Sex and the City 2
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Sex and the City 2

Inhalt / Kritik

Sex and the City 2
„Sex and the City 2“ // Deutschland-Start: 27. Mai 2010 (Kino) // 22. Oktober 2010 (DVD/Blu-ray)

Es ist stiller Konsens, wenn nicht schon Konvention, dass Kritiken zu fiktionalen Filmen mit Inhaltsangaben derselben anfangen. Wo nichts ist, kann allerdings auch nichts zusammengefasst werden. Sex and the City 2 beginnt mit einer Schwulenhochzeit. Warum? Wissen die Macher wohl selbst nicht, hat für den restlichen Film auch keinerlei Relevanz. Dabei gibt es einen Gastauftritt von Liza Minnelli (nicht der einzige überflüssige Gastauftritt). Warum? Wissen die Macher wohl selbst nicht, hat für den restlichen Film auch keinerlei Relevanz. Sie singt Single Ladies (nicht die einzige nervige Gesangseinlage). Auf einer Schwulenhochzeit (der Film stellt übrigens sicher, dass auch der letzte Zuschauer mitbekommt, dass es ja eine Schwulenhochzeit sei). Warum? Wissen die Macher wohl selbst nicht, hat für den restlichen Film auch keinerlei Relevanz.

Obwohl das alles mit der Handlung von Sex and the City 2 nicht das Geringste zu tun hat, ist es dennoch in gewisser Weise bezeichnend für ihn. Es ist ja schon klischeehaft genug, homosexuelle Männer als beste Freunde in Frauenserien zu platzieren, die zwar irgendwie involviert sind, dann aber doch von bestimmten Events ausgeschlossen werden, die „nur für die Mädels“ gedacht sind. Da fällt es eigentlich tatsächlich auch nicht weiter ins Gewicht, noch tiefer in die Klischeekiste zu greifen und die beiden einzigen auftretenden homosexuellen Männer einander vorzustellen, was letztendlich dazu führt, dass sie zusammenkommen. In der Serie waren sie sich nicht sonderlich grün, im ersten Film beschränkte sich ihr gemeinsames Auftreten auf einen zögerlichen Kuss zu Silvester – wie sich das Ganze seither zur Hochzeit entwickelte, wird weder gezeigt noch erklärt.

Viel Blabla um nichts

Sex and the City, also die Serie wie auch der erste Film, blieben dem Titel ziemlich treu. Sex ist selbsterklärend, damit geizte die Serie nie und der Film übertrieb es gar ein wenig. City referiert auf New York, also der Stadt, in welcher der Großteil der Handlung verortet ist, und welche untrennbar mit den vier Protagonistinnen und ihren Erlebnissen verbunden war. Sex and the City 2 hingegen wirft dieses Konzept komplett aus dem Fenster. Während die Handlung in New York beginnt und endet, ist der Hauptschauplatz dieses Mal Abu Dhabi. Im Vorgängerfilm ging es zwar nach Mexiko, das war aber noch halbwegs organisch in den Storyverlauf eingewoben und in einer überschaubaren Zeit abgefrühstückt. In der Fortsetzung ist der Grund für den Ortswechsel ziemlich konstruiert, was ja noch in Ordnung wäre, wenn der Film eine gute Geschichte erzählen würde. Ließ sich der erste Film als fünf Episoden in einem beschreiben, wirkt der zweite storymäßig wie eine über die Maßen aufgeblähte und künstlich gestreckte einzelne Folge. Nicht nur aber sind die erneut knapp zweieinhalb Stunden mit Belanglosigkeiten und Wiederholungen (so gibt es mehrere Szenen, die Carrie alleine erlebt, nur um hinterher ihren Freundinnen das zu erzählen, was der Zuschauer gerade eben bereits gesehen hat) gefüllt, vieles an diesem Werk ist schlichtweg falsch, auf die eine oder andere Weise.

Ein seelenloser Brei

Miranda (Cynthia Nixon) etwa kündigt (zeitlich vor dem Trip, jedoch unabhängig davon) ihren Job, was für niemanden ein Problem zu sein scheint. Die meisten Akteure im Sex and the City-Universum sind einen gewissen Lebensstandard gewohnt, wie soll dieser nun nach dem Wegfall ihres Anwaltseinkommens gehalten werden? Die Serie sponn einen ganzen Handlungsbogen darum, dass ihr jetziger Ehemann Steve (David Eigenberg) sich anfangs nicht gut genug für Miranda fühlte, da er nur ein einfacher Barkeeper mit entsprechendem Gehalt war. In der Zwischenzeit wurde er zwar zum Barbesitzer, dennoch erscheint es nicht glaubwürdig, dass keiner die etwaigen finanziellen Folgen von Mirandas Entscheidung anspricht. Wohlstand spielte schon immer eine Rolle im Franchise, Prunk und Protz sind aber selbst für dessen Verhältnisse hier überbetont. Das kulturfeindliche Verhalten der vier Amerikanerinnen erscheint daneben fast nur noch wie eine obligatorische Fußnote. Was einmal gut ausgearbeitete, klar unterscheidbare Charaktere waren, verkommt in Sex and the City 2 zu einem seelenlosen Brei, den selbst Hardcorefans der Serie kaum noch zu verteidigen mögen.

Credits

OT: „Sex and the City 2“
Land: USA
Jahr: 2010
Regie: Michael Patrick King
Drehbuch: Michael Patrick King
Vorlage: Candace Bushnell, Darren Star
Musik: Aaron Zigman
Kamera: John Thomas
Besetzung: Sarah Jessica Parker, Kim Cattrall, Cynthia Nixon, Kristin Davis, Chris Noth, David Eigenberg, Liza Minnelli

Trailer

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„Sex and the City 2“ ist ein unglaublich miserables Machwerk, das nur deshalb einer niedrigeren Wertung entkommt, weil es schlicht belanglos ist. Sexismus, Klassismus und Rassismus sind zwar keine unbekannten Elemente des Franchises, kamen aber selten deutlicher zum Tragen als in diesem Film.
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