Das Geheimnis des gelben Zimmers Le Mystère de la chambre jaune TV Fernsehen Arte
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Das Geheimnis des gelben Zimmers

Inhalt / Kritik

Das Geheimnis des gelben Zimmers Le Mystère de la chambre jaune TV Fernsehen Arte
„Das Geheimnis des gelben Zimmers“ // Deutschland-Start: 10. September 2009 (arte)

Als auf Mathilde Stangerson (Sabine Azéma) im Schloss ihrer Familie ein Mordversuch verübt wird, steht die Polizei vor einem Rätsel. Schließlich befand sie sich allein in dem abgeschlossenen Zimmer, vor dem Fenster ist ein dickes Gitter. Wie konnte der Täter da ein- und ausgehen, ohne dass er von anderen bemerkt wird? Dass es einen gab, wird zwar früh klar, da er überall Spuren hinterlassen hat. Nur von ihm selbst fehlt jede Spur. Während Inspektor Frédéric Larsan (Pierre Arditi) in der Sache ermittelt, macht sich auch der junge Reporter Joseph Rouletabille (Denis Podalydès) gemeinsam mit dem Fotografen Sainclair (Jean-Noël Brouté) an die Arbeit, das Rätsel zu lösen. Dabei drängt die Zeit, denn es bleibt nicht bei diesem einen Mordversuch. Und nicht alle Schlossbewohner scheinen ein Interesse an der Zusammenarbeit zu haben …

Ein häufig verfilmter Autor

Der Name Gaston Leroux dürfte den meisten im Zusammenhang mit Das Phantom der Oper etwas sagen. Dabei ist es weniger sein 1910 erschienener Roman, der ihm Weltruhm brachte. Vielmehr waren es die zahlreichen Adaptionen, welche die Geschichte um ein entstelltes musikalisches Genie so bekannt machten – allen voran die Musical-Adaption von Andrew Lloyd Webber. Und auch das bereits zwei Jahre zuvor veröffentlichte Buch Das Geheimnis des gelben Zimmers wird hierzulande allenfalls Filmfans vertraut sein, da es hierzulande gar nicht auf Deutsch erhältlich ist. In der Heimat Frankreich gilt es hingegen als Klassiker, wurde ebenfalls mehrere Male verfilmt. Die älteste Version entstand dabei in den USA und kam 1919 unter dem Titel The Mystery of the Yellow Room auf den Markt.

Als sich Bruno Podalydès (Nur Fliegen ist schöner) der Materie annahm, gab es also schon diverse Vorbilder, von denen er sich emanzipieren musste. Dies tat der französische Regisseur und Drehbuchautor, indem er den Humor stärker betonte, als es andere getan hatten. Tatsächlich wimmelt es in Das Geheimnis des gelben Zimmers von skurrilen bis bescheuerten Figuren, welche die Geschichte zuweilen mehr zu einer Komödie machen als zu einem wirklichen Krimi. An manchen Stellen fühlt man sich beispielsweise an Ein Schuss im Dunkeln erinnert, wo ebenfalls ein luxuriöses Landhaus zum Schauplatz blutiger Verbrechen wird. Auch da wurde ein Krimiszenario genutzt und mit eigenartigen Leuten gefüllt, deren Aufeinandertreffen immer wieder komische Folgen hat.

Das Geheimnis des geschlossenen Raumes

Auf vergleichbare Slapstickeinlagen muss man in Das Geheimnis des gelben Zimmers hingegen verzichten. Zwar ist Hauptdarsteller Denis Podalydès (Der Sommer mit Anaïs, Die schönste Zeit unseres Lebens), der Bruder des Regisseurs, für etwas direkteren Humor schon mal zu haben. Aber er tritt hier dann doch als weitestgehend seriöser Journalist und Teilzeitermittler auf. Der Film bleibt dann doch den Krimiwurzeln treu und präsentiert in erster Linie ein klassisches Rätsel. Wenn ein Mensch in einem in sich geschlossenen Raum angegriffen wird – das gute alte Locked-Room-Szenario –, dann darf das Publikum daheim vor den Fernsehern kräftig spekulieren und eigene Thesen anstellen. Umso mehr, wenn damit die Geschichte nicht abgeschlossen ist, sondern die Mordlust erst begonnen hat.

Allzu hohe Erwartungen sollte man an den Kriminalfall aber nicht haben. Dass in dem Genre hin und wieder gern die Grenzen der Wahrscheinlichkeit durchbrochen werden, ist kein wirkliches Geheimnis. Auch die ganz großen Krimispezialisten wie Agatha Christie und Arthur Conan Doyle scherten sich im Zweifelsfall nicht dafür, ob ihre Geschichten glaubwürdig sind. Aber selbst innerhalb dieser angepassten Erwartungen ist Das Geheimnis des gelben Zimmers reichlich absurd. Sowohl die Auflösung des anfänglichen Rätsels wie auch eine späte Wendung sind so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass man sich schon fragt, ob Leroux seinerzeit nicht selbst eine Komödie im Sinn hatte.

Unterhaltung mit Nostalgiefaktor

Wer sich aber damit abfinden kann, dass das alles so nicht wirklich Sinn ergibt, der kann mit dem Film eine Menge Spaß haben. Das stimmungsvolle Setting und das spielfreudige Ensemble machen die Suche nach dem Mörder zu einer recht unterhaltsamen Angelegenheit. Zudem hat Das Geheimnis des gelben Zimmers einen gewissen nostalgischen Charme, wenn man sich hier naturbedingt an den alten Vertretern des Kriminalgenres orientiert. Da gibt es keine übertriebenen Verfolgungsjagden oder den Versuch, die Geschichte zu mehr erklären zu wollen, als sie ist. Dafür eine Menge Flair, wie man sie in hiesigen TV-Krimis zuweilen vermisst. Schade ist lediglich, dass der Film ebenso wie die Fortsetzung Das Parfüm der Dame in Schwarz nie fürs Heimkino veröffentlicht wurden und man entsprechend davon abhängig ist, ihn im Fernsehen anschauen zu können.

Credits

OT: „Le Mystère de la chambre jaune“
Land: Frankreich, Belgien
Jahr: 2003
Regie: Bruno Podalydès
Drehbuch: Bruno Podalydès
Vorlage: Gaston Leroux
Musik: Philippe Sarde
Kamera: Christophe Beaucarne
Besetzung: Denis Podalydès, Claude Rich, Sabine Azéma, Jean-Noël Brouté, Michael Lonsdale, Olivier Gourmet, Pierre Arditi

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Wenn in „Das Geheimnis des gelben Zimmers“ ein Mordanschlag verübt wird, für den es keine Erklärung gibt, dann sind Rätselfans gefragt. Diese müssen sich darauf einstellen, dass die Auflösung völlig bescheuert ist. Spaß macht der Krimi aber schon, sowohl wegen der humorvollen Ausrichtung wie auch des stimmungsvollen Ambientes und der nostalgischen Atmosphäre.
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