorice Pizza
© 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures

Licorice Pizza

Inhalt / Kritik

Licorice Pizza
„Licorice Pizza“ // Deutschland-Start: 27. Januar 2022 (Kino)

Der 15 Jahre alte Gary Valentine (Cooper Hoffman) weiß genau, was er will: Alana Kane (Alana Haim). Zwar ist die Foto-Assistentin, die dabei helfen soll, Bilder für das High-School-Jahrbuch zu schießen, deutlich älter als der Schüler. Das interessiert ihn aber wenig, weswegen er sie dazu überredet, doch gemeinsam mit ihm Essen zu gehen. Das nötige Geld dafür hat er, das Selbstbewusstsein auch. Tatsächlich lässt sich sein akuter Schwarm auf das Angebot ein, macht dabei aber klar, dass mehr nicht drin ist. Doch es wird nicht bei diesem einen Treffen bleiben. Immer wieder werden sich die Wege der beiden kreuzen, wobei Berufliches und Privates nicht immer klar zu trennen sind …

Einmal bitte alles

Das – je nach Ansicht – Schöne oder Scheußliche an einer Pizza ist, dass man praktisch alles draufpacken kann. Neben traditionellen Zutaten wie etwa Tomaten oder Salami findet man heute die unmöglichsten Sachen auf dem Teig. Von Nudeln über Schokolade und Äpfel bis Kartoffeln gibt es nichts, was es nicht gibt. Aber Lakritze? Ist da nicht vielleicht doch mal eine Grenze überschritten? Anders als der Titel Licorice Pizza impliziert, geht es hier aber nicht um kulinarisch fragwürdige Pizzen. Es geht nicht einmal um Essen. Dafür hat Regisseur und Drehbuchautor Paul Thomas Anderson so ziemlich alles andere in seinen Film gepackt, was ihm so eingefallen ist. Und das war eine Menge. Offensichtlich hat der gefeierte Filmemacher die vier Jahre seit Der seidene Faden ausführlich zum Brainstorming genutzt.

Tatsächlich ist einer der Vorwürfe, die man Licorice Pizza machen könnte, dass es hier keinen wirklichen roten Faden gibt oder ein übergeordnetes Thema. Vielmehr findet man hier 140 Minuten lang eine Anekdote nach der anderen aus dem Leben der beiden jungen Menschen. Die folgen zwar einer Chronologie. Außerdem kommen sich die zwei mit der Zeit auch näher, wie das so ist, wenn man sehr lange Seite an Seite durchs Leben stolpert. Die einzelnen Abschnitte sind aber so willkürlich, dass man sie grundsätzlich in einer beliebigen Reihenfolge bringen könnte. Sollte sich jemand einen Spaß daraus machen, die Szenen irgendwie anders zusammenzuschneiden, es würde einem neuen Publikum vermutlich kaum auffallen.

Zwischen Handwerk und Lebensfreude

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Gezeigte beliebig ist. Das wäre bei dem notorischen Perfektionisten Anderson auch eine noch größere Überraschung als ein Lakritzbelag auf der Pizza. Vielmehr ist das alles wie gewohnt so kunstvoll inszeniert, als hätte jemand sein ganzes Leben nur diesem einen Bild gewidmet. Licorice Pizza ist damit wie von dem Regisseur gewohnt etwas für Genießer und Genießerinnen, denen es nicht allein auf die Handlung ankommt, sondern ihren Spaß an der Detailarbeit haben. Doch wo er sich zuletzt so sehr auf das Formale konzentrierte und dabei das Leben an sich übersah, da geht es dieses Mal deutlich entspannter und menschlicher zu. Hier kommt ihm gerade die angesprochene Lockerheit der Ereignisse zugute, die Balance aus beidem ist besser gelungen. Hier trifft das Rational-Handwerkliche auf pure Lebensfreude.

Es trifft aber auch das Banale auf das Sonderbare. Schon die Szenen an sich sind so ungewöhnlich, dass man sie eher nicht vergessen wird. Die diversen Versuche von Gary, als Unternehmer richtig groß rauszukommen, sind beispielsweise mindestens bemerkenswert. Außerdem hat Anderson diverse skurrile Figuren angelegt, denen die zwei auf ihrem gemeinsamen Weg begegnen. Teilweise ist das unterhaltsam, teilweise weniger. Die schwächsten Szenen von Licorice Pizza sind diejenigen, bei denen der Geschichtenerzähler etwas zu verkrampft versucht lustig zu sein. Da hätte schon der eine oder andere Moment gestrichen werden dürfen, gerade auch angesichts der erneut exzessiven Länge. Der Schwung geht da mitunter schon verloren.

Nostalgisch, alltäglich, schön

Trotzdem ist Licorice Pizza sehenswert und zudem auch wieder zugänglicher als die letzten Filme. Die beiden Hauptfiguren sind, trotz ihrer ungewöhnlichen Erfahrungen, sehr viel alltäglicher und erlauben es dem Publikum, tatsächlich bei ihren Erlebnissen dabei zu sein. Der Film hat zudem eine nostalgische Note, wenn uns Anderson mitnimmt in die frühen 1970er. Dabei ist sein Film grundsätzlich von einer Ausbruchsstimmung geprägt, dem Gefühl, dass alles irgendwie möglich ist – deswegen auch die komischen Unternehmen. Gleichzeitig schwingt aber auch immer mit, dass die Zeit nicht ganz so ideal ist und neben den Wegen, welche die zwei einschlagen, so mancher Abgrund verborgen ist. Das Ergebnis ist eine etwas eigenwillige Mischung aus Drama und Komödie, Coming of Age und Romanze, die gerade auch für das Nachwuchsensemble sehenswert ist, das mit Natürlichkeit und Persönlichkeit begeistert.

Credits

OT: „Licorice Pizza“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson
Musik: Jonny Greenwood
Kamera: Michael Bauman, Paul Thomas Anderson
Besetzung: Alana Haim, Cooper Hoffman, Sean Penn, Tom Waits, Bradley Cooper, Benny Safdie

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Golden Globes 2022 Beste Komödie oder Musical Nominierung
Bestes Drehbuch Paul Thomas Anderson Nominierung
Bester Hauptdarsteller (Komödie oder Musical) Cooper Hoffman Nominierung
Beste Hauptdarstellerin (Komödie oder Musical) Alana Haim Nominierung

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Mit „Licorice Pizza“ kehrt Paul Thomas Anderson zu alter Stärke zurück, wenn er seine inszenatorische Kunstfertigkeit mit einer gewissen Leichtigkeit verbindet. Die Geschichte um zwei junge Menschen auf der Selbstsuche ist dabei sowohl aufgrund der Bilder wie auch des Ensembles wegen sehenswert. Auch die einzelnen Stationen des nostalgischen Genremixes machen Spaß, wenngleich mancher Versuch des Humors ein bisschen bemüht ist.
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